Feierstunde des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen Bad Kissingen anlässlich der Verleihung des Bhaumik-Preises der AAAS (USA) an Hans-Josef Fell

Laudatio von Manuela Rottmann und Grußwort vom stellvertretenden Landrat Roland Limpert

Der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Bad Kissingen lud am 12. Oktober 2026 zu einer Feier anlässlich der Verleihung des Mani L. Bhaumik Breakthrough of the Year Award 2026 an Hans-Josef Fell, Charlie Gay und Li Junfeng ein. Der Preis wurde in Kalifornien von der American Association for the Advancement of Science (AAAS) verliehen.

Quelle: AAAS – Bright Sun-Splashed Future for Renewable Energy

Quelle: Fränkischer Tag – Wegbereiter der Energiewende

Die Feier fand im historischen Grünen Saal des Regentenbaus in der Kurstadt Bad Kissingen statt. Aus dem ganzen Landkreis waren viele Gäste gekommen und füllten den großen Saal.

Die Kreisvorsitzende Nicole Hartmann organisierte den Ehrenabend und führte einfühlsam und professionell durch das Programm.

Grußworte sprachen:

  • Manuela Rottmann, ehemalige hauptamtliche Dezernentin für Umwelt und Gesundheit in Frankfurt am Main, ehemalige Abgeordnete des Bundestages und ehemalige Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium
  • Roland Limpert, stellvertretender Landrat des Kreises Bad Kissingen
  • Joachim Hockgeiger, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Hammelburg
  • Klaus Werner, Stadtrat in Bad Kissingen

Im Folgenden die Laudatio von Dr. Manuela Rottmann:

Lieber Hans-Josef,

liebe Annemarie,

sehr geehrter Herr stellvertretender Landrat Limpert,

liebe Mitglieder von Bündnis 90/DIE GRÜNEN,

sehr geehrte Gäste,

unser langjähriges Mitglied,

Stadtrat in Hammelburg,

Kreisrat im Kreistag Bad Kissingen und Bundestagsabgeordneter von 1998 bis 2015,

Präsident der Energy Watch Group

Hans-Josef Fell

ist dieses Jahr mit dem Mani L. Bhaumik Breakthrough of the Year Award ausgezeichnet worden. Der Preis wurde von der American Association for the Advancement of Science (AAAS) verliehen, der weltweit größten nichtstaatlichen Wissenschaftsgesellschaft, die auch dafür bekannt ist, dass sie die Wissenschaftszeitschrift „Science“ veröffentlicht, die angesehenste und wahrscheinlich die am häufigsten zitierte Zeitschrift für die Veröffentlichung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Das ist nicht der erste Preis oder die erste Ehrung für Hans-Josef Fell. Der Preis folgt auf den

  • EUROSOLAR-Solarpreis (1994)
  • Bundesverdienstkreuz (2015)
  • LUI Che Woo Preis (Preis für Weltzivilisation in der Kategorie Nachhaltigkeit, 2018)

Allein in diesem Jahr außerdem:

  • Cleantech Summit Lifetime Achievement Award der University of North Carolina (2026)
  • Global Smart Energy Award (2026)

Geehrt wurde Hans-Josef Fell für sein Lebenswerk und seinen entscheidenden Beitrag zum weltweiten Durchbruch der Erneuerbaren Energien (insbesondere der Photovoltaik) sowie als Mitautor des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Man könnte nun natürlich einwenden: Der gute Mann wird ja tagein, tagaus mit Preisen überhäuft, belobigt und geehrt, warum heute noch ein Empfang? Ich will unseren Kreisvorstand dennoch zu der Idee beglückwünschen, dass wir die Verleihung des Bhaumik-Awards an Hans-Josef Fell zum Anlass für diese Veranstaltung nehmen. Dabei geht es nicht so sehr darum, den schönen Rahmen der Preisverleihung ein bisschen nachzuholen. Denn Hans-Josef Fell konnte nicht bei der Preisverleihung in Kalifornien dabei sein, weil er sich den Vorgaben der Trump-Regierung für seine Einreise nicht unterwerfen wollte.

