Bürgersolarenergie BERR in Regensburg zeigt, wie auch die Industrie günstigen Strom bekommen kann – und in Oberfranken werben Bürgermeister für die Windkraft

Im bayerischen Regensburg hat die Bürgerenergiegemeinschaft BERR (Bürgerenergie Region Regensburg) mit drei Industriebetrieben (Schaeffler, Siemens und Aumovio) einen Vertrag geschlossen, wonach diese aus einem bald zu bauenden 11-MW-Solarpark mit günstigem Industriestrom versorgt werden.

Quelle: Bürgerenergie Region Regensburg – Energieareal Regensburg Ost: Starke Partner aus Industrie & Energie

Das Projekt ERO – Energieareal Regensburg Ost wird über die BERR mit Bürgerkapital finanziert und gebaut. Die Mitglieder erhalten eine attraktive Verzinsung, die Industriebetriebe einen günstigen Strompreis, die Stadt eine langfristige Sicherung des Industriestandortes.

Axel Kagerer von Siemens kommentierte den Vertragsabschluss:
„Wir freuen uns, dass wir mit der Unterzeichnung des Vertrags einer dezentralen und zugleich klimafreundlichen Stromversorgung unseres gemeinsamen Campus ein großes Stück näher rücken. Damit leisten wir einen Beitrag zum globalen Siemens-Unternehmensziel, bis 2030 CO₂-neutral zu sein. Zugleich werden wir mit dem nachhaltigen Strom aus der PV-Anlage am Standort Regensburg wirtschaftlicher. Viele verbinden Nachhaltigkeit mit höheren Kosten. Bei uns verbessert sie die Kostenposition des Standorts.“

Genau den letzten Satz des Siemens-Managers sollten sich Kanzler Merz und der BDI bei ihrem ständigen Gejammer über zu hohe Industriestrompreise näher anschauen. Hier in Regensburg können sie lernen, wie die deutsche Industrie im internationalen Wettbewerb geschützt werden kann, wie der Staatshaushalt entlastet wird und wie man Klimaschutz ohne Belastung voranbringen kann: nämlich durch bürgerlichen Ausbau der Erneuerbaren Energien statt ständiger Bremsen.

Seit Jahren jammern Industrieverbände über zu hohe Strompreise, statt endlich – wie in Regensburg – günstige Erneuerbare Energien aus Bürgerhand zu nutzen

Doch der von der Bundesregierung geplante Industriestrompreis wird erneut eine milliardenschwere Subvention, die Bürokratie und Staatsverschuldung weiter nach oben treiben wird. Zudem kritisieren viele Unternehmen, dass er gar nichts bringen würde.

Quelle: Bayerischer Rundfunk (BR) – Massive Kritik am Industriestrompreis schon vor dem Start

Bundesregierung bremst weiterhin den Ausbau der Erneuerbaren Energien, statt ihn zu beschleunigen

Zu allem Übel legen die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Netzbetreiber wie E.ON Bürger-Ökostromprojekten immer mehr Steine in den Weg. Insbesondere Netzanschlüsse für Ökostromanlagen und Batterien werden zum Teil jahrelang verweigert.

Bei den staatlichen Ausschreibungen bekommen immer mehr Anlagen keinen Zuschlag. Das bedeutet, dass fertig geplante, genehmigte und finanzierte Projekte nicht gebaut werden können, weil der Staat einen Ausbaudeckel mit viel zu niedrigem Ausschreibungsvolumen festlegt.

So waren zum Beispiel in der vierten Ausschreibungsrunde 2025 für Windenergie an Land 3.450 MW ausgeschrieben. Eingereicht wurden laut Bundesnetzagentur 905 Gebote mit einer Gebotsmenge von 8.155 MW. Den Zuschlag erhielten schließlich 415 Gebote mit einer Zuschlagsmenge von 3.456 MW.

Quelle: agrarheute – Rekord bei der EEG-Windausschreibung an Land

Das bedeutet, dass mit 4.700 MW deutlich mehr als die Hälfte der fertig eingereichten Projekte nicht verwirklicht werden können.
Stärker kann man die Bremswirkung der Bundesregierung kaum dokumentieren.

Genau das wird zum finanziellen Schaden auch der Stromkunden – Industrie, Gewerbe und Haushalte – sein. Denn die Bundesregierung will nun neben dem Bremsen der kostengünstigen Stromerzeugung aus Wind und Solar sowie der Speicherung mit Batterien in diesem Jahr 12 GW neue Erdgaskraftwerke ausschreiben und in den folgenden Jahren weitere ca. 30 GW. Zudem soll ein Kapazitