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Neue Studie: EEG-Umlage hat den Strompreis vergünstigt und nicht verteuert – Ohne Ökostrom wäre der Strompreis viel höher.

Es war das zentrale Argument: die Erneuerbare Energien würden den Strompreis nach oben treiben und damit Verbraucher wie Wirtschaft überfordern. Damit wurde seit 2010 der Niedergang des Ausbaus der Erneuerbare Energien in vielen EEG Novellen organisiert und damit die Verfehlung von Klimaschutz an sich.

Im Zentrum der Kritik aus Politik und Wirtschaft am EEG war immer die angeblich preistreibende Umlage, sie sei verantwortlich für die stetig wachsenden Strompreise. Das EEG und damit der Ausbau der Erneuerbaren wurden und werden immer noch als zu teuer abgestempelt. Erst jüngst hat der CDU-Vorstand die Abschaffung der EEG Umlage gefordert. Zu Unrecht, wie nun eine Studie von Forscher*innen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) im Auftrag der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG zeigt.

Die Autoren Sebastian Kolb; Marius Dillig, Thomas Plankenbühler und Jürgen Karl gingen der entscheidenden Frage nach, was denn die Strompreise kosten würden, wenn es nicht den Ausbau der Erneuerbare Energien gegeben hätte. Die Wissenschaftler*innen konnten nachweisen, dass die Strompreise ohne Erneuerbare Energien und damit ohne EEG-Umlage um etwa 45% höher lägen. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die EEG-Umlage genau das Gegenteil von dem bewirkt hat, was ihr vorgeworfen wurde. Denn der Zubau an Erneuerbaren hatte eine konstant dämpfende Wirkung auf die Strompreis-Bildung an der Börse.

In einer früheren Studie hatte das Forscherteam bereits nachgewiesen, dass die Erneuerbaren Energien die Endverbraucher*innen in Deutschland zwischen 2011 und 2013 ca. 30€ Mrd. erspart haben. Die neu vorliegende Folgestudie zeigt nun auf, dass die Erneuerbaren auch in den Jahren 2014 bis 2018 den Verbraucher*innen Mehrkosten von 40€ Mrd. erspart haben. In beiden Fällen sind die Kosten der EEG-Umlage bereits mit eingerechnet.

Der Anstieg der Strompreise für private Haushalte hängt laut der Studie wesentlich mit der Liberalisierung des Strommarktes zusammen und manifestierte sich als Trend bereits vor der Einführung der EEG-Umlage. Daher ist das Diskussionspapier der FAU hilfreich und von enormer Wichtigkeit, wenn es darum geht, mit den Mythen um die EEG-Umlage als Kostentreiber aufzuräumen.

Weitere wichtige Ergebnisse der Studie sind:

  1. Die Rekonstruktion der Strompreise der Jahre 2014 bis 2018 ohne erneuerbare Energien bestätigt die Ergebnisse der FAU-Strompreisstudie 2015. Erneuerbare Energien sorgten für fallende Großhandelspreise und sparten bundesdeutschen Letztverbrauchern insgesamt etwa 40 Mrd. Euro ein. Der Strombedarf hätte auch in den Jahren 2014 bis 2018 ohne die Einspeisung erneuerbarer Energien nicht jederzeit gedeckt werden können.
  2. Die CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung können mit dem Ausbaukorridor des EEG 2017 §4, den zusätzlichen Ausbauzielen des Energiesammelgesetzes vom 20.12.2018 und dem „Kohlekompromiss“ vom 26.01.2019 nicht erreicht werden.
  3. Notwendig wäre eine Vervierfachung des geplanten Ausbaus erneuerbarer Energien, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung nahezu zu erreichen und eine Verdreifachung, um die durchschnittlichen Strompreise an den Strombörsen bis 2023 auf etwa 7 ct/kWh zu begrenzen.

Die jahrelangen Forderungen von BDI und anderen Wirtschaftsverbänden, jüngst erneut manifestiert im Vorstandsbeschluss der CDU nach Abschaffung der EEG-Umlage und damit der Förderung der Erneuerbaren Energien, würde nicht nur dem Klimaschutz in Deutschland weiteren großen Schaden zuführen. Die Umsetzung dieser Forderungen würden sogar die Strompreise nach oben treiben; das glatte Gegenteil dessen was die Wirtschaft anstrebt.

Durch eine Verdreifachung des Ausbaus Erneuerbarer Energien, so die Studienautoren, würden deutsche Letztverbraucher durch reduzierte Großhandelspreise bis 2023 etwa 91€ Mrd. einsparen. Die durch das EEG angestoßene bürgerliche Energiewende war eine deutsche Erfolgsgeschichte und legte den Grundstein für den flächendeckende Ausbau der Erneuerbaren Energien. Doch vor allem seit der EEG-Novelle des damaligen Umweltministers Gabriel 2009 und der massiven Ausweitungen von Industrieprivilegien in 2012 ist der Ausbau zunehmend zum Erliegen gekommen, erst die Solarenergie und anschließend die Windenergie.

Wir müssen endlich wieder zurück zu einer reformierten und modernisierten Form des EEGs, die es erlaubt den Ausbau der Erneuerbaren Energien in einem Maße voranzubringen, der die Erfüllung von Klimaschutz überhaupt noch möglich macht. Denn, und dies ist ein weiteres Ergebnis des Papiers, die Erfüllung dessen ist mit den derzeitigen Ausbauzielen für Erneuerbare Energien der Bundesregierung unmöglich.

Bangkok, 08. Oktober 2019

Ihr Hans-Josef Fell