Bremer Solidarstrom – eine herausragende bürgerliche Eigeninitiative

 

Liebe Leser*innen,

 

die Energiekrise ist in aller Munde, insbesondere wegen hohen Preisen für Strom, Erdgas und Erdöl. Die meisten Menschen rufen nach dem Staat, um Hilfen zu bekommen.
Eigeninitiative ist dagegen eher selten.

 

Ein leuchtendes Beispiel, wie man die persönliche Energiekrise mit Solarenergie zumindest abmildern kann, ist das Projekt „Bremer Solidarstrom“.

 

Ihre Mission ist es, die Energie- und Wirtschaftswende in Bremen gemeinsam mit den Bürger*innen vor Ort voranzubringen. Grundlegend kann dies über drei Komponenten erfolgen: Bremer*innen können entweder

 

1.Ökostrom beziehen

Der Ökostrom wird von den EWS Schönau geliefert. Er ist zertifizierter, 100%iger, echter unabhängiger Ökostrom. Die EWS sind ein Ökostrom-Pionier und als Genossenschaft organisiert.

 

2.Balkon-Solarmodul aufbauen

Jeder Haushalt darf bis zu zwei Balkon-Solarmodule benutzen und damit schnell und einfach an der Energiewende teilnehmen. Ein Balkon-Solarmodul spart jährlich ca. 75 € Stromkosten und 100 kg CO2. Balkon-Solarmodule sind sicher, ökologisch sinnvoll und legal. Die Installation ist ganz einfach. Mit dem solidarischen Preissystem von Bremer Solidarstrom entscheiden Sie selbst, was Sie zahlen: 500, 600 oder 700€.

 

3.Die eigene Solaranlage gemeinschaftlich mit ehrenamtlichen Helfern aufbauen

Der Bremer SolidarStrom plant und koordiniert den gemeinschaftlichen Selbstbau von Solaranlagen. Die Initiative leitet Sie an, unterstützt Sie mit ihrer Expertise und leiht Ihnen nötiges Werkzeug – alles sicher und versichert. Damit können Sie selbst Hand anlegen und Geld sparen. Elektro-Arbeiten werden von Fachkräften durchgeführt. Durch Kooperationen mit Bürger-Energie-Genossenschaften kann die Initiative auch für die Finanzierung der Anlage sorgen und Sie pachten sie.

 

Mehr Informationen finden Sie auf der Website von Bremer Solidarstrom oder in der hochgeladenen Präsentation der Initiative beim Bürgerenergie-Konvent in Fulda.

 

Damit die Bremer Solidarstrominitiative mehr Verbreitung findet wurde sie auf dem Bürgerenergie-Konvent in Fulda vorgestellt.

 

Dort fand vom 07. bis zum 08. Oktober 2022 das deutschlandweite Treffen der Bürgerenergiebewegung mit regen Diskussionen, spannenden Vorträgen und Workshops unter dem Motto „Bürgerenergie kann mehr“ statt. Das gesamte Programm ist hier einsehbar.

 

Mit über 130 Anmeldungen kamen Akteur*innen aus ganz Deutschland zusammen und konnten sich in Fulda vernetzen und zu wichtigen Themen rund um die Bürgerenergie austauschen. Unter anderem war auch meine Keynote dort zu hören, wo ich die Fehler der aktuellen Energiekrise sowie die dringende Notwendigkeit einer dezentralen, erneuerbaren Energieversorgung erläuterte.

 

Erfolgreiche Beispiele für eine Bürgerliche Energiewende in Eigeninitiative gibt es einige. So wurden in Österreich in den 1990er Jahren zehntausende thermische Solaranlagen in örtlichen Selbstbaugruppen errichtet. Diese Anlagen sind auch heute meist noch in Betrieb und die Hausbesitzer*innen freuen sich mehr denn je, dass sie für ihre erzeugte Solarwärme keine Kosten aufbringen müssen und dafür heute noch kein teures Erdgas oder Erdöl einkaufen müsse. Österreich wurde so in den 1990er Jahren zum Land mit der höchsten Dichte für Solarkollektoren.

 

Solche Initiativen sind gerade deswegen so positiv hervorzuheben, weil sie als Vorbild für andere Städte und Kommunen dienen. Exemplarisch wird in Bremen gezeigt, wie die Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren Energien, bis 2030, gelingen kann. Gemeinsam, dezentral und vor Ort packen Ehrenamtliche mit an und befördern massiv die dringend benötigte Energiewende. Denn klarer denn je ist: Uns bleibt keine Zeit und neben Bremen müssen solche Initiativen auch in viele andere Städte – nicht nur in Deutschland, sondern in die ganze Welt – getragen werden.

 

 

Hammelburg, 27. Oktober, 2022

Ihr Hans-Josef Fell