Es geht vielmehr darum, dass wir uns bewusst machen, wie viel die Arbeit von Hans-Josef Fell eigentlich mit uns zu tun hat, mit unserem Landkreis und unserer Region. Sich klar zu machen, dass diese Erfolgsgeschichte mehr ist als der persönliche Erfolg eines äußerst hartnäckigen Mannes. Es ist eine Geschichte voller Chancen auf ein besseres Leben für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Und es ist eine Geschichte, deren Chancenpotenzial für unsere Region gar nicht zu überschätzen ist.

Dieses Jahr 2026 wird nach den Prognosen der Internationalen Energieagentur ein Wendepunkt sein. Weltweit wird die Stromerzeugung aus Wind, Photovoltaik, Wasserkraft und Biomasse erstmals die Stromerzeugung aus der Verbrennung von Kohle überholen.

In Deutschland decken Erneuerbare Energien im ersten Halbjahr 2026 58 Prozent des Bruttostromverbrauchs – ein neuer Höchstwert nach 55,2 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Und jetzt möchte ich mit Ihnen 33 Jahre in die Vergangenheit zurückreisen zum 20. Dezember 1993:

Der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland lag im Jahr 1993 bei 4,7 Prozent.

Wichtigste Energieträger 1993

  • Wasserkraft: Stellte den größten Anteil (ca. 17.878 GWh, etwa 3,4 % des Bruttostromverbrauchs).
  • Windenergie: Befand sich noch in den Anfängen (ca. 612 GWh, ca. 0,1 %).
  • Biomasse / Deponie- und Klärgas: Trug ebenfalls einen kleinen Teil bei (z. B. Deponiegas mit ca. 372 GWh).
  • Und die Photovoltaik? War mit rund 3 GWh noch verschwindend gering (< 0,001 %). Die paar Verrückten, die so etwas auf dem Dach hatten, haben wahrscheinlich in diesen Raum gepasst.

1993 gab es im Wesentlichen nur vier große und mächtige Energiekonzerne, die mit der Stromerzeugung in Atomkraft- und Kohlekraftwerken Geld verdient haben, zum Beispiel mit dem AKW Grafenrheinfeld bei uns in der Nähe. Diese Vorläufer von RWE, E.ON usw. schalteten 1993 großflächige Anzeigen in den deutschen Tageszeitungen, in denen vor dem Ausstieg aus der Atomenergie gewarnt wurde. Dort hieß es wörtlich: „Regenerative Energien wie Sonne, Wasser und Wind können auch langfristig nicht mehr als vier Prozent unseres Strombedarfs decken.“

Hans-Josef Fell war damals noch Gymnasiallehrer in Schweinfurt, 1990 war er für die Liste „Bürger für Umwelt“ in den Hammelburger Stadtrat gewählt worden.  An diesem Tag also, dem 20.12.1993, fasst der Stadtrat Hammelburg auf Antrag des Stadtrats Fell einen historischen Beschluss: Für die Einspeisung von Solarstrom in das Netz werden die Stadtwerke Hammelburg den Eigentümern der Anlage von nun an eine sogenannte kostendeckende Vergütung von 2 DM pro eingespeister Kilowattstunde Strom für den Zeitraum von 20 Jahren zahlen. Hammelburg war deutschlandweit die erste Stadt, die einen solchen Beschluss fasste.

Der Vorschlag von Hans-Josef Fell beruhte auf folgenden Annahmen:

  • Bei den Erneuerbaren Energien sind die hohen Investitionen die Hürde für die Marktentwicklung. Die Einspeisevergütung sollte es ermöglichen, dass die Kosten für die Anlage über einen Zeitraum von 20 Jahren refinanziert werden können.
  • Die Kosten für Windräder und PV-Module werden dann sinken, wenn sie standardisiert hergestellt werden. Damit Wind und Photovoltaik wettbewerbsfähig werden, muss eine Nachfrage geschaffen werden, die eine industrielle Fertigung auslöst.

