Ministerin Reiches Gesetzesvorschläge treiben die Strompreise nach oben und die Stromimporte um bis zu 405 % in die Höhe
Zum EEG und zum Netzpaket gibt es sehr viele Stellungnahmen. Es geht um die Vorschläge von Ministerin Reiche (CDU), die das Bundeskabinett aus CDU/CSU und SPD beschlossen hat. Fast alle warnen: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien würde massiv einbrechen.
Das hätte schwere Folgen. Die Strompreise würden stark steigen. Und Deutschland müsste immer mehr Strom aus dem Ausland kaufen.
Das sieht man schon ohne große Studie
- Erneuerbare Energien zusammen mit Batteriespeichern sind heute die günstigste Art, verlässlich Strom zu erzeugen.
- Der Stromverbrauch steigt in den nächsten Jahren stark: durch Elektroautos, Wärmepumpen und andere elektrische Heizungen. Dazu kommen neue, sehr energiehungrige Rechenzentren.
- Wird dieser zusätzliche Strom nicht mit günstigen Erneuerbaren gedeckt, muss ihn teurer Strom aus Kohle und vor allem aus Erdgas liefern. Oder Deutschland importiert mehr. Auch das macht Strom teurer.
Ohne Ausbau: 4,1 Cent Unterschied, 25 Milliarden Euro im Jahr
Die Energy Watch Group (EWG) hat zusammen mit ansvar schon vor einigen Wochen gerechnet: Der Börsenstrompreis liegt bis 2030 um 4,1 Cent je Kilowattstunde auseinander, je nachdem, ob neue Anlagen nur fossil oder nur erneuerbar gebaut werden. Das sind rund 25 Milliarden Euro im Jahr. Zudem sind bis zu 400.000 Arbeitsplätze in der Branche gefährdet.
Quelle: Hans-Josef Fell – EEG-Novelle und Netzpaket: Auswirkungen auf Strompreise und Arbeitsplätze (PDF)
Ariadne: Strom bleibt teurer, aber nur mit 310 bis 405 % mehr Stromimporten
Jetzt haben EWG und ansvar ihre Ergebnisse mit der Ariadne-Studie verglichen. Sie entstand im Kopernikus-Projekt Ariadne, das das Bundesforschungsministerium fördert. „Auswirkungen einer Anpassung der Ausbauziele für Erneuerbare Energien für das Jahr 2030“ (Dezember 2025):
Auch nach Ariadne steigt der Strompreis, wenn der Ausbau gebremst wird: um 1,9 bis 2,3 Cent je Kilowattstunde. Das ist weniger als in unserer Rechnung mit 3,4 bis 4,2 Cent.
Der Grund: Ariadne rechnet mit 310 bis 405 % mehr Stromimport als 2024. Das ist das Vier- bis Fünffache. Der niedrigere Preis hängt allein an dieser Annahme.
Was der Vergleich noch zeigt
Der Vergleich bringt weitere Ergebnisse, die für Frau Reiche nicht schmeichelhaft sind:
- Alle Rechnungen zeigen in dieselbe Richtung. Wird der Ausbau gebremst, steigt der Strompreis. Keine Studie kommt zu einem anderen Ergebnis.
- Der niedrige Preis ist eine Wette auf das Ausland. Ariadne unterstellt 116 bis 143 Terawattstunden Stromimport im Jahr 2030. 2024 waren es 28. Ob die Nachbarländer so viel liefern können, prüft die Studie nicht. Dort steigt der Verbrauch aus denselben Gründen wie bei uns.
- Es bräuchte sehr viele neue Gaskraftwerke. Ariadne rechnet mit 39 bis 50 Gigawatt, heute sind es etwa 31. Den Bau in diesem Umfang bis 2030 nennt die Studie selbst „fraglich“. Ohne diese Kraftwerke laufen Kohlekraftwerke länger.
- Das Klima zahlt mit. Bei gebremstem Ausbau steigen die Emissionen um 19 bis 29 Millionen Tonnen CO₂. Das Klimaziel 2030 wird verfehlt.
- Die Versorgungssicherheit wurde nicht untersucht. Ariadne rechnet mit einem einzigen Wetterjahr. Ob der Strom auch in einer langen Dunkelflaute reicht, bleibt offen.
- Jeder Haushalt zahlt drauf. Bei 3.500 Kilowattstunden im Jahr sind 1,9 bis 4,2 Cent mehr etwa 70 bis 150 Euro jährlich, wenn der höhere Börsenpreis vollständig weitergegeben wird.
Das Fazit: Wer beim Ausbau bremst, zahlt
Entweder mit höheren Strompreisen oder mit mehr Abhängigkeit vom Ausland, mehr Gas und mehr CO₂.
Was jetzt zu tun ist: Die Novelle stoppen
Die Vorschläge von Ministerin Reiche müssen vom Tisch. Der Bundestag berät die Novellen gerade. Er sollte sie ablehnen und eine eigene Novelle vorlegen, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien stark voranbringt.
Damit das möglich wird, sollte das EEG von den EU-Beihilferegeln ausgenommen werden. Das gelingt, wenn alle neuen Anlagen wieder aus dem Strompreis bezahlt werden. Die EWG hat dazu einen konkreten Vorschlag ausgearbeitet:
Die vergleichende Studie von ansvar hier zum Nachlesen
Unsere Ergebnisse einfach erklärt (6 Seiten):
Quelle: ansvar – Strompreis 2030: einfach erklärt (PDF)
Diskutieren Sie mit: 10. November, 18:00 Uhr
Wir stellen die Ergebnisse zusammen mit Expertinnen und Experten vor. Wir diskutieren, was jetzt zu tun ist, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen, statt ihn zu beenden. Und wie der Strompreis gesenkt werden kann, statt ihn mit neuen Erdgaskraftwerken immer teurer zu machen.
Am 10.11. um 18:00 Uhr im Internet. Hier können Sie sich einwählen:
Anmeldung: Diskussion am 10. November, 18 Uhr – LinkedIn-Veranstaltung
