In der afrikanischen Sahelzone steigen die Grundwasserpegel, doch Deutschland trocknet aus
Zu viel Hitze, zu wenig Niederschlag: Seit Jahren nimmt die Trockenheit in Deutschland zu.
Deutschland hat laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in den vergangenen 25 Jahren 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren. Das entspricht ungefähr dem Wasservolumen des Bodensees, des Starnberger Sees, des Chiemsees, des Ammersees und der Müritz zusammen.
Quelle: Tagesschau: Deutschland trocknet aus
Ursachen dafür sind vielfältig:
- Die Erdaufheizung mit ihrer Zunahme an Dürren und Hitze;
- Verringerte Versickerungsmöglichkeiten von Niederschlägen infolge von Flächenversiegelungen, der Verkleinerung von Naturräumen und „ausgeräumten“ Agrarflächen;
- Erhöhte Abflussgeschwindigkeiten von Flüssen und Bächen durch Begradigungen, Kanalisierungen sowie den Abriss von Aufstauungen, insbesondere bei kleinen Wasserkraftanlagen
In diesem Sommer sind die dramatischen Auswirkungen schlimmer denn je: Wasserversorger müssen Wassersparmaßnahmen anordnen lassen, etwa Verbote des Rasensprengens, Autowaschens oder des Füllens von Gartenpools. Die Schifffahrt muss wegen des Niedrigwassers in den Flüssen eingeschränkt werden.
Ganze Ernten sind wegen Wassermangels gefährdet oder fallen geringer aus. Landwirtschaft und viele Unternehmen zapfen immer mehr das Grundwasser und Flusswasser an, wodurch der Grundwasserspiegel in Verbindung mit ausbleibenden Niederschlägen weiter sinkt. Wälder sterben ab.
In der Sahelzone steigt im Gegensatz zu Deutschland der Grundwasserspiegel stark an
In der Sahelzone Afrikas ist die Hitze noch viel stärker als in Deutschland und die Dürreperioden dauern mit neun Monaten viel länger als in Deutschland.
Jahrzehntelang hatte die Sahelzone – am südlichen Rand der Sahara gelegen – gegen eine immer schlimmer werdende Wasserknappheit zu kämpfen. Der Grundwasserpegel sank immer schneller, Brunnen versiegten und die Saharawüste breitete sich weiter nach Süden aus. In den betroffenen Ländern Westafrikas – etwa Niger, Mali, Tschad und auch im Sudan – gab es Hungersnöte. Menschen ohne ausreichende Lebensgrundlagen flüchteten auch nach Europa.
Doch wie ein Wunder: Seit wenigen Jahren steigt der Grundwasserspiegel in großen Teilen der Sahelzone zunächst langsam und seit einem Jahr sogar steil an.
Diesen Artikel sollte man dazu lesen:
Quelle: A Dramatic Rise in Groundwater in the Sahel – Climate Water Project
Entdeckt hatte dies Alpha Lo mit der Beobachtung von Daten aus der Satellitenfernerkundung.
Von Senegal über Mali, Burkina Faso, Niger und den Tschad bis zum Sudan ist überall ein exponentieller Anstieg der Wassermengen in Form von Oberflächenwasser, Bodenfeuchte und Grundwasser zu beobachten.
Erstaunlich: Die Niederschläge haben zunächst nicht nennenswert zugenommen. Vielmehr wurde die Versickerung des raren Niederschlagswassers aktiv durch zahlreiche Maßnahmen unterstützt. So konnte sich immer mehr Wasser im Untergrund sammeln.
So floss das Wasser in den kurzen Regenzeiten kaum mehr oberflächlich ab, sondern wurde mit Millionen kleiner halbmondförmiger Gruben aufgefangen und zum Versickern in den Boden geleitet.
Bäume, Grasland, Lebensmittelanbau und Natur kommen in der Sahelzone zurück
Zuerst siedelten sich in und um die Versickerungsgruben Pflanzen an. Millionen gesäter und gepflanzter Bäume konnten in wenigen Jahren aufwachsen. Sie bilden ein schattiges Blätterdach. Darunter wachsen jetzt wieder Hirse, Gemüse und andere Lebensmittel. Viehherden können wieder ernährt werden. Die begrünten Flächen sind sogar etwa 5 Grad Celsius kühler als die nicht begrünte Umgebung.
Die einst politisch geplante Grüne Mauer gegen die Ausbreitung der Sahara ist in großen Bereichen Wirklichkeit geworden.
Und nun nehmen sogar die Niederschläge wieder zu, weil die begrünten Landflächen mehr Verdunstung schaffen. Allerdings spielen auch höhere Ozeantemperaturen eine Rolle bei der Zunahme der Niederschläge.
Im obigen Link ist ein Video eingebettet, in dem dieses Wunder der Grünen Mauer eindrucksvoll zu sehen ist.
Millionen von halbmondförmigen Sickergruben, angelegt in harter Handarbeit von Millionen Menschen nach traditionellen Methoden, haben in großen Teilen der Sahelzone wieder Lebensgrundlagen mit landwirtschaftlicher Selbstversorgung in kleinbäuerlichen Strukturen geschaffen.