Leider war ich bei der Aussprache zu diesem historischen Beschluss im Stadtrat nicht dabei. Dass der Antrag eine Mehrheit fand, obwohl kaum einer der Stadträte damals ein PV-Modul schon aus der Nähe gesehen haben dürfte, obwohl Hammelburg bekanntlich nicht in Kalifornien liegt und obwohl man generell der Meinung war, dass Erneuerbare Energien eine Spinnerei von eine paar Bastlern bleiben würden, zeigte schon damals, was Hans-Josef Fell bis heute auszeichnet: Ein fundiertes technisches und wirtschaftliches Verständnis, überzeugende Argumente, die Fähigkeit, weit in die Zukunft zu denken und zu argumentieren, und eine außergewöhnliche Beharrlichkeit.

Nach dem Beschluss wurde die Hammelburger Solarstromgesellschaft als erste derartige Gesellschaft weltweit gegründet. Die etwa 70 Gesellschafter sammelten die damals sagenhafte Summe von 210.000 D-Mark ein und bauten damit fünf Photovoltaikanlagen im Stadtgebiet, die über die kostendeckende Vergütung refinanziert wurden. Ein Eigentümer einer Photovoltaikanlage, die bereits 1991 in Hammelburg installiert worden war, verzichtete übrigens auf die Einspeisevergütung: Das war Hans-Josef Fell selbst. Er wollte jedem Eindruck vorbeugen, dass es ihm bei dem Beschluss um eigene wirtschaftliche Interessen geht. Auch das hat immer dazu beigetragen, dass er überzeugen konnte: Seine persönliche Glaubwürdigkeit.

Die kostendeckende Vergütung wurde zum wichtigsten Hammelburger Exportgut nach dem Frankenwein. In den neunziger Jahren übernahmen immer mehr Kommunen das Modell, auch weil Hans-Josef Fell quer durch die Republik reiste und Stadt- und Gemeinderäte davon überzeugte. Jochen Partsch, aus Langendorf stammender späterer Oberbürgermeister von Darmstadt, begann damals, sich in Darmstadt kommunalpolitisch zu engagieren. Ich erinnere mich noch daran, wie er mir erzählte, dass er unbedingt Hans-Josef Fell für einen Vortrag über Erneuerbare Energien nach Darmstadt einladen müsse. Die Begründung war, ich zitiere aus dem Gedächtnis: „Wenn ich die CDU und die SPD überzeugen will, brauche ich den Hans-Josef. Dem springt der Ministrant aus jedem Knopfloch.“

Am Ende waren es etwa 40 Kommunen, die bundesweit die kostendeckende Vergütung für Solarstrom beschlossen haben. Ihre Erfahrungen waren es, auf deren Grundlage eine bundesweite Regelung der Energiewende erarbeitet werden konnte.

Hier zeigt sich ein weiteres entscheidendes Merkmal der Idee von Energiewende bei Hans-Josef Fell. Es geht nicht nur um Windräder oder Atomkraftwerke. Es geht auch darum, wer die Energiewende trägt.

Seine Vorstellung von der Energiewende war die einer Bewegung von unten, eine Bewegung der Kommunen, der Bürgerinnen und Bürger, der Landwirte, der kleinen und mittleren Unternehmen. Mit der Energiewende sollten auch Gewinne und Macht demokratisiert werden – weg von wenigen großen Konzernen hin zu vielen Menschen. Der Staat muss dafür die Rahmenbedingungen schaffen, aber die Umsetzung soll dezentral erfolgen. Diese Scheidelinie zwischen dezentraler Bürgerenergiewende und zentralistischer Absicherung der Macht und der Renditen für die alten Monopolisten ist bis heute ein oft erst auf den zweiten Blick erkennbarer Dauerkonflikt, auch innerhalb unserer Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Energiefragen sind Machtfragen. Hans-Josef Fell hat das nicht nur von Anfang an verstanden und klar benannt, er stand in dieser Frage auch immer eindeutig auf der Seite der Bürgerenergiewende.

Um die Erfahrungen aus den 40 Einspeisekommunen zu einem bundesweiten Erfolgsmodell machen zu können, reichte der Einfluss im Stadtrat Hammelburg und im Kreistag Bad Kissingen nicht mehr aus. Hans-Josef Fell kandidierte 1998 erfolgreich für den Deutschen Bundestag. Bündnis 90/DIE GRÜNEN schafften den ersten Eintritt in eine Bundesregierung.

