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Die Solarindustrie kommt nach Deutschland zurück

Nachdem die Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Rösler der deutschen Solarindustrie vor etwa neun Jahren das Licht ausgeblasen hatte, kehrt sie nun zurück: In der zweiten Maihälfte wird Photovoltaik-Hersteller Meyer Burger im Solar Valley in Thalheim eine Solarzellenfabrik eröffnen sowie eine Solarmodulfabrik in Freiberg in Sachsen.

Noch 2010 war Deutschland weltweit führend in der Solarindustrie. Unter den zehn größten Solarunternehmen der Welt waren damals acht deutsche Firmen vertreten. Heute zählt zu den 30 größten kein einziges deutsches Unternehmen mehr. Durch die, politisch gewollte und herbeigeführte, Zerlegung der deutschen Solarindustrie brachen im Zeitraum von 2014 bis ungefähr 2016 rund 100.000 Jobs in der Branche weg. Und dies ausgerechnet in den traditionellen Kohleregionen, die heute Unterstützung im Strukturwandel fordern, aufgrund des (noch viel zu spät angesetzten) Kohleausstiegs. Exakt dieser Strukturwandel war, in Form der Energiewende, zu Beginn der 2010er Jahre bereits auf dem Weg. Nun muss er mühsam wieder aufgebaut werden.

Hersteller Meyer Burger, geleitet von seinem visionären CEO Gunter Erfurt, gehört zu den Unternehmen, die diesen Strukturwandel jetzt umsetzen. Das Unternehmen hat in den letzten Jahrzenten als Technologie- und Maschinenlieferant die Entwicklung der globalen Photovoltaik-Industrie maßgeblich vorangetrieben. Mit der Eröffnung der zwei neuen Werke setzt das Schweizer Unternehmen Meyer Burger nun in Deutschland auf die eigene Produktion von Hocheffizienz-Solarzellen und -Solarmodulen.

Der Wiederaufbau der Solarbranche in Deutschland wird von der Bundesregierung und der Europäischen Kommission so gut wie nicht unterstützt und das, obwohl der Solarstandort im Osten Deutschlands alleine durch die Eröffnung der Werke von Meyer Burger langfristig bis zu 3500 Arbeitsplätze schaffen kann, in einer Region in der in Zukunft viele Arbeitsplätze durch die Stilllegung des Kohleabbaus wegfallen werden. Der von Politik und Gewerkschaften stets geforderte strukturelle Wandel der Kohleregion findet nun gerade durch Meyer Burger mit seinen neuen Solarfabriken statt: Kohlekumpel können jetzt einen neuen Job in der Solarindustrie finden.

Unterstützung erfährt das Vorhaben vor allem von Sachsens grünem Energie- und Umweltminister Wolfram Günther. Dabei ist klar, um das 1,5 °C-Grad Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, braucht es aber Unterstützung aus allen Parteien für den Wiederaufbau der Solarindustrie in Deutschland. Ohne neue Solarfabriken kann der notwendige Ausbau der PV für 100% Erneuerbare Energien nicht gelingen.

Solarzellen und Solarmodule sind aber bei weitem noch nicht die ganze Wertschöpfung in der Solarindustrie. Ein wichtiger Teil ist die Produktion von Solarsilizium. Hier gehört Wacker Chemie aus dem bayerischen Burghausen zur Weltspitze. Doch nun holen auch in diesem Sektor chinesische Firmen mächtig auf.

Im Jahr 2022 wird sich Chinas Anteil am Solarsilizium-Ausstoß auf 90% erhöhen. Bernreuther zufolge wird dies durch die Nutzung von (noch) billigem Kohlestrom und dem Missbrauch uigurischer Zwangsarbeiter*innen ermöglicht. Wacker Chemie wird dann vom ersten Platz der Solarsiliziumproduzenten in 2020 auf Rang fünf im nächsten Jahr absteigen. Auch hier fehlt die politische Unterstützung durch Bundesregierung und Europäische Kommission, wie schon 2012 für die deutschen Solarzellen- und Modulproduzenten, um deren Niedergang aufzuhalten.

Die Tatsache, dass der weltweite Solarausbau zukünftig fast gänzlich von chinesischen Produktionen abhängig sein könnte, sollte ein zusätzlicher Grund sein, die deutsche Politik anzutreiben, die Solarindustrie nicht länger zu vernachlässigen.

Die Coronakrise hat gezeigt, wie schnell Lieferketten unterbrochen werden können. Daher ist es für Deutschland und die EU existenziell wichtig, eigene heimische Fertigungsstätten für alle Klimaschutztechnologien in großem Stil auszubauen. Die Solarindustrie gehört dabei ins Zentrum einer nationalen und europäischen Industriepolitik, denn Solarstrom wird den größten Teil der kommenden Stromproduktion liefern.

Die weitgehende Missachtung einer heimischen Industriepolitik für alle Klimaschutztechnologien, insbesondere der Solar- und Windindustrie durch Union, SPD und FDP wird dramatische Folgen für die deutsche Wirtschaft insgesamt haben. China wird seinen Vorsprung weiter offensiv ausbauen, wie aktuell bei Solarsilizium zu sehen ist und Präsident Biden setzt nun in den USA voll auf neue Jobs in den emissionsfreien Technologiebereichen. Da werden es EU und Deutschland schwer haben. Das Setzen auf längere Laufzeiten für die verschmutzenden Technologiekonzerne im fossilen und atomaren Sektor, wie es im sogenannten Kohleausstiegsgesetz von Deutschland zu sehen ist, wird nur einen massiven Abschwung der deutschen und EU-Wirtschaft insgesamt bewirken.

Da ist es nur gut, dass Unternehmen wie Meyer Burger dennoch mutig hohe Investitionen in neue Solarfabriken in Deutschland tätigen, der trägen politischen Unterstützung in Deutschland zum Trotz.

Hammelburg, den 18. Mai 2021

Ihr Hans-Josef Fell