Wie Geschäftsmodelle für Bürgerenergiegemeinschaften erfolgreich werden können

 

Liebe Leser*innen,

 

die Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien braucht die aktive Mitgestaltung aller Menschen. Viele fühlen sich überfordert, da die Materie sehr komplex ist und selbstverständlich niemand Fachmann in allen Bereichen sein kann. Der Zusammenschluss mit Gleichgesinnten in Bürgerenergiegemeinschaften ist daher eine sehr erfolgreiche Strategie.

Dazu kommen die Fragen auf: Wie gehen wir das an? Was soll unser Ziel sein? Welches Geschäftsmodell kann für uns erfolgreich sein? Sollen wir uns der Heizung, dem Strom, der Mobilität zuwenden oder gleich alles in einem?

 

Das Bündnis Bürgerenergie e.V. (BBEn) hat dazu kürzlich eine neue, sehr empfehlenswerte Broschüre zum Thema „Geschäftsmodelle sinnvoll entwickeln und Wertschöpfung steigern“ herausgegeben, die sich explizit an Bürgerenergiegenossenschaften richtet.

 

Bürgerenergiegemeinschaften basieren häufig auf ehrenamtlichem Einsatz von Hochengagierten, die einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Ressource Zeit ist dann häufig kostbares Gut. Umso wichtiger also, dass Geschäftsmodelle so ausgestaltet sind, dass Ressourcen innerhalb der Bürgerenergiegemeinschaften effizient genutzt werden und der größtmögliche Beitrag zum Klimaschutz erzielt wird.

 

Neben diesen internen Herausforderungen sind unsere Zeiten gleichzeitig von multiplen Krisen geprägt – von Klimakrise, über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, hin zum Fachkräftemangel. Diese Veränderungen gehen auch an den Bürgerenergiegemeinschaften nicht spurlos vorbei, sondern müssen bewusst mit in ihren Geschäftsmodellen mitberücksichtigt werden.

 

Vor dem Hintergrund dieser internen und externen Herausforderungen für Bürgerenergiegenossenschaften bietet die neue BBEn-Broschüre gute Orientierung bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle bzw. bei ihrer Anpassung. Die Broschüre beleuchtet die Bereiche Strom, Mobilität und Wärme und zeigt dabei eine Bandbreite an Gestaltungsspielräumen für die Bürgerenergie mit unterschiedlichen Wertschöpfungsgraden auf. Veranschaulicht wird dies durch erfolgreiche Praxisbeispiele. Insgesamt ist das BBEn der Überzeugung, dass:

 

„Wenn Energiegenossenschaften ihre Tätigkeitsfelder erweitern, sichern sie ihre Zukunft, schaffen leichter den Schritt hin zu bezahlten Kräften und werden attraktiver – sowohl gegenüber ihren Mitgliedern als auch gegenüber ihren Stakeholdern.“

 

Die Broschüre ist sowohl online verfügbar als auch als Druckversion bestellbar.

 

Zur historischen Bedeutung der Bürgerenergiegemeinschaften: Es waren nicht die großen Stromversorger, die den starken Erfolg des EEG seit 2000 ausmachten. Verschiedene Untersuchungen kommen zum Ergebnis, dass bis zu 80% aller Investitionen in Erneuerbare Energien in Deutschland von neuen Akteur*innen getätigt wurden: Privatleute, Landwirt*innen, neue kleine und mittlere Unternehmen und eben auch Energiegemeinschaften. Sie waren der große Garant für den steilen Ausbau der Erneuerbare Energien bis etwa 2012, bis die Politik unter Kanzlerin Merkel Stück für Stück den Energiegemeinschaften das Leben schwerer machte.

Genau diese Bürgerenergie mit vielen neuen Energiegemeinschaften wieder zu einer neuen Blüte zu verhelfen ist die große Chance, 100% Erneuerbare Energien doch noch bis 2030 zu schaffen.

 

Also: Besorgen Sie sich noch heute die neue Broschüre des BBEn und laden Sie morgen Ihre befreundeten Gleichgesinnten zu einem ersten Treffen ein, bei dem Sie die Schritte zur Gründung einer Bürgerenergiegemeinschaft diskutieren können. Vielleicht fallen Ihnen gleich so viele schnell umzusetzende Aktivitäten und Geschäftsmodelle ein, dass Sie die Gasabschaltung durch Russland nicht fürchten müssen, Ihre Energiekosten deutlich senken und gleichzeitig das Klima schützen.

 

 

 

 

Hammelburg, 01. August, 2022

Ihr Hans-Josef Fell