Organisiere deinen eigenen Ausstieg aus russischen Energielieferungen!

 

Liebe Leserinnen und Leser,

während Ukrainer*innen täglich buchstäblich durch die Hölle gehen und sich die humanitäre Lage kontinuierlich zuspitzt, beherrscht in Deutschland noch immer die Sorge um steigende Spritpreise, Wohlstandsverlust, oder geringeres BIP-Wachstum die politische Debatte. Dabei gibt es in der Gesellschaft angesichts der verheerenden Nachrichten aus der Ukraine eine weit verbreitete Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und die Belastungen zu schultern, die mit dem längst überfälligen Importstopp für russische Energie entstehen würden. 68 Prozent der deutschen Bevölkerung unterstützen nach einer aktuellen Umfrage von Infratest Dimap “Maßnahmen gegen Russland auch dann, wenn es zu Engpässen der Energieversorgung kommt”.

Vor diesem Hintergrund hat das Aktionsbündnis „Stop-Fossil“ es sich zur Aufgabe gemacht, dieser kaum zu ertragenden, politischen Untätigkeit etwas entgegenzusetzen und Bürger*innen ein Werkzeug an die Hand zu geben, selbst aktiv zu werden und die Abhängigkeit von fossilen Energien zu reduzieren. Mithilfe einer kostenlosen Web-App kann jetzt jede*r etwas tun, um das eigene Energieeinsparpotenzial auszuschöpfen und so einen individuellen Beitrag dazu leisten, die Finanzierung des völkerrechtswidrigen Ukrainekrieges auszutrocknen.

Ziel des Projektes ist es im ersten Schritt, im Jahr 2022 ein Drittel der Importe von Gas, Öl und Kohle aus Russland einzusparen. Im zweiten Schritt soll eine Kampagne für den kompletten Ausstieg aus fossilen Energien hin zu einer 100 % Erneuerbaren Energieversorgung gestartet werden.  Wenn die Bereitschaft aller Bürger*innen zum Einsparen von Energie große solidarische Aktivitäten entfacht, wird die Politik auch mutiger werden, diese zu unterstützen und weitreichendere Maßnahmen auf den Weg zu bringen. So könnten wir Deutschen gemeinschaftlich dafür sorgen, ohne russische Energie über den nächsten Winter zu kommen und selbstbestimmt einen Weg aus der Abhängigkeit finden, statt darauf zu warten, dass sich die Lage weiter zuspitzt und der russische Präsident seinerseits die Energiehähne zudreht.

Um diesem Ziel gerecht zu werden, bietet die App rund 30 einfache Maßnahmen zur CO2-Einsparung. Denn Energie und damit CO2 stecken nicht nur in Heizung und Strom, sondern auch in der Mobilität, in Konsumartikeln und vielen Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Mithilfe der App kann jede Person entscheiden, wie sie zum gemeinsamen Ziel – der Energieeinsparung – beitragen will. In der App werden alle individuellen Beiträge gesammelt,  auf der Kampagnenseite wird der Fortschritt der gemeinsamen Anstrengungen zusammengefasst und visualisiert. Das wird auch der Politik zeigen, dass die Gesellschaft jetzt bereit ist, den Weg zu 100% Erneuerbaren Energien zu gehen.

Rund 30 Prozent unseres Energiebedarfs werden durch Energieimporte aus Russland gedeckt. Dies entspricht jährlich 975 Terrawattstunden, die wiederum 280 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) produzieren. Würde jede Person in Deutschland 1,1 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, könnte ein Drittel der russischen Energieimporte vermieden werden. Noch immer ist der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Person mit etwa 11 Tonnen viel zu hoch.

Reduktion ist jedoch nur der erste Schritt auf dem Weg zu 100% Erneuerbarer Energie und Unabhängigkeit von Gas, Öl, Kohle und Atomstrom. Für das langfristige Ziel einer vollständigen erneuerbaren Energieversorgung will das Aktionsbündnis „Stop-Fossil“ die Kampagne daher im zweiten Schritt mit Partner*innen aus Wissenschaft, Politik, Friedens- und Umweltschutz ausweiten und die Regierung dazu auffordern, Einsparungen zu messen, transparent zu machen und endlich faktenbasierten Klimaschutz gemäß des Pariser Klimaschutzabkommens anzugehen. Für eine wirkungsvolle Kampagne, die Frieden und der Umwelt gleichermaßen dient, werden noch Träger*innen, Aktionspartner*innen und Unterstützer*innen gesucht. Wer sich dafür interessiert, findet hier weitere Informationen.

Dass die Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien für Deutschland bis zum Jahr 2030 nicht nur machbar, sondern sogar ökonomisch vorteilhaft ist, zeigt unter anderem die Deutschland-Studie der Energy Watch Group. Nur Erneuerbare Energien sorgen für Energieunabhängigkeit, Frieden, Freiheit, Wohlstand sowie für ein gesundes Klima und eine intakte Umwelt. Die „Stop-Fossil-App“ erleichtert es jedem und jeder, selbst einen Beitrag zu dieser Transformation zu leisten.

Denn, was im nunmehr zweiten Monat des russischen Angriffskrieges allseits klar sein muss: Die Brutalität der russischen Truppen in der Ukraine kennt keine Grenzen. Die russische Armee führt ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg mit zunehmendem Terror und Gewalt auch gegen die Zivilbevölkerung. In diesen Tagen halten die Bilder von ermordeten Zivilist*innen im Kiewer Vorort Butscha die Welt in Atem. Das Massaker von Butscha reiht sich ein in eine lange Liste von Kriegsverbrechen, die Putins Armee seit nunmehr fast sechs Wochen in der Ukraine begeht.

Doch während deutsche Politiker*innen gebetsmühlenartig die Solidarität mit der Ukraine beteuern und die Beispiellosigkeit der bisherigen Sanktionen gegen Putin betonen, finanzieren Deutschland und die EU die Kriegsverbrechen seiner Armee noch immer weiter. Mehr noch, haben wir durch unsere Abhängigkeit von fossilen russischen Rohstoffen überhaupt erst dafür gesorgt, dass Putins Regime seine heutige militärische Stärke erreichen konnte – auch leisten wir weiterhin Tag für Tag unseren Beitrag, die russische Kriegsmaschinerie aufrecht zu erhalten. Täglich zahlen wir als EU-Staaten über 500 Millionen Euro für den Import von Öl, Gas und Kohle an die russische Führung und schwächen so massiv die Wirkung der erlassenen Sanktionen. Allein aus Deutschland fließen täglich durchschnittlich 60 Millionen Euro für russische Energielieferungen.

Und da dies alles auch durch unseren persönlichen Konsum von Erdöl, Erdgas, Kohle und Atomstrom für Heizungen und Mobilität geschieht, liegt nichts näher, als dass wir selbst – jede*r Einzelne –  den eigenen Energieboykott von Russland so schnell wie möglich mitorganisiert. Die App von „Stop-Fossil“ bietet hierzu eine erste wesentliche  Orientierung.

 

Hammelburg, 05. April 2022,

Ihr Hans-Josef Fell