Ökostrom nutzen statt abregeln: Kostenloses Laden an Schnellladesäulen könnte viel helfen
Die Ladefreunde, eine Bürgerinitiative aus Viernheim, haben einen genialen Vorschlag gemacht, um in den zunehmenden Abschaltzeiten von Solar- und Windstrom diese eben nicht abzuschalten, sondern zu nutzen. An den Schnellladesäulen in Deutschland solle dieser Strom kostengünstig oder sogar kostenlos an die E-Mobilfahrer (E-Autos, E-Busse, E-LKW) weitergegeben werden.
Quelle: Ladefreunde
Erforderlich dafür wäre eine einfache Anweisung der Bundesnetzagentur, um den vorhandenen § 13k des Energiewirtschaftsgesetzes, der „Nutzen statt Abregeln“ befördern soll, auch auf Schnellladesäulen auszuweiten.
Was wäre das für ein Segen für die von hohen Spritpreisen geplagten Autofahrer: Umstieg auf E-Mobile und auf der langen Urlaubsfahrt oder beim täglichen Laden kostenlos fahren! Und gleichzeitig wird für den Ausbau von weiterem Solar- und Windstrom im Netz Platz geschaffen.
Ministerin Reiche schlägt stattdessen vor den Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv zu drosseln und neue Erdgaskraftwerke auszuschreiben
Wirtschaftsministerin Reiche begründet ihre von vielen Seiten kritisierten Gesetzesvorschläge vor allem damit, dass der Netzausbau nicht mehr mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien mithalte und daher zu vielen Zeiten der Strom aus Wind- und Solarkraft abgeregelt werden müsse. Das kostet angeblich viel Geld für nicht erzeugten Ökostrom.
Gerade der letzte April wird als Beispiel für eine hohe Abregelung von Ökostrom in den Medien stark als Problem dramatisiert.
Quelle: Energy-Charts
Dass dies ein Ergebnis von jahrelanger verfehlter Politik ist, die sie als ehemalige Staatssekretärin im Bundesumweltministerium und dann als Chefin von Westnetz, einer Tochter von E.ON, selbst mit zu verantworten hat, interessiert sie offensichtlich nicht.
So ist sie sich nicht zu schade, offensichtliche Lügen in die Welt zu bringen. Unentwegt behauptet sie, dass in Deutschland Strom für 3 Milliarden Euro weggeworfen wird.
Doch diese Behauptung ist schlicht falsch, wie hier schön nachzulesen ist:
Quelle: Cleanthinking
Tatsächlich werden 96,5 % des EE-Stroms planmäßig genutzt. Der Rest wird nicht erzeugt, weil das Netz voll ist – nicht „weggeworfen“.
Aber Frau Reiche geht es offensichtlich nicht um die Lösung von Problemen, sondern sie sucht nach Argumenten, um ihre fossile Lobbypolitik, insbesondere für die Erdgaswirtschaft, auszuweiten.
Strom umsonst tanken? Ja – wenn er sonst weggeworfen wird
Nehmen wir an, eine Familie aus Hamburg startet im Juli mit dem Elektroauto Richtung Ostsee. An der Autobahn-Schnellladesäule zeigt das Display 0,00 Euro. Geladen wird mit dem Wind- und Sonnenstrom, der genau in dieser Stunde sonst abgeregelt, also nicht erzeugt würde. Das ist technisch machbar und volkswirtschaftlich sinnvoll — wenn ein einziger Paragraph, der § 13k im Energiewirtschaftsgesetz, angepasst wird.
Das Paradox:
Deutschland produziert seit Jahren viel sauberen Strom, aber etwa 5 % mehr erzeugt werden könnten, wenn der Strom auch dann Abnehmer fände, wenn das Netz voll ist und keine Abnehmer vorhanden sind. Statt ihn zu nutzen, drehen die Netzbetreiber Windräder ab und drosseln Solaranlagen – genug, um drei Millionen Elektroautos ein ganzes Jahr lang fahren zu lassen. Die Erzeuger von Solaranlagen und Windrädern werden übrigens wie die Erdgas- und Kohlekraftwerksbetreiber auch für diesen nicht eingespeisten Strom entschädigt – bezahlt von uns allen über die Stromrechnung. Das ist notwendig, weil viele Anlagen sonst in den Konkurs schlittern würden, womit sie gar keinen günstigen Ökostrom mehr erzeugen könnten.