Es waren nicht die westlichen Agrarkonzerne mit ihrem Landgrabbing und ihren intensiven Agrarflächen, die den Hunger beseitigen und das Wasser zurückbringen. Auch gaben nicht die jahrzehntelangen milliardenschweren Programme der Entwicklungszusammenarbeit, z. B. über die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), den entscheidenden Anstoß dazu. Es waren die beharrlichen Arbeiten einheimischer engagierter Menschen, die den Menschen vor Ort die alten traditionellen Methoden wieder beibrachten.
„Ein Bauer namens Yacouba Sawadogo brachte diese alte indigene Technik, die sogenannten Zai-Gruben, nach Burkina Faso zurück. Anfangs verspotteten ihn die Dorfbewohner, doch mit jahrzehntelanger Beharrlichkeit gelang es ihm, sie von der Wirksamkeit dieser Methode zu überzeugen. Schließlich wurde er als der Mann, der die Wüste aufhielt, bekannt und arbeitete mit Nichtregierungsorganisationen und Regierungsprogrammen zusammen, um Millionen von Bauern für das Graben von Zai-Gruben zu schulen und zu mobilisieren.“
Zitat aus dem obigen Link.
Doch in Deutschland gibt es trotz Hitzewellen immer noch kein Umdenken bei Behörden und in der Politik
Versiegelungen und Abholzungen statt Aufforstungen nehmen in den Städten und deren Umland in Deutschland weiter zu. Bürgerliche Aktivitäten für Hitzeschutzpläne mit Bäumen und Entsiegelungen stoßen immer noch auf den Unwillen oder gar Widerstand von Behörden, Politik oder Konzernen mit ihren Bauprojekten, die keine oder ungenügenden Ausgleichsmaßnahmen vorsehen.
Selbst in Berlin, wo der bürgerlich angestoßene Baumentscheid nun zum Landesgesetz wurde, kämpfen die Organisatoren damit, dass die neuen gesetzlichen Grundlagen tatsächlich durch neue Bäume und Entsiegelungen umgesetzt werden. Ein Schwerpunkt der Aktiven muss sogar darauf gelegt werden, das Fällen gesunder großer Bäume zu verhindern.
Quelle: Berliner Morgenpost – „Unseren Bäumen darf nicht das gleiche Schicksal wie dem BER widerfahren“
Auch in vielen anderen Landesteilen sollen Bäume dem Straßenbau geopfert werden. So sollen im Spreewald 245 Bäume einem Straßenausbau weichen.
Quelle: Berliner Morgenpost – „254 Bäume müssen weichen: Urteil spaltet Zeuthen“
Naturschützer fordern weiterhin die Durchgängigkeit von Flüssen und Bächen durch den Abbau von Querverbauungen
Ausgerechnet Teile von Naturschützern, die sich sonst sehr für Begrünungen einsetzen, helfen kräftig mit, den Wassernotstand zu verschärfen.
Querverbauungen in Bächen und Flüssen halten Wasser in der Landschaft zurück, statt es nach einem Regenguss schnell abfließen zu lassen. Das Wasser kann versickern, der Grundwasserspiegel steigt in der Nähe von Querverbauungen. Da aber viele Flussläufe in den letzten Jahrzehnten begradigt oder kanalisiert worden sind, fließt das Wasser immer schneller ab. Mit fatalen Folgen: immer stärkere Austrocknung der Landschaften und sinkende Grundwasserspiegel.
Die vielfach realisierten Forderungen der Naturschutzverbände BUND, NABU, Greenpeace, WWF und anderer, Querverbauungen in Flüssen und Bächen, insbesondere kleine Wasserkraftanlagen, herauszureißen, um die Fließgewässerökologie zu „verbessern“, haben zu einer deutlichen Beschleunigung des Wasserabflusses geführt. Die Folgen werden immer sichtbarer.
In den zunehmenden Trockenzeiten trocknen immer mehr Bäche ganz aus. Fische und andere Gewässertiere verenden komplett. In Gumpen vor Querverbauungen, z. B. kleinen Wasserkraftanlagen, hatten sie früher noch Rückzugsräume zum Überleben gefunden. Heute sind vielfach auch diese Gumpen wasserleer, weil die Querverbauungen kleiner Wasserkraftanlagen geschliffen wurden. Die Fließgewässerökologie, die Naturschützer schützen wollten, ist in diesen Bereichen tot.
Hier ein aktuelles Beispiel aus den Bächen um Leutkirch in Baden-Württemberg:
Quelle: Die Bildschirmzeitung – Kaum noch Gumpen für Fische
Doch auch in der Entwicklungszusammenarbeit der GIZ gibt es weiter kaum Unterstützung für neuartige moderne Aufforstungsmethoden in semiariden Räumen, z. B. mit Neuzüchtungen von Jatropha
Erfolgreiche Referenzplantagen in Kamerun und Madagaskar mit sowohl essbaren als auch nicht essbaren Jatropha-Neuzüchtungen haben gezeigt, wie gut diese zum Aufforsten, Begrünen und zur Verbesserung des Lebensmittelanbaus geeignet sind.
