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EU-Ministerrat findet keinen Ausweg aus Energiepreiskrise, obwohl versorgungssichere Erneuerbare Energien schon heute wettbewerbsfähig sind

 

Die Umstellung auf erneuerbare Energien zeigt gerade jetzt in der Energiepreiskrise den entscheidenden Weg zu sozialverträglichen und die Wirtschaft entlastenden Energiekosten.

Nicht nur auf EU-Ebene sind Minister*innen und Kommissar*innen erschrocken über den schnellen Anstieg der Erdgas-, Erdöl- und Kohlepreise und mit ihnen die ansteigenden Strompreise. Händeringend suchen sie den Ausweg innerhalb einer neuen Einkaufspolitik und steuerlichen Entlastungen von fossilen Rohstoffen. Der schnelle Umstieg auf Erneuerbare Energien spielt eine untergeordnete Rolle und ist vor allem langfristig gemeint. Daher finden die EU-Gipfel keinen Ausweg aus der Energiepreiskrise.

 

Schon heute ist das Autofahren mit Ökostrom nur noch halb so teuer wie mit Benzin oder Diesel, auch die Heizkosten mit Ökostrom sind wesentlich günstiger als Erdöl- oder Erdgasheizungen. Doch nicht nur die Kosten pro erzeugter kWh sind mit Erneuerbaren Energien geringer, sondern auch ein 100% EE System.

In einer neuen Kurzstudie berechnet die Energy Watch Group, dass eine Vollversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien im Vergleich zum aktuellen Energiesystem basierend auf Kohle, Erdgas und Atom bereits heute wettbewerbsfähig wäre. Bis spätestens 2025 wäre ein auf 100% Erneuerbaren beruhendes Energiesystem dann wesentlich günstiger als die Stromerzeugung mit fossilen und atomaren Energieträgern.

Seit etwa 2017 sind die Stromerzeugungskosten für Solar- und Windkraft weit unter die Stromerzeugungskosten der konventionellen Kraftwerke wie Erdgas, Kohle oder Atom gesunken. Jedoch wird diese neue Entwicklung im gesellschaftlichen Diskurs weitgehend mit dem Argument zurückgewiesen, dass die Gesamtsystemkosten, also z.B. unter Einschluss der für vollständige Versorgungssicherheit notwendigen Speicherkosten, weit über denen der konventionellen Stromerzeugung liegen würden.

Die jüngsten Entwicklungen des Preisverfalles der Erneuerbaren Energien und der Speichertechnologien in Verbindung mit den Preissteigerungen der konventionellen Stromerzeugung verdeutlichen: Seit 2021 ist die versorgungssichere Stromerzeugung aus 100% Erneuerbaren Energien selbst einschließlich der Speicherkosten günstiger als der Strom aus neugebauten konventionellen Kraftwerken. Ab 2025 werden dann sogar bereits errichtete und abgeschriebene konventionelle Kraftwerke im Betrieb ökonomisch nicht mehr mit neuerrichteten Vollversorgungssystemen mit 100% Erneuerbarer Energie mithalten können. Diese Erkenntnisse erfolgen aus einer Modellierung der Strompreisentwicklung, beruhend auf aktuellen Daten. Die Kurzstudie unter Leitung von Dr. Thure Traber finden Sie hier.

Dabei scheinen die Kunden von Energie aus Erdöl, Erdgas und Kohle erst am Anfang der Preisrally zu stehen. Geopolitische Machtspiele und Rückgang der Förderungen wirken sich in Verknappungen des Rohstoffangebots insbesondere bei Erdöl und Erdgas aus, weitere Preissteigerungen sind zu befürchten. So sind die Gazprom-Erdgasspeicher in Deutschland am Beginn des Winters außergewöhnlich niedrig befüllt. Aber auch in Russland selbst sind die Erdgasvorräte vor dem Winter sehr niedrig. Der CEO   des weltgrößten Erdöllieferanten Saudi Aramco, Amin Nasser, äußerte kürzlich große Sorge, dass die weltweite Verfügbarkeit von Erdöl in der nächsten Zeit sehr schnell zurückgehen könne.

 

Nun rächt sich, dass die Bundesregierungen unter Kanzlerin Merkel über ein Jahrzehnt den Ausbau der Erneuerbare Energien massiv blockiert haben. Längst könnte Deutschland im Stromsektor bei 100% Erneuerbare Energien sein, wenn die vom EEG 2000 ursprünglichen Wachstumskurven beschleunigt fortgesetzt wären. Eine Energiepreiskrise, wie sie jetzt viele Unternehmen und Privatleute betrifft, hätte es nicht geben müssen.

Da die Ökostromkosten laut der oben erwähnten Kurzstudie der EWG in den nächsten Jahren noch weiter fallen werden, ist die Umstellung aller Energiebereiche auf 100% Erneuerbare Energien der alles entscheidende Ausweg aus aktuellen und kommenden Energiepreissteigerungen.

Nun gilt es für die neue Bundesregierung alle unter Kanzlerin Merkel aufgebauten ungeheuerlichen Bremsen gegen den Ausbau der Erneuerbare Energien zu lösen. Wenn die neue Bundesregierung einen Wachstumspfad für 100% Erneuerbare Energien bis 2030 angehen will, dann wird es schon in wenigen Jahren keine so fundamentalen Abhängigkeiten von fossilen Rohstoffmärkten mehr geben. Die Energiepreise blieben sozialverträglich und wir kämen endlich zu echtem wirksamen Klimaschutz.

 

Hammelburg, 28. Oktober 2021,

Ihr Hans-Josef Fell