Tolle Initiative aus USA: Solar für alle und überall bis 2030
Aufruf zur BEE-Demo in Berlin am 9.10. um 14 Uhr
„Krieg und Klimawandel haben die Welt in Brand gesetzt. Solarenergie bietet eine Lösung für beides: eine saubere, bezahlbare Energiequelle, die für alle Menschen überall nutzbar ist.
Eine einflussreiche Gruppe um den amerikanischen Klimaaktivisten Bill McKibben, der ehemaligen UN-Klimasekretärin Christiana Figueres und der ehemaligen kanadischen Umwelt- und Klimaministerin Catherine McKenna hat einen Brief an Regierungen und Institutionen unterzeichnet, der weltweite Maßnahmen für einen universellen Zugang zu Solarenergie fordert.“
Quelle: Brightside – Solar for Everyone, Everywhere Before the Decade is Out
In dem Brief heißt es:
„Wir rufen Regierungen, Unternehmen, Institutionen und die Öffentlichkeit dazu auf, zusammenzuarbeiten, um bis 2030 allen Menschen überall saubere und bezahlbare Energie zur Verfügung zu stellen.
Von den fast einer Milliarde Menschen, die immer noch keinen Zugang zu zuverlässiger Stromversorgung haben, bis hin zu den Milliarden von uns, die viel zu viel für schmutzige fossile Brennstoffe bezahlen.
Wir wissen, dass diese Welt in greifbarer Nähe ist.
Der Bau von Anlagen zur Erzeugung sauberer Energie ist heute der günstigste und schnellste Weg, um die Energiekosten drastisch zu senken, die Umweltverschmutzung zu reduzieren und den Menschen dort Zugang zu Elektrizität zu verschaffen, wo sie am dringendsten benötigt wird.“
Ist das machbar? Solar für alle bis 2030?
Die Deutsche Welle (DW) ist in einem ausführlichen Artikel der Frage nachgegangen, ob das denn realistisch sei.
In guten Analysen hat die Journalistin Sarah Steffen über das bisher für viele erstaunliche Wachstum der Solarenergie berichtet. Dies legt nahe, dass es gelingen kann, dieses ambitionierte Ziel zu schaffen.
In diesem Artikel zitierte mich die DW dazu:
„Das Gesetz über erneuerbare Energien löste ein exponentielles Wachstum aus, das alle Annahmen über das Machbare zunichtemachte. Es widerlegte die Szenarien und Prognosen, die Politiker und Experten für realistisch gehalten hatten. Letztendlich übertraf die Realität alle Erwartungen“.
Allerdings braucht die Erreichung einer globalen Energiewende einen politischen und gesellschaftlichen Willen wie damals zum Schaffen des EEG im Jahr 2000. Dieser Wille fehlt aber derzeit weltweit, weil die öffentliche Debatte von den Interessen der fossilen Brennstoffindustrie dominiert wird.
Dr. Eicke Weber, ehemaliger Chef des ISE, nannte der DW die wichtigen Zahlen dazu:
Weltweit werden derzeit jährlich rund 1 TW neue Photovoltaik-Kapazität produziert, der Großteil davon in China. Laut Weber wären für eine vollständige Umstellung der globalen Energieversorgung auf Erneuerbare Energien etwa 50 TW erforderlich. Er fügt hinzu: „Wir verfügen über mehr Produktionskapazitäten, als wir verkaufen.“
Insofern wäre daher mit dem globalen politischen Willen ein weiteres steiles exponentielles Wachstum der Solar- und anderer Erneuerbarer-Energien-Produktion durchaus möglich, um das Ziel Solar für alle und überall bis 2030 zu erreichen.
Es gibt Länder, die bereits auf dem Weg zu Solar für alle und überall bis 2030 sind
In Pakistan hat sich der Solarausbau von 2021 bis 2025 verfünffacht. Eine Wachstumskurve, die für Pakistan Solar für alle und überall bis 2030 möglich machen kann.
In Pakistan hat sich dieser Solarboom nicht durch Regierungsprogramme und öffentliche Finanzierung entwickelt, sondern hauptsächlich durch den Wunsch der Pakistanis angesichts hoher Strompreise und häufigen Netzausfällen, verlässliche billige Energie selbst erzeugen zu wollen.
Diese Bürgerenergiebewegung mildert heute schon erheblich in Pakistan die Auswirkungen hoher Erdgas- und Erdölpreise ab. So hat Pakistans Solarboom bis Februar 2026 dazu beigetragen, Öl- und Gasimporte im Wert von rund 12 Milliarden Dollar zu vermeiden.
Quelle: The Guardian – How Pakistan’s people-led solar boom is easing impact of Middle East energy crisis
Wer mehr über den erstaunlichen pakistanischen Solarboom erfahren will, kann sich beim Webinar der Universität North Carolina (UNC) am 8.10. anmelden.
Die UNC hatte mich im Frühjahr dieses Jahres für meine Pioniertaten des EEG mit einem Preis geehrt.
Selbst im republikanischen Ölhauptstaat Texas boomt die Solar- und Windenergie, trotz Trumps Widerstand gegen die Erneuerbaren Energien.
So hat Solar- und Windenergie in den ersten 8 Monaten 2025 bereits 37 % des Strombedarfs in Texas geliefert, mit schnell weiter steigender Tendenz.
