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Ein Verbot von Erdöl- und Erdgasheizungen wirkt

Seit Jahrzehnten wird in der Politik gestritten, ob ein Verbot des Neubaus von klimaschädlichen Erdöl- und Erdgasheizungen kommen solle. Schon unter Rot-Grün wurde dies im Bundestag diskutiert, aber bis heute nicht in Gesetzesform umgesetzt.

Im Gegenteil, noch immer gibt es in Deutschland, erst im letzten Jahr wieder beschlossen, sogar noch direkte Subventionen für den Neubau von Erdöl- und Erdgasheizungen z.B. wenn damit eine Solaranlage verbunden ist und das im Klimapaket der Bundesregierung beschlossene Verbot für Ölheizungen ab 2025 hat viele Schlupflöcher, weshalb es in kein wirkliches Verbot ist. So ist es kein Wunder, dass in Deutschland immer noch 75% der Heizenergie durch höchst klimaschädliches Erdöl und Erdgas bereitgestellt wird.

Dabei hat der Schweizer Kanton Basel gezeigt, dass ein Verbot des Neubaus von fossilen Heizungen gute Wirkung zeigen kann. Im Jahre 2017 wurde ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Wer seine Heizung erneuert, darf keine Öl- oder Gasheizung einbauen, sondern muss auf Alternativen wie Wärmepumpen, Solaranlagen oder Erdsonden umstellen. Inzwischen liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei neuen Heiz-Anlagen bei über 90%. Vor dem neuen Gesetz lag dieser Anteil bei nur etwa 50%. Für die neuen klimafreundlicheren Heizungen hat der Kanton seine Förderbeiträge mehr als verdoppelt. So ist beispielsweise eine Wärmepumpe mittlerweile nicht teurer als eine neue Gas- oder Ölheizung. Trotz neuem Energiegesetz sind aber erst die Hälfte aller Heizungen im Kanton Basel-Stadt klimafreundlich. Dies zeige, dass der Weg von fossiler zu erneuerbarer Energie noch ein weiter sei, sagt Matthias Nabholz vom Basler Amt für Umwelt und Energie.

Vonseiten der Regierungsparteien CDU/CSU/SPD ist in Deutschland leider keine derartige Offensive zu sehen, um den Wärmesektor bis 2030 schnell auf Nullemissionen mit 100% Erneuerbaren Energien umzustellen. Dagegen hat die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen gerade einen umfassenden Antrag zum Wärmesektor eingebracht. Mit vielen Detailvorschlägen für Sanierung und Umstellung auf Erneuerbare Energien wäre der Antrag ein hervorragender Beitrag für den Klimaschutz im Wärmesektor, wenn er denn eine Mehrheit im Bundestag finden würde. Lediglich die Zielmarke in diesem grünen Antrag mit 100% Erneuerbaren Energien im Wärmesektor bis 2040 müsste aus Gründen der Notwendigkeit der Umsetzung der Pariser Klimaschutzziele auf 2030 vorgezogen werden.

Auch wenn in Deutschland eine entsprechende Gesetzgebung wie in Basel vor der Bundestagswahl nicht zu erwarten ist, muss niemand darauf warten. Die eigene Erdöl- oder Erdgasheizung auszubauen und durch Erneuerbare Energien zu ersetzen kann jede*r Hausbesitzer*in schnell angehen und auch die Mieter*innengemeinschaft kann ihre*n Vermieter*in drängen, endlich auf Erneuerbare Energien zu setzen, am besten zusammen mit einer energetischen Haussanierung. Unterstützungsprogramme gibt es viele z.B. bei der KFW.

Jedenfalls wirkt jede Umstellung weg von Erdöl- Erdgas- oder gar noch Kohleheizungen hin zu Erneuerbaren Energien sofort als wichtige Umwelt- und Klimaschutzmaßnahme. Meist wird dadurch auch schon mittelfristig der Geldbeutel entlastet. Niemand kennt den Erdöl- oder Erdgaspreis in den kommenden Jahren, doch auch schon wie um 2010 herum kann er in große Höhen emporschießen. Doch die Preise für Erneuerbare Energien, insbesondere wenn viel Solar integriert ist, bleiben auf lange Sicht meist kalkulierbar und günstig, denn Sonnenstrahlen werden nie etwas kosten.

Technische Möglichkeiten gibt es viele. Einen hohen Solarstrahlungsanteil einzubinden ist auch in unseren nördlichen Breiten sinnvoll. Direkte Warmwassergewinnung auch für Heizungsunterstützung mit Solarkollektoren ist immer noch lukrativ. Mit der Solarstromanlage auf dem eigenen Hausdach kann man bis zu 80% der Heizenergie in einem gut gedämmten Haus decken. Dafür am besten geeignet sind Wärmepumpen. Aber auch die direkte Solarstromnutzung für Wärme kann in vielen Anwendungsbeispielen kostengünstige Heizenergie liefern. Wärmepumpen ergänzen den Solarstrom mit Wärme aus der Umgebung oder der Erde.

Solarstrom kann auch direkt hocheffiziente elektrische Flächenheizungen erwärmen, die damit eine höchst angenehme Strahlungswärme erzeugen. Ein einfacher Heizstab im großen Pufferspeicher kann darüber hinaus überschüssigen Solarstrom sinnvoll nutzen. Wer mit großen Wärmespeichern z.B. Wasserspeichern oder Erdspeichern sogar im Sommer viel Solarwärme einfängt, kann z.B. mit Wärmepumpen auch ganzjährig nur mit Solarenergie sein hochgedämmtes Haus heizen.

Erste Anbieter für sommerlich erzeugten Wasserstoff aus Solarstrom und winterliche Nutzung des gespeicherten Wasserstoffes für Strom- und Wärmeerzeugung mit Brennstoffzellen sind bereits auf dem Markt. Wer im Winter einen größeren Wärmebedarf hat, weil er z.B. in einem Altbau lebt, dessen Dämmung unverhältnismäßig teuer wäre, kann sein Haus auch mit Kleinblockheizkraftwerken, betrieben mit Pflanzenöl, Biogas oder Holzgas ausstatten. Damit kann er zusammen mit der sommerlichen PV-Stromerzeugung sogar ganzjährig autark den eigenen Strom- und Wärmebedarf decken.

Auch Bioenergieheizungen sind besser als Erdöl und Erdgasheizungen, wenn die Beschaffung der Bioenergie (Holz, Biogas, Pflanzenöl) aus nachhaltigem Anbau ohne Übernutzung kommt. So werden Holzheizungen mit Pellets oder Scheitholz gerade in den nächsten Jahren das viele Schadholz aus den sterben Wäldern sinnvoll verwerten. Aufgepasst werden muss aber bei der Beschaffung von Pellets und Scheitholz, damit es wirklich aus heimischer nachhaltiger Holzbeschaffung kommt und nicht aus Kahlschlagwald aus Osteuropa oder Russland. Zudem ist mit jeder Biomasseheizung peinlich darauf zu achten, dass die Feinstaubgrenzwerte am besten weit unterschritten werden, um krankmachende örtliche Luftverschmutzung zu vermeiden. Mit moderner Filtertechnik ist dies sogar bei modernen Holzöfen im Bestand zu schaffen.

Hammelburg, 5. Februar 2021

Ihr Hans-Josef Fell