Trumps Griff nach dem Erdöl von Venezuela könnte in einem Fiasko enden – dank der Energiewende und der Verbraucher
Der Artikel wurde am 26.1.26 zuerst bei greenspotting.de veröffentlicht!
Der völkerrechtswidrige Überfall auf Venezuela könnte für die USA wirtschaftlich und umweltpolitisch in einem Fiasko enden – auch dank der fortschreitenden Energiewende weltweit und der Mithilfe der Verbraucher.
US-Präsident Donald Trump ließ mit einem völkerrechtswidrigen Überfall auf Venezuela den Präsidenten und Diktator des Landes, Nicolás Maduro, kidnappen und dabei über 30 Menschen ermorden. Neben dem wohl vorgeschobenen Vorwurf des organisierten Drogenhandels betonte Trump, es gehe ihm um die Kontrolle der großen Erdölreserven Venezuelas, nachdem Maduros Vorgänger Hugo Chávez fast alle US-Ölfirmen im Land verstaatlicht hatte. Er erwarte milliardenschwere Investitionen von US-Erdölkonzernen in die Infrastruktur sowie in neue Fördergebiete in Venezuela. Damit könnten die Unternehmen große Geschäfte machen. Trump will dafür sogar amerikanische Steuergelder einsetzen.
Doch es gibt erhebliche Zweifel, dass dieser Plan aufgeht – aus umweltpolitischen wie aus wirtschaftlichen Gründen – aber auch, weil die fortschreitende Energiewende weltweit Trumps Idee einen Strich durch die Rechnung machen dürfte.
Größte Umweltverseuchung wird wohl weitergehen
Zunächst ist davon auszugehen, dass die US-Ölfirmen sich ihre ehemaligen und auch weitere Anlagen in Venezuela unter den Nagel reißen, die bestehende Förderung wohl rechtswidrig übernehmen, mithilfe der erschlossenen Bohrungen Öl fördern und dieses auf eigene Rechnung verkaufen werden. Die verheerende, umweltverseuchende Erdölförderung in Venezuela wird damit aber wohl nicht gestoppt, sondern weitergehen. Der Maracaibo, der größte See Venezuelas, mit seinen wichtigen Süßwasserreserven, ist längst großflächig verseucht. Es ist nicht davon auszugehen, dass die US-Firmen die gigantischen Umweltschäden beseitigen werden, obwohl das für Anwohner und Natur zwingend erforderlich wäre.
Der Ölpreis sinkt – und mit ihm die Investitionsbereitschaft
Aber auch die von Trump in Aussicht gestellten Investitionen in neue Bohrungen oder in den Aufbau einer vergrößerten modernisierten Erdölinfrastruktur stehen in den Sternen. Denn die dafür erforderlichen hohen Renditeerwartungen, ohne die die Konzerne nicht investieren werden, sind nicht erkennbar – solange der Ölpreis auf dem jetzigen niedrigen Niveau bleibt, wovon auszugehen ist.
Der Ölpreis hat – außer in der Corona-Weltwirtschaftskrise Anfang der 2020er Jahre – einen beispiellosen Sinkflug hinter sich. Aktuell schwankt er knapp über der 60-Dollar-Marke. Diese 60 Dollar pro Barrel gelten als eine Preisgrenze, unter der viele Förderstellen nicht mehr rentabel sind, geschweige denn Investitionen in neue Förderungen. Schon jetzt geraten ganze Nationen deswegen in wirtschaftliche Bedrängnis. Beim aktuellen Ölpreis können zum Beispiel die beiden ölreichen afrikanischen Staaten Nigeria und Angola ihr Erdöl nicht mehr am Weltmarkt absetzen, weil ihre Förderkosten oft höher liegen und sie mit jedem verkauften Fass Erdöl Verluste machen würden.
Cleantech und Energiewende durchkreuzen die Rechnung
Die niedrigen Ölpreise sind eine Folge des Überangebots auf dem Weltmarkt. Zu diesem kam es unter anderem durch die massive Ausweitung der meist teuren Förderung von Erdöl hauptsächlich mit der besonders umweltschädlichen Frackingmethode, vor allem in den USA, sowie durch die jüngeren Fördererhöhung der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC). Zudem stagniert die Nachfrage nach Öl, weil vor allem China Cleantech enorm ausbaut. Immer mehr elektrische Fahrzeuge (Zweiräder, Autos, Busse, LKW, Züge, Schiffe) machen sich allmählich in einer rückläufigen Nachfrage nach Erdöl bemerkbar; der starke Ausbau der Solar- und Windkraft lässt die in Asien weit verbreitete Stromproduktion aus Erdöl ebenfalls sinken.
Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren verstärken und sich weit über China hinaus ausweiten. Der Umstieg auf E-Mobilität wird zusammen mit Wärmepumpen als Ersatz für Erdölheizungen die Nachfrage nach Erdöl immer weiter sinken lassen und damit auch die Ölpreise auf dem globalen Markt.
Vor diesem Hintergrund hat sich selbst in den USA seit Trumps Regierungsübernahme vor einem Jahr nichts Nennenswertes mehr in der Ölförderbranche getan. Seine Aufforderung an die Konzerne „Drill, baby, drill“ (Bohr, Baby, bohr!), verbunden mit massiven Lockerungen in der Umweltgesetzgebung, hat bisher nicht zu einem nennenswerten Ausbau der Förderung geführt. So liegt die Zahl der aktiven Ölbohrplattformen in den USA aktuell bei 415. Vor einem Jahr waren es noch 480.
Konsumenten können Trumps Pläne zunichtemachen
Daraus folgt: Die Energiekunden in Deutschland, Europa und weltweit können Trumps imperialistische völkerrechtswidrige Pläne in Venezuela zunichtemachen. Je mehr Menschen und Unternehmen auf Elektrofahrzeuge und elektrische Heizungen umsteigen, desto weiter sinken die Erdölnachfrage, damit der Ölpreis, die Renditeerwartung der Ölmultis und deren Interesse an Investitionen in Förderanlagen. Wir sollten daher alles auf einen schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien setzen, damit die Gewinne der Erdölmultis sinken. Das ist die entscheidende Strategie, um die Macht der fossilen Konzerne zu brechen – und mit ihnen die Macht von Trump und Putin sowie der saudischen und iranischen Diktatoren.
