Liebe Leserinnen und Leser,

Energy Watch Group Wissenschaftler unterstützen Scientists4Future

Seit Monaten gehen, ausgehend von der jungen Schwedin Greta Thunberg, Schüler auf allen Kontinenten auf die Straße, um gegen eine seit Jahren unzureichende Klimapolitik zu demonstrieren. Seit diesem Jahr haben diese freitäglichen Proteste auch in Deutschland Fuß gefasst. Eine Gesellschaft sollte junge Menschen, denen ihre Zukunft und ihre Umwelt nicht egal ist, eigentlich in ihrem Handeln bestärken und unterstützen, stattdessen werden ihre Forderungen von politischer Seite vielerorts abgewiegelt oder gar diskreditiert. Beispielsweise verwies die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in der FAZ auf die bestehende Schulpflicht: „Auch unterstützenswertes Engagement gehört in die Freizeit und rechtfertigt nicht das Schulschwänzen.“

Interessant ist hier die von Manuela Rottmann MdB (Bündnis 90 / Die Grünen) erstellte rechtliche Einordnung des politischen Streits „Schulstreik vs. Demonstrationsrecht“. In ihrer rein juristisch argumentierenden Analyse kommt sie zum Ergebnis, dass es eine pauschale Anordnung z.B. durch Kultusminister von Schulstrafen bei Teilnahem an den Schulstreiks nicht geben darf. Das Demonstrationsrecht erfordert mindestens eine Abwägung des Einzelfalls.

Neben juristischen Ungenauigkeiten lassen oben angeführte Äußerungen der Regierenden außer Acht, dass es eben kein herkömmliches politisches Engagement junger Menschen ist, sondern es dabei, um das Fortbestehen des menschlichen Lebens auf dieser Erde wie wir es kennen, geht. Genauso lässt die Ministerin außer Acht, dass viele Millionen Menschen seit Jahrzehnten in ihrer Freizeit bisher wirkungslos für den Klimaschutz demonstrierten. Auch das Regierungskabinett, dem Ministerin Karlicek angehört, versagt völlig beim Klimaschutz.

Dies scheint nun auch die Bundeskanzlerin erkannt zu haben und bezeichnete die Klimaschutzproteste in ihrem wöchentlichen Video-Podcast als “sehr gute Initiative”, sie unterstütze es, “dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen.“ Es blieb jedoch bei diesem verbalen Lippenbekenntnis der Bundeskanzlerin. Denn einer ambitionierteren Klimapolitik, wie beispielsweise einem schnelleren Kohleausstieg, erteilte Merkel eine klare Absage: „Wir müssen Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft auf der einen Seite mit den Zielen des Klimaschutzes versöhnen.“ Das Hervorheben der Bedeutung des Klimaschutzes bei gleichzeitiger Ablehnung entschiedener politischer Maßnahmen mit dem Verweis auf Arbeitsplätze in der fossilen Wirtschaft und Wirtschaftswachstum ist schließlich nicht erst seit diesem Jahr ein wiederkehrendes Mantra in der deutschen Politik.

Wie bereits mehrfach in meinen Newslettern erwähnt, sind diese Argumente jedoch meist vorgeschoben, um die immer noch vorherrschenden Strukturen der fossilen Industrie am Leben zu halten. Denn eine klimafreundliche Umstellung auf 100% Erneuerbare und ein schnellerer Ausstieg aus der Kohle sind keine „Jobkiller“ oder „Wachstumshemmer“, sondern würden im Gegenteil den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und Arbeitsplätze schaffen. Wie Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, grafisch eindrucksvoll darstellt, scheint Angela Merkel mit zweierlei Maß zu messen. Die klimazerstörenden etwa 20 000 Braunkohlejobs will sie schützen, aber 80 000 klimaschützende Jobs in der Solarwirtschaft hat sie mit ihrer Anti-EEG Politik längst vernichtet.

Die Wissenschaft hat nicht nur den Klimawandel nachgewiesen und die meisten politischen Maßnahmen als unzureichend belegt, sondern eben auch die positiven Wirkungen einer regenerativen Energiewende aufgezeigt.

Vor diesem Hintergrund hat sich das Bündnis „Scientists4Future“ gebildet, ein Zusammenschluss von bislang mehr als 700 Wissenschaftlern und Prominenten. Die Initiative fordert Achtung und volle Unterstützung für die Schülerproteste. Diesen Ausruf haben auch Dr. Traber, als leitender Wissenschaftler der Energy Watch Group und ich, als EWG-Präsident, unterschrieben, neben vielen anderen Wissenschaftlern aus dem EWG-Netzwerk gefolgt.

Hier der Aufruf zur Unterschrift von #Scientists4Future für alle WissenschaftlerInnen unter Ihnen.

Auch gibt es die unterstützende Elterninitiative Parents for Future, so können auch Nichtwissenschaftler die mutigen SchülerInnen unterstützen und einen offenen Brief unterschreiben.

Die jungen Menschen, die wöchentlich für die Erhaltung unseres Planeten auf die Straße gehen, haben im Gegensatz zu vielen Politikern den Ernst der Lage erkannt. Es geht um die Erhaltung unseres Planeten, und das hat unser aller größte Unterstützung verdient.

Liebe SchülerInnen: Macht weiter und lasst euch nicht einschüchtern!

Hammelburg, 6. März 2019

Ihr Hans-Josef Fell