Chinareise Teil 1: PV-Konferenz SNEC, Treffen mit dem Vater des chinesischen EEG und Bambusinstitut
Am letzten Montag bin ich sicher und ohne Probleme in China gelandet. In diesem als autokratisch und alles kontrollierend geltenden Staat konnte ich einfach durch Vorzeigen meines Reisepasses an der Passkontrolle problemlos einreisen. Sonst gab es keinerlei Kontrollen oder Abfragen.
Ganz anders war meine geplante, aber gescheiterte USA-Einreise im März dieses Jahres zur Preisverleihung an der Universität von North Carolina (UNC). Schon mein ESTA-Antrag für die US-Einreise wurde damals aus mir nicht mitgeteilten Gründen abgelehnt. Mein Visumantrag für die USA war dann aber mit solch hohen Auflagen und Angaben für die Offenlegung aller meiner Aktivitäten im und außerhalb des Internets / Social Media verbunden, so dass ich entnervt aufgegeben hatte – auch angesichts der zunehmenden Warnungen vor USA-Einreisen und vor möglichen Schikanen der Einreisebehörden ICE.
Welch eine Veränderung in dieser Welt in den letzten zwei Jahren! Die als demokratisch und freiheitlich geltenden USA haben unter Trump gegenüber befreundeten Staaten wie Deutschland eine schikanöse und restriktive Einreisepolitik eingeführt, während China sich längst zu einer freundlichen Nation mit großer Willkommenskultur entwickelt hat.
Besuch der weltgrößten PV-Messe und Konferenz SNEC in Shanghai
Auf Einladung der Leitung der weltweit größten PV-Konferenz und Messe in Shanghai, hielt ich eine vielbeachtete Rede. Ich stellte heraus, dass der Weltfrieden und globaler Klimaschutz eine völlige Abkehr von den fossilen Rohstoffen (Erdöl, Erdgas, Kohle) benötigen.
Quelle: Rede auf der SNEC Shanghai – Solar Energy and 100% Renewables
Hier leistet China seit 2013 den größten globalen Beitrag, insbesondere auch bei der Photovoltaik. Nachdem in Deutschland unter der damaligen Staatssekretärin Katherina Reiche der Solarausbau gesetzlich verordnet einbrach und die deutsche Solarindustrie weitgehend in den Konkurs getrieben wurde, eroberte China die Welt-PV-Märkte.
China beherrscht heute den globalen Solarmarkt. Etwa 50 % aller Solarmodule werden in China installiert und über 90 % der Solartechnologien werden dort produziert. Genau das zeigte sich bei meinem Rundgang auf der PV-Messe SNEC. In riesigen Messehallen zeigten tausende Unternehmen ihre Produkte: PV-Module, Batterien, Wechselrichter, E-Auto-Ladestationen, Smart Home und Offgrid-Systeme, Energie-Managementsysteme, Elektrolyseure für grünen Wasserstoff, Stromleitungen und vieles mehr. Deutsche Firmen musste man „mit der Lupe“ suchen.
Treffen mit Li Junfeng, dem Vater des chinesischen EEG
Höchst beeindruckend war mein Treffen mit Herrn Li Junfeng aus Peking.
Quelle: Li Junfeng – TheJEI Dokument
Er wird der Vater des EEG Chinas genannt und ist Präsident der Erneuerbaren Energie Industrievereinigung in China.
Wir erinnerten uns in diesem langen und freundlichen Gespräch an die Entwicklung der beiden EEG-Gesetze in Deutschland und China.
So erzählte mir Li Junfeng, dass er im Jahre 2003 mit einer Delegation im Auftrag der chinesischen Regierung in Deutschland war, um die Erfolgskriterien des deutschen EEG zu erkunden. Ich erinnerte mich genau an dieses etwa dreistündige Treffen, wo Hermann Scheer und ich lange die Grundzüge des EEG dieser Delegation im Bundestag darstellten.
2004 war Li erneut in Deutschland bei der ersten internationalen Regierungskonferenz für Erneuerbare Energien in Bonn, die vom damaligen Umweltminister Jürgen Trittin initiiert wurde. Auch hier erinnerte er sich an Gespräche und Reden, die wir führten.
Li Junfeng erzählte mir, dass er die Details des chinesischen EEG-Gesetzes vor allem mit Mao Rubai, dem damaligen Vorsitzenden des Umweltausschusses im Nationalen Volkskongress in Peking, besprochen hatte. Diese hatte er zuvor in Deutschland von uns erfahren.
Die Grundprinzipien des deutschen EEG waren Vorbild für das chinesische EEG
Ich erinnere mich auch sehr gut an ein Treffen der deutsch-chinesischen Parlamentariergruppe in Peking im Jahr 2005, bei dem ich als Vorstandsmitglied Mao Rubai fragte, nach welchen Kriterien denn das EEG in China vorbereitet würde. Er nannte mir dann genau die Grundprinzipien des deutschen EEG aus dem Jahre 2000: Feste gesetzlich garantierte Einspeisevergütung, differenziert nach Art der Erneuerbaren Energien und Anlagengröße, in einer Höhe, die einen wirtschaftlich rentablen Betrieb ermöglichte; 20-jährige garantierte Vergütungsdauer; privilegierter Netzanschluss und Einspeisevorrang; jährliche Degression der Vergütung; Vergütungszahlung aus einer Umlage auf den Strompreis und keine Obergrenze für den Ausbau.