Der Gymnasiallehrer Hans-Josef Fell aus Hammelburg hatte es mit einem Wirtschaftsminister namens Werner Müller aus Essen zu tun, der vorher Manager in den großen Kohle- und Energiekonzernen RWE und VEBA war. Hans-Josef Fell, der ja wegen der Energiepolitik überhaupt in den Bundestag gekommen war, wurde nicht energiepolitischer Sprecher der Fraktion, sondern bekam die Zuständigkeit für die Forschungspolitik, was ihn ordentlich gewurmt hat.

Trotzdem gelang es Hans-Josef Fell mit einigen anderen Mitstreitern, darunter der früh verstorbene Hermann Scheer von der SPD, durchzusetzen, dass am 1. April 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft trat. Das Gesetz passte damals auf zwei DIN-A4-Seiten und umfasste nur zwölf Paragrafen (aktuell sind es über hundert). Neben der Photovoltaik wurde auch die Vergütung von Windenergie geregelt.

Dieses kleine Gesetz löste eine Energierevolution aus. Zuerst in Deutschland, wo Hauseigentümer, Landwirte, Bürgerenergiegenossenschaften begannen, im ganzen Land Erneuerbare Energien aufzubauen. Gerade für die Landwirte ergab sich erstmals ein Zusatzeinkommen, so dass sie nicht mehr allein den schwankenden Marktpreisen für Milch oder Weizen und den Fördermitteln ausgeliefert waren. Landkreise wie der Rhein-Hunsrück-Kreis, der im Hinblick auf seine Größe, seine Landschaft und seine Bevölkerungsdichte wie ein Zwilling des Landkreises Bad Kissingen ist, erkannten ihre Chance. Sie bauten unter einem CDU-Landrat Windenergie und Photovoltaik massiv aus und stoppten mit den Einnahmen Abwanderung und Verschuldung. Erneuerbare Energien bewirken schon heute eine Wertschöpfung von 10 Mrd. Euro im ländlichen Raum und sind faktisch das wichtigste Strukturförderprogramm. Durch eigene Einnahmen wurde der Handlungsspielraum der Kommunen wieder vergrößert, der Gemeinderat hat wieder etwas zu entscheiden – damit wurde auch die Demokratie vor Ort gestärkt.

Die anfänglich 2 DM Einspeisevergütung für die ersten Hammelburger PV-Anlagen sind zusammengeschmolzen auf aktuell 7,7 Ct für kleine Anlagen. Daran kann man ablesen, wie stark die Preise der Module gefallen sind und die Effizienz gestiegen ist. Die Annahme von Hans-Josef Fell im Jahr 1993, dass über mehr Nachfrage die Kosten gesenkt werden können, hat sich bewahrheitet. Die Annahme der Kohlestromunternehmen aus demselben Jahr, dass Erneuerbare Energien – ich zitiere „auch langfristig“ nicht einmal fünf Prozent des deutschen Strombedarfs wird decken können, ist hingegen klar widerlegt.

So, wie er vorher durch die Republik getourt ist, um für die kostendeckende Vergütung zu werben, reiste Hans-Josef Fell nun rund um den Globus. Das EEG wurde in über hundert anderen Staaten – von Spanien über Südamerika bis China – übernommen. Hans-Josef Fell hat früher als die meisten von uns verstanden, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch der weltweiten Sicherheit ist. 2018 hat er sich mit Ruslana zusammengetan, der ukrainischen Gewinnerin des European Song Contest, um weltweit für Erneuerbare Energien als Friedensenergien zu werben. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und der Konflikt auf der arabischen Halbinsel haben diesen Zusammenhang offenkundig werden lassen.

Dass zu einer Energiewende viel mehr gehört als der Ersatz von Kohle- und Atomstrom durch Wind- oder PV-Strom, auch das hat Hans-Josef Fell ganz praktisch auf den Straßen des Landkreises Bad Kissingen gezeigt. In seinem Twike, einer Art Liegefahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb, war er ein spektakulärer Anblick. Damit ist er zur Bahn nach Gemünden gedüst. Heute wirbt sogar Porsche mit dem Slogan „Elektrisch. Typisch Porsche“. Ich bin neulich in einem elektrischen Porsche Taycan mitgefahren, der Besitzer hat mir von dem Auto vorgeschwärmt und weil es genauso strahlend weiß war wie das Fellsche Twike, über das sich damals viele amüsiert haben, musste ich wieder an Hans-Josef Fell denken, ohne den auch dieser Porsche wahrscheinlich nie gebaut und verkauft worden wäre.