Genau diese Entschädigung will Frau Reiche nun für neue Wind- und Solaranlagen streichen.
Die geniale Idee der Ladefreunde:
Wenn der Strompreis an der Börse ins Minus fällt, soll auch die öffentliche Ladesäule null anzeigen. Endkundenpreis null. Kein Fördergeld, kein Steuergeld, keine neue Behörde – nur eine Anweisung der Bundesnetzagentur. Die rechtliche Grundlage existiert bereits seit dem 1. Oktober 2024 unter dem Namen „Nutzen statt Abregeln“ – sie gilt heute für Industrie-Großverbraucher in Norddeutschland und kann auf öffentliche Schnellladesäulen erweitert werden.
Die Wirkung der Netzentlastung wäre richtig groß
In Deutschland stehen heute 51.253 Schnellladesäulen. Zusammen können sie rund sieben Gigawatt Strom aufnehmen – das entspricht der Anschlussleistung von acht Atomkraftwerksblöcken oder von 70 großen Pumpspeicher-Turbinen.
Quelle: Bundesnetzagentur
Ein derart großes Volumen wird Deutschland in den kommenden Jahren kein zweites Mal bauen können.
In Deutschland sind laut Kraftfahrt-Bundesamt zwei Millionen E-Autos zugelassen.
Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt
Diese speichern zusammen drei- bis viermal so viel wie alle dreißig deutschen Pumpspeicherwerke zusammen – und vierzehnmal so viel wie das größte Pumpspeicherkraftwerk Goldisthal in Thüringen.
Quelle: Vattenfall
2,3 Milliarden Euro Steuergeld sind über die staatliche NOW-Gesellschaft bereits in den Aufbau des Ladesäulen-Netzes geflossen. Viele dieser Säulen werden nur teilweise genutzt. Der Vorschlag der Ladefreunde bringt diese Investition in eine stärkere Nutzung – ohne neue Bundesmittel.
Autofahrer und Fuhrunternehmen, einfach viele würden profitieren
Profitieren würden vor allem die zwanzig Millionen Mieterhaushalte ohne eigene Wallbox, die heute auf öffentliche Säulen angewiesen sind. PendlerInnen, SchichtarbeiterInnen, Familien ohne Hauseigentum. Eine Familie spart bei einer Sommerurlaubsfahrt zwei- bis dreihundert Euro und im Jahr mehr als 1.000 €. Auch das Klima profitiert: bis zu sieben Millionen Tonnen Kohlendioxid werden vermieden — pro Jahr, dauerhaft.
Und zudem werden alle, die auf E-Mobile umsteigen, von den hohen Spritpreisen entlastet.
Das hilft ihnen besser als ein Tankrabatt. Auch die hohen Kosten von Busunternehmen, Fuhrunternehmen und vielen Unternehmen mit PKW-Dienstwagen würden dadurch sinken. Eine echte Entlastung für die Wirtschaft, nach der Kanzler Merz händeringend sucht.
Zudem würde der Kauf von E-Mobilen deutlich zunehmen – ein Wirtschaftsbooster für VW, BMW, Daimler, auch für Autozulieferer wie Schaeffler und andere.
Doch auf eine solche Wirtschaftsförderung kommen Wirtschaftsministerin Reiche und Kanzler Merz nicht. Denn ihre Denkstrukturen drehen sich nur um Erdöl, Erdgas, Kohle und Atomkraft.
Dabei wäre es so einfach:
Nur eine Festlegung der Bundesnetzagentur reicht. Keine Gesetzesreform. Sofort wirksam in der nächsten Phase, wenn wieder Windräder und Solaranlagen abgeregelt werden.
Dann könnten diese doch viel mehr Strom erzeugen; der Klimaschutz könnte wieder Fahrt aufnehmen, die Unabhängigkeit von Erdöl- und Erdgasimporten wird verringert und die Wirtschaft bekommt Entlastung und neue Aufträge.
Es wäre gut, wenn wir alle auch diesen Vorschlag der Ladefreunde unterstützen:
Über das Thema sprechen — auch und gerade mit Menschen, die kein Elektroauto haben.
Die Petition unterzeichnen: Ladefreunde
Die eigenen Bundestagsabgeordneten ansprechen.