Mao Rubai schaffte es im ca. 3.000 Abgeordnete starken größten Parlament der Erde eine Mehrheit für das EEG zu organisieren. Die damalige Regierung Chinas und die kommunistische Partei waren noch geteilter Meinung, da auch in China die Kohleindustrie einen starken Einfluss hat.
Welch Parallele zu Deutschland! Auch wir Abgeordneten unter Rot-Grün mussten im Parlament die Widerstände des eigenen Wirtschaftsministers Werner Müller brechen, der als ehemaliger Ruhrkohle-Chef die Kohleinteressen gegen die Erneuerbaren Energien in den Vordergrund schob.
Dieses historische Ereignis widerlegt auch die vielfach geäußerte Meinung, dass der nationale Volkskongress in China ein reiner Abnickverein der Vorgaben der chinesischen Regierung und Partei sei. In China war wie in Deutschland das Parlament die entscheidende Kraft, die das EEG hervorbrachte.
Zuvor setzte sich nach Aussage von Li Junfeng auch Kanzler Gerhard Schröder in einem Staatsbesuch beim chinesischen Präsidenten Hu Jintao dafür ein, dass China dem deutschen Beispiel des Ausbaus der Erneuerbaren Energien folgen möge.
2006 trat dann das chinesische EEG in Kraft. Eine starke Würdigung dieses großen Erfolges in den letzten 20 Jahren konnte ich in der China Daily bei meinem Hinflug lesen.
Quelle: China Daily – Beitrag zur Energiewende in China
China hatte die meisten Grundprinzipien des EEG 2000 im Gegensatz zu Deutschland 20 Jahre durchgehalten und ist genau deshalb der mit Abstand größte Investor und industrieller Hersteller der Erneuerbaren Energien: Solar-, Wind-, Wasserkraft und Bioenergie. Aber auch Geothermie und Meeresenergien spielen in China eine Rolle.
Der Erfolg der Erneuerbaren Energien und anderer sauberer Technologien, wie E-Mobile oder Schnellzüge trug 2025 zu etwa einem Drittel zum chinesischen Wirtschaftswachstum bei und sind damit zum stärksten Wirtschaftsfaktor geworden.
Quelle: Tagesspiegel Background – Erneuerbare Energien und Chinas Wachstum
Preisverleihung auf der SNEC
Überrascht und erfreut war ich, dass in China sehr wohl die Vorreiterrolle Deutschlands nicht vergessen ist. In einer großen Feier beim Festbankett der SNEC wurde mir neben herausragenden chinesischen Industrieführern der „Global Smart Energy Award – Leader of the Year“ überreicht.
Auch mein Freund Eicke Weber, ehemaliger Professor in Berkeley und ehemaliger Direktor des Fraunhofer ISE in Freiburg, erhielt diese große Auszeichnung – zurecht für seine herausragenden Forschungsverdienste im Bereich der Photovoltaik.
Chinareise mit vielen weiteren Anlaufstellen, wie das Bambusforschungsinstitut
Nach der SNEC in Shanghai setzte ich meine Chinareise zusammen mit einer Reisegruppe über Hangzhou mit einem Besuch des Bambusforschungsinstituts und weiter nach Xiamen fort.
Das Bambusinstitut ist eine herausragende Forschungseinrichtung, die sich mit einer der am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt und deren Nutzung beschäftigt. Bambus kann unter optimalen Bedingungen bis zu 10 Meter hoch in zwei Monaten wachsen. Es findet vielfach Verwendung als Baumaterial, Ersatz für Plastik aus Erdöl, Grundstoff für Möbel, Spielwaren, Papier, Verpackungen und vieles mehr. Am Institut wird erforscht, wie Bambuskulturen als Kohlenstoffsenken wirken und welche Anbaumethoden hohe Biodiversität und gleichzeitig hohe Erträge bringen.
Bambus ist ein hochwertiger Rohstoff, der viele schmutzige und klimaschädliche Produkte aus Erdöl und Erdgas ersetzen kann und deren Produkte in China auch immer mehr verbreitet werden.
In der EU ist der Import von Bambusprodukten nicht erlaubt, weil Bambus botanisch ein Gras ist und kein Holz und damit nicht unter die Definition der Ausgangspflanzen für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen fällt. Eine größte Absurdität, weil damit wichtige ökologische Alternativen verhindert werden.
Teilnehmer der China-Reisegruppe sind Carl Fechner, Filmproduzent vieler Filme, unter anderem „Die 4. Revolution“; Frank Schweikert, Präsident und Gründer der Deutschen Meeresstiftung; Organisator der Reise ist Jürgen Kurz, Gründungsmitglied der Grünen in Deutschland. Er gründete schon 2003 eine erfolgreiche Firma aus dem Umweltsektor in Shanghai.
Die weitere Reisestation ist die Küstenstadt Xiamen. Dort findet gerade eine große Konferenzwoche über Meeresforschung und Schutz der Ozeane statt. Dort wollen wir die Zusammenarbeit Europas und Chinas für eine Meerespolitik verbessern, die die Ozeane als große Kohlenstoffsenke mit Makroalgenfarmen nutzt, um so eine dringend notwendige Abkühlung des Planeten Erde zu erreichen.
Doch dazu dann mehr, wenn ich wieder zurück in Deutschland sein werde.