Ich könnte jetzt noch stundenlang weiterreden: über seinen Einsatz für den Erhalt der Saaletal-Bahn, ohne die der Landkreis Bad Kissingen heute richtig abgehängt wäre, darüber, dass er mit der Energy Watch Group bis heute unverzichtbare Impulse für die Energiewende setzt oder darüber, dass er das Institut für Umweltenergierecht in Würzburg mitangestoßen hat. Aber es sind schlicht zu viele Erfolge für eine kurze Rede.

Bei solchen Ehrungen sagt man ja oft, dass sie auch Verpflichtung für den Geehrten sind, weiterzumachen. Das ist im Falle von Hans-Josef Fell nicht erforderlich. Er wird immer weiter arbeiten, werben und kämpfen für das, was er als richtig erkannt hat: Dass die Menschheit sich von den fossilen Energien verabschieden muss, wenn sie überleben will, und dass sie mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien eine viel bessere Zukunft gewinnen kann. Er wird sich nicht zur Ruhe setzen, obwohl er bereits mehr erreicht und geleistet hat, als in ein normales Leben überhaupt hineinpasst. Er wird weiterhin die Fehler der deutschen Energiepolitik benennen und die Rückschläge wegstecken. Gerade jetzt, wo es angesichts des Tempos der Klimaveränderungen nicht leicht ist, optimistisch zu bleiben, gibt Hans-Josef Fell erst recht nicht auf, sondern sucht nach Möglichkeiten, die Forschung zu finanzieren, um Treibhausgase wieder aus unserer Atmosphäre zu entfernen. Eine seiner besonders bewundernswerten Eigenschaften ist nämlich, dass er immun gegen jeden Fatalismus ist, dass er immer einen Weg sieht, für den es sich zu kämpfen lohnt.

Ich möchte aber vom Blick auf die Welt wieder zurück in diesen schönen Grünen Saal in unserer Heimat kommen – der Heimat, der Hans-Josef Fell immer treu geblieben ist. Der Prophet gilt nicht viel im eigenen Land, sagt man. Hans-Josef Fell wurde allerdings 2019 Ehrenbürger von Hammelburg. In seiner Dankesrede hat er sich gewünscht, dass seine Heimatstadt ihn nicht nur ehrt, sondern einen machbaren Plan verabschiedet, um bis 2030 klimaneutral zu werden. Im Kommunalwahlkampf 2020 haben wir zusammen für einen Plan geworben, den Landkreis Bad Kissingen bis 2030 klimaneutral zu machen und mit einer engagierten eigenen Energiepolitik von den Chancen der Erneuerbaren Energien zu profitieren. Beides ist bisher nicht erfolgt. Ich bin recht sicher, dass Hans-Josef Fell sich aber genau das wünscht, viel mehr als noch irgendeinen Preis, ein Denkmal oder sonst eine folgenlose Ehrung.

Ich freue mich besonders, dass der neu gewählte stellvertretende Landrat Roland Limpert in Vertretung von Landrat Mario Götz sich heute die Zeit genommen hat für diesen Termin. Auf Ihnen, lieber Herr Landrat, ruhen viele Hoffnungen. Das, was der Rhein-Hunsrück-Kreis schon geschafft hat, nämlich mit Erneuerbaren Energien schwarze Zahlen zu schreiben, Arbeitsplätze zu schaffen, in die Infrastruktur zu investieren – das können wir auch. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Dieser Weg ist machbar, gerade dann, wenn die kommunalen Kassen leer sind. Das zeigt ein aktuelles Projekt der Energy Watch Group und des Städtetags Baden-Württemberg. Kommunaler Klimaschutz funktioniert ohne Geld, er kann als Wachstumsmotor genutzt werden. Er ist auch für unsere Städte und Gemeinden, unsere Unternehmen und Bürger eine Chance, zu der wir die Tür öffnen müssen.

