Ein eindrucksvoller Film zur Deutsch-Chinesischen Solargeschichte

 

Liebe Leser*innen,

 

die Beziehung zwischen Deutschland und China ist sicherlich eine, die immer wieder polarisiert und zu der es verschiedenste Meinungen gibt. Insbesondere die Menschenrechtsverletzungen in China sind nicht zu akzeptieren. Was aber vereint Deutschland mit China? Wohl mehr als wir denken!

 

Das zeigt nun auch der kürzlich veröffentlichte Dokumentarfilm „Eine Solargeschichte aus Deutschland und China“ von Kathai Medien & Consulting, erstellt von Sven Tetzlaff, der auf die Geschichte der Solarindustrie in den beiden Ländern in den Jahren von 2000 bis 2022 blickt.

Um den vielen Mythen über das Thema entgegenzuwirken, kommen in dem Film mehrere Energieexperten zu Wort, die eine wertvolle Perspektive auf die deutsch-chinesische Solar-Geschichte vermitteln.

 

Interviewt werden Lars Podlowski, heutiges Vorstandsmitglied SOLYCO Solar AG; Van Howe, Gründer und Geschäftsführer von Xiamen Yiqi Energy Technology Co., Ltd; Andreas Wöll, von der Beratungsstelle dezentrale Energieerzeugung, LandesEnergieAgentur (LEA) Hessen und auch meine Beiträge sind in der Dokumentation zu sehen. Das vollständige Interview im Podcast mit mir kann man hier abrufen.

 

Der Film zeigt neben den individuellen ersten Berührungspunkten der Redner mit der erneuerbaren Energiebranche auf faszinierende Weise, welche besondere Rolle das deutsch-chinesische Verhältnis in der Solarindustrie einnimmt, wie und was die beiden Länder voneinander lernen konnten und können und dass letztlich nur Kooperation zu effektivem globalem Klimaschutz führt.

 

Im Laufe des Films wird zudem deutlich, wie sich die Beziehung der beiden Länder über die Jahre veränderte. Während Deutschland für die junge Republik Chinas anfangs als großes Solar-Vorbild galt, von dem man sich viel abschauen kann, hält China heute die weltweite Marktführerschaft in der Solarindustrie, die kaum mehr einzuholen ist. Längst hat China die solare Industrieführerschaft, die Deutschland dank Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bis 2012 innehatte, übernommen. Wurde China anfänglich als Zuliefererland für Solarmodule bekannt, verzeichnete das Land ein bemerkenswertes Wachstum schon zu Beginn der 2000er Jahre. Dagegen ist Europa aus Sicht von Lars Podlowski „wieder Entwicklungsland“ geworden, denn: „Die großen chinesischen Firmen beherrschen die Industrie, und zwar nicht nur bezüglich Volumen, sondern auch bezüglich Qualität“.

 

Insgesamt beleuchtet der Film umfassend drei zeitliche Abschnitte der deutsch-chinesischen Solargeschichte: (1) die Zeit des Beginns der Solarindustrie in Deutschland mit dem EEG um 2000 und wenig später in China bis 2014; (2) der US/ EU-Solar-Bann 2014-2018; und (3) die Zeit nach dem Bann 2018-2022.

 

Die Einführung des EEG in Deutschland im Jahr 2000, das den Ausbau der Erneuerbaren Energien entscheidend beförderte, zog einen enormen Nachfrageboom nach Solarmodulen nach sich. Der Film zeigt unter anderem, welche wichtige Rolle China in diesem Kontext eingenommen hat und wie es schon sehr früh die Wirksamkeit des EEG auch für das eigene Land erkannt hat. Bemerkenswert ist, wie die chinesische Regierung sich schon im Jahre 2000 für die politischen Inhalte des EEG interessierte und sich mit einer großen Delegation bei Hermann Scheer und mir über alle Details des EEG erkundigte. 2008 übernahm China dann das Grundprinzip des deutschen EEG für die Windkraft und 2012 für die Solarenergie.

 

Einig sind sich alle Experten darin, dass die europäischen Strafzölle zum Schutze der europäischen Solarindustrie, die 2014 aus Angst vor der Konkurrenz auf chinesische Solarkomponenten verhängt wurden, nicht zielführend waren. Stattdessen kam es auch dadurch zu einem Einbruch im europäischen Solarausbau und die chinesische Wettbewerbsfähigkeit wurde nicht geschwächt, sondern sogar gestärkt. Auch der Chinese Van Howe ist sich sicher: „Die europäischen Solarzölle konnten die Entwicklung grüner Energie nicht stoppen.“ Viel mehr hätte die chinesische Regierung viele wichtige Entscheidungen getroffen, um ihre eigene grüne Energie zu entwickeln.“ Bezeichnend dafür ist, dass die heute installierte Kapazität Solarstrom in China etwa 260 Gigawatt beträgt, was 40% des weltweiten PV-stroms entspricht.

 

Diese Größenordnung ist enorm und es wird offensichtlich, welche Bedeutung China für die Erneuerbaren Energien und damit für den globalen Klimaschutz einnimmt. Dies ist entscheidend.  Mir war schon 2000 klar, dass wenn wir China nicht für den Klimaschutz gewinnen, die menschliche Zivilisation keine Überlebenschance haben wird. Daher engagierte ich mich als Vorstandmitglied in der deutsch-chinesischen Parlamentariergruppe und suchte alle Gelegenheiten, mit der chinesischen Führung über die Bedeutung der Erneuerbaren Energien insgesamt und das EEG im Speziellen ins Gespräch zu kommen. Gerade durch die Unterstützung Chinas sind dann die Erneuerbaren Energien heute zur billigsten Art der Energieerzeugung geworden. Toll ist dabei die Auffassung von Van Howe, der bekundet: „Grüne Energie ist keine optionale Sache, sondern ein obligatorisches Projekt.“

 

Jede Kritik an Chinas Marktführerschaft in der Solarwirtschaft muss vor dem Hintergrund dieser Leistung zurückgewiesen werden und mit dem Aufruf, sich selbst industriepolitisch anzustrengen, entgegnet werden. Der Film ist ein Appell für Kooperation anstatt Konfrontation und hebt globale Lösungsstrategien hervor. Es braucht Modernisierungspartnerschaften, Kooperationen zwischen den großen und kleinen Ländern dieser Welt, Zusammenarbeit in der Forschung & Entwicklung. Die Erhebung von Hemmnissen, Zöllen und Sanktionen ist doch nur im fossilen und atomaren Sektor sinnvoll, um der Zerstörung des Planten durch fossile und atomare Industrien Einhalt zu gebieten. Nicht aber bei den Erneuerbaren Energien, deren schnellen Ausbau es für die Rettung der menschlichen Zivilisation auf diesem Planeten dringend braucht.

 

 

 

Hammelburg, 8. Juni 2022,

Ihr Hans-Josef Fell