Quelle: ÖkoNews – Texas erlebt Solar- und Speicher-Boom: Rekord von Sonnenenergie und Batterien
Solarenergie hat in vielen Ländern jetzt schon erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und saubere Energieversorgung
Schöne Beispiele, welche erstaunlichen positiven Auswirkungen die Solarenergie auf die Umwelt jetzt schon hat, wurden in einem lesenswerten Artikel der dänischen Zeitung Verdens Beste Nyheder von Anders Seneca Bang zusammengetragen. Solar statt dieselbetriebene Kanus im ecuadorianischen Regenwald. Das Hotel in Spitzbergen, 1300 Kilometer nördlich des Polarkreises, das mit Solarenergie nun 200.000 Liter Diesel zur Strom- und Wärmeerzeugung vermeidet. Oder der Schäfer in Texas, dessen Schafe nun unter den Solarmodulen besser grasen können.
Anders hat auch wunderbar beschrieben, wie die Solar-Anfänge dazu in den 90er Jahren in meiner Heimatstadt Hammelburg gelegt wurden.
In Deutschland aber soll die Solarindustrie ein zweites Mal gekillt werden
Doch wie sieht es angesichts des weltweiten Solarbooms in Deutschland aus?
Die WirtschaftsWoche (WiWo) titelte diese Tage, dass die Solarindustrie in Deutschland ein zweites Mal gekillt werden soll.
Quelle: WirtschaftsWoche – Solar in der Krise: „Wir killen unsere Solarindustrie ein zweites Mal“
Das erste Mal wurde die Solarindustrie in Deutschland mit der EEG-Novelle 2012, mitverantwortet von der damals zuständigen Staatssekretärin und heutigen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, gekillt.
Es mehren sich heute schon wieder die Insolvenzen in der Solarwirtschaft.
Quelle: Hans-Josef Fell – EEG-Novelle und Netzpaket schädigen die Wirtschaft schon vor deren Verabschiedung
Fast täglich gibt es neue Schreckensmeldungen, da bis vor kurzem noch gesunde Solarfirmen Insolvenz anmelden müssen. Seit Jahresanfang 2026 dürften es schon an die 300 Firmeninsolvenzen sein.
Ursache sind vor allem Rücknahmen von Finanzzusagen von Banken, die angesichts der drohenden Gesetzesnovellen, EEG und Netzpaket, keine ausreichenden Sicherheiten mehr für die Kredite sehen.
Bis heute zeigt Wirtschaftsministerin Reiche keine Gnade und nimmt offensichtlich Masseninsolvenzen in der Solar- und Windwirtschaft in Kauf.
Es gibt keine mir bekannte Aussage zu dieser Insolvenzwelle von ihr.
Selbst in der CDU rührt sich nun starker Widerstand gegen die Gesetzespakete der CDU-Wirtschaftsministerin.
Der Schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther hat einen geharnischten Brandbrief an Kanzler Merz gerichtet, wonach er massive Verbesserungen einfordert, die seit vielen Monaten bereits von der Branche der Erneuerbaren Energien und anderen Verbänden vorgetragen wurden.
Quelle: Frankfurter Rundschau – EEG-Reform: Daniel Günther warnt Merz vor Gesetzesplänen
BEE ruft zur Demo in Berlin am 9.10. um 14 Uhr auf
Bisher fielen diese Aufforderungen für Verbesserungen im EEG und Netzpaket aber in der CDU und CSU und den Ministern der SPD auf taube Ohren.
Offensichtlich nimmt die Wirtschaftsministerin wie 2012 bei der Solarenergie nun den Verlust der ganzen Branche der Erneuerbare Energien mit über 400 000 Arbeitsplätzen in Kauf, um die Interessen der klimazerstörenden fossilen Energien (Erdgas, Kohle, Erdöl) und europäisch auch der Atomenergie zu schützen.
Sehr spät, aber hoffentlich noch nicht zu spät – denn das parlamentarische Gesetzesverfahren zu EEG und Netzpaket läuft ja noch im Bundestag – hat nun endlich der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in Zusammenarbeit mit einem breiten Bündnis vieler Verbände in Berlin zu einer Großdemonstration für diesen Freitag aufgerufen.
Am Freitag, 9.10., startet um 14 Uhr die Demo auf der Reichstagswiese in Berlin.
Möglichst viele sind aufgerufen, öffentlich kundzutun, dass die Gesetzesvorlage des Bundekabinetts zu EEG und Netzpaket nicht verantwortbar ist.
Auch Firmen sind aufgerufen, ihren Mitarbeitern freizugeben, dass diese für den Erhalt ihres eigenen Arbeitsplatzes kämpfen können.
Ein starker Protest kann das Ruder vielleicht noch umreißen.
Jedenfalls brauchen die Abgeordneten um Nina Scheer (SPD) starke Rückendeckung aus den öffentlichen Protesten, dass sie im parlamentarischen Verfahren doch noch gute Bedingungen zum notwendigen Hochlauf der Erneuerbaren Energien erreichen können. Damit könnte sich auch Deutschland in die Reihe der Staaten einreihen, wo Solar für alle und überall bis 2030 bereits auf einem guten Weg ist.
Kommt bitte alle zur Demo für das EEG am Freitag nach Berlin, Reichstagswiese, um 14 Uhr!