Die Bevölkerung hat verstanden, dass Wind und Solar unser Weg in eine sichere, gesunde Zukunft sind, dass sie uns nicht nur vor Hitze und Überschwemmungen schützen, sondern auch vor Nahrungsmittelknappheit und vor Kriegen, und dass sie die Zukunft unserer Region sichern. Mit Hans-Josef Fell haben Sie DEN Experten vor der Haustür sitzen, der keine Luftschlösser baut, sondern bewiesen hat, dass die Energiewende machbar ist.  Stellen Sie sich an die Spitze der Bewegung! Wir alle werden Sie dabei nach Kräften unterstützen, und Hans-Josef Fell wird in den nächsten Jahren Bad Kissingen als Modellregion der Energiewende in der ganzen Welt bewerben!

Lieber Hans-Josef, liebe Annemarie, meine Heldenerzählung ist für heute zu Ende. Ihr beide wisst besser als ich, welche Widerstände und Rückschläge ihr auf diesem langen Weg zusammen durchgestanden habt, welche Opfer ihr gebracht habt. Ihr seid mir und vielen anderen Menschen zu einem Vorbild geworden. Wir alle sind dankbar für eure Weitsicht, euren Mut, eure Beharrlichkeit, auch eure Sturheit!

Danke für alles! Von Herzen: Alles Gute!


Im Folgenden das Grußwort von stellvertr. Landrat Roland Limpert, Landkreis Bad Kissingen

Sehr geehrte Damen und Herren,

verehre Ehrengäste,

und vor allem:

lieber Preisträger Hans-Josef Fell mit Familie,

es ist mir eine ganz besondere Freude und Ehre, heute in diesem festlichen Rahmen Ihnen, lieber Hans-Josef Fell, auch im Namen von unserem Landrat Mario Götz, der sich leider kurzfristig entschuldigen musste, zu dieser außergewöhnlichen Auszeichnung gratulieren zu dürfen.

Heute stehen keine bürokratischen Verfahren, keine Förderrichtlinien und keine Akten im Mittelpunkt. Heute geht es um einen Menschen, der weit über die Grenzen unseres Landkreises hinaus Großartiges geleistet hat und immer noch leistet.

Diese internationale Ehrung ist eine weitere Auszeichnung für Ihr unbeirrbares Engagement als Botschafter für 100 % Erneuerbare Energien. Als Autor des „Erneuerbare-Energie-Gesetzes“ haben Sie einen unverrückbaren Meilenstein gesetzt, der über unsere Grenzen hinweg auf europäische und internationale Ebene ausstrahlt.

Wenn wir über eine internationale Auszeichnung sprechen, dann denken wir oft an die große Weltbühne. Doch der heutige Tag beweist eindrucksvoll:

Das Fundament für weltweiten Erfolg, für wegweisende Innovationen und für herausragendes Engagement kann auch aus einem kleinen Pflänzchen wachsen.

Gemäß dem Motto des heutigen Abends:

„Klimaschutz aus der Region – global ausgezeichnet“.

Sie haben auch in unserem Landkreis, in unserer Region bei Ihrem Wirken als Kreisrat von 1996 bis 2003 für den Klimaschutz eine gute Saat gelegt.

… und wie das bei einer Saat so ist, braucht es manchmal etwas länger bis sie aufgeht oder man muss auch nachsäen.

Heute können wir aus Sicht des Landkreises sagen:

Mithilfe Ihrer politischen Erben und Ihrem steten Mahnen, ist es gelungen, den Klimaschutz mit all seinen Ausprägungen bei landkreiseigenen Maßnahmen zu platzieren und umzusetzen.

Mit den politischen Erben ziele ich, liebe Kreistagskolleginnen und Kreistagskollegen, natürlich auf euch und möchte die Gelegenheit nutzen mich für die inhaltlich wertvolle und konstruktive Zusammenarbeit zu bedanken.

Wir haben nach intensiven, sachlich geführten Diskussionen gemeinsam viele wichtige und zukunftsweisende Weichen für den Klima- und Hitzeschutz bereits in unserem Landkreis gestellt.

Lassen Sie mich einige Maßnahmen und Zielsetzungen exemplarisch anführen:

-Photovoltaik mit Speichertechnologien sowie Wärmeschutz auf bzw. an allen landkreiseigenen Liegenschaften.