Die Projektpartner Vereinigte Werkstätten für Pflanzenöltechnologie, Dr. Gruber/Gruber GbR, JatroSolution Cameroon und LifeEnergies GmbH arbeiten an der Skalierung der nicht essbaren und essbaren Jatropha-Varietäten auf nachhaltigen Plantagen im Industriemaßstab. Ziel ist, für globale Märkte eine nachhaltige Rohstoffquelle für Flugbenzin und Protein aus semiariden Gebieten aufzubauen und zwar als Alternative zum bisher dominierenden Palmöl und Soja aus Regenwaldgebieten.
Damit könnten großflächige Aufforstungen von semiariden Gebieten in weiten Teilen Afrikas vorangetrieben werden und ein wichtiger Beitrag zum Stopp der Regenwaldabholzung infolge des Soja- und Palmölanbaus geschaffen werden.
Über satellitengestützte Geographic-Information-System-Daten (GIS) wurde auf 6,7 Millionen km² ein globales Jatropha-Potenzial von ca. 263 Millionen Tonnen berechnet. Die für den Jatropha-Anbau geeigneten semiariden Flächen korrelieren dabei überwiegend mit den Ländern mit dem niedrigsten Bruttonationaleinkommen pro Kopf. Die Wiederbegrünung semiarider Gebiete, insbesondere in Afrika, aber auch in Asien oder Lateinamerika, mit Jatropha ist damit ein effektives Instrument zur gleichzeitigen Bekämpfung von Klimawandel, Wüstenbildung, Armut und Migration.
In der großen Studie der EWG zu 100 % Erneuerbaren Energien sind diese Möglichkeiten wissenschaftlich auf den Seiten 233 bis 237 nachzulesen.
Quelle: EWG/LUT-Studie zu 100 % Erneuerbaren Energien
Die GIZ hat aber in der Vergangenheit einem Förderantrag für Jatropha die Unterstützung entzogen, wegen der angeblichen Konkurrenz „Teller oder Tank“, was im Falle der Neuzüchtungen von Jatropha ja gar nicht zutrifft.
Die Projektpartner suchen daher nach privater Finanzierung, da die öffentliche Hand offensichtlich weiter auf alte Konzernprojekte setzt, die in der Vergangenheit die Probleme Welthunger und Entwaldung eher befördert als abgeschafft haben.
Deutschland kann und sollte aus der Sahelzone lernen
Auch die deutsche Politik auf kommunaler, Landes- und Bundesebene muss sich endlich den zunehmenden Hitzeproblemen zuwenden und Lösungen für Hitzeanpassung und Klimaschutz unterstützen, statt sie zu behindern.
Wenn Deutschland in den nächsten beiden Jahrzehnten nicht zunehmend an Wassernot, Hitzewellen, Waldsterben, Dürren und damit Nahrungsmangel untergehen will, braucht es endlich einen Vorrang für entsprechende Maßnahmen.
Deutschlands Politik und Verwaltung sowie die Manager der Konzerne sollten aus dem grünen Wasserwunder der Sahelzone lernen und Vorrang für folgende Maßnahmen schaffen:
• Bäume und Grünflächen auch in den Städten und Dörfern.
• Entsiegelung großer versiegelter Flächen.
• Dach- und Fassadenbegrünung, gerade auch von Industriegebäuden.
• Urban Gardening.
• „Essbare“ Wälder in und in der Umgebung von Städten als Nahrungsmittellieferant.
• Umwandlung von monotonen Agrarflächen in Agroforst, ggf. in Verbindung mit Agri-PV.
• Hecken, Büsche, Biotopvernetzung.
• Renaturierung von Mooren mit Nutzungen der Moorpflanzen, wie Paludikulturen.
• Anlage von Millionen kleinen halbmondförmigen Versickerungsgruben in der Flur, vor allem auch in Hang- und Steillagen, wie im Wein- und Obstbau.
• Mehr naturnahe Querverbauungen in Bächen und Flüssen zur Wasserrückhaltung in Verbindung mit Fischauf- und -abstiegshilfen, am besten zusammen mit einem Ausbau der Wasserkraft.
• Zudem muss endlich auf konsequenten Klimaschutz mit dem Ende aller Treibhausgasemissionen gesetzt werden, damit eine weitere Aufheizung der Erde verhindert wird. Denn wenn das nicht geschieht, werden auch alle Hitzeschutzmaßnahmen wegen immer höherer Temperaturen in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr helfen.
Diese und viele andere hier nicht erwähnten Maßnahmen würden wie in der Sahelzone auch bei uns den schon viel zu tiefen Grundwasserspiegel wieder anheben, Städte und Landschaften abkühlen, mehr Regen schaffen, die Trinkwasserversorgung sichern und nicht zuletzt mit vielen aktiven Kohlenstoffsenken durch Pflanzen, Bäume und regenerierte Böden auch zum Klimaschutz beitragen.