(Sanierung Landratsamt, Telekomgebäude, Gebäude der Carl-von-Heß-Sozialstiftung, BBZ Münnerstadt und den Schulen etc.)

-Schulcampus Hammelburg komplett energieneutral, Heizen und Kühlen mit Eisspeicher

Verwendung nachwachsender Rohstoffe (Holz) und Recyclingbeton

-Nachnutzung des Frobenius-Gymnasiums in Hammelburg

-Einstieg in die E-Mobilität mit Ladesäulen und weiterem Ausbau

-Ziel der Klimaneutralität, Klimamanager

Ein Ziel muss bleiben:

Der Klimaschutz geht uns alle an und wir dürfen die Augen davor nicht verschließen. Wir brauchen einen umfänglichen Blick auf das Klima.

Auf das vor der Haustür und das in anderen Teilen dieser Welt.

Die notwendigen Maßnahmen werden uns weiterhin sehr viel Geld kosten – aber es muss unserer Gesellschaft klar sein, wenn wir diese Maßnahmen nicht gemeinsam jetzt angehen, dann wird es uns in naher Zukunft nicht nur wirtschaftlich belasten….

Sehr geehrter Herr Fell,

es ist schön sagen zu können:

Unsere Heimat hat eine Persönlichkeit, die mit Mut, Fleiß und einer klaren Vision, einer Ideologie die Welt ein Stück besser macht und vor einer großen Klimakatastrophe bewahren will.

Sie haben klimapolitische Entwicklungen bereits sehr früh erkannt und mit Ihrer fundierten Spitzenforschung nachweislich und anerkannt belegt. Dabei sind neue Technologien mit der Abkehr von fossilen Rohstoffen, dem Verzicht auf Atomenergie und wirtschaftlichem

Wachstum absolut keine Gegensätze.

Ihnen geht es dabei nicht allein um persönlichen Erfolg, Ihnen liegt die Zukunft unserer „Mutter Erde“ besonders am Herzen. Es ist Ihnen eine Mission, die Sie leben.

Lieber Preisträger,

eine internationale Ehrung fällt einem nicht in den Schoß. Sie ist das Ergebnis von unzähligen Jahren beharrlicher Arbeit. Aber auch von Rückschlägen.

Ich umschreibe es einmal vorsichtig: Sie wurden auch schon mal belächelt, unter anderem wenn Sie in den Anfangsjahren Ihres politischen Wirkens mit dem TWIKE Solarmobil unterwegs waren.

Es zeugt daher von Moral und von der unerschütterlichen Überzeugung sich für Ihre Mission unbeirrt weiter einzusetzen.

Sie haben Brücken gebaut – zwischen Fortschritt und Zukunft!

Erich Kästner hat einmal gesagt:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Als stellvertretender Landrat macht es mich außerordentlich stolz einen Menschen, wie Sie in unserem Landkreis zu wissen.

Ich durfte Sie bei verschiedenen Begegnungen näher kennenlernen und erfahren mit welcher Beharrlichkeit, Energie und Überzeugung Sie für den Klimaschutz mit all seinen Facetten eintreten.

Es war das Leuchten in Ihren Augen und das Herzblut mit dem Sie selbst bei kleinen Projekten Ihre Visionen zum Ausdruck brachten.

Dabei waren Sie stets um einen offenen Dialog bemüht und um einen respektvollen Umgang mit Ihrem Gegenüber.

Sie sind ein bemerkenswertes Vorbild für uns alle. Sie spornen die nächste Generation an und geben Impulse zum Umdenken, Mut zu beweisen und Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit international anzupacken.

Im Namen des gesamten Landkreises, des Kreistags und ganz persönlich möchte ich Ihnen meinen Dank und meine Wertschätzung aussprechen. Ebenso möchte ich Ihre Frau Annemarie in den Dank einschließen – denn hinter einem starken Mann steht eine noch stärkere Frau.

Noch einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser hochverdienten internationalen Auszeichnung mit dem Bhaumik-Preis.

Für die Zukunft Ihnen und Ihrer Familie alles Gute, bleiben Sie gesund und Gott behütet.

Roland Limpert

Stellvertretender Landrat Landkreis Bad Kissingen

12.10.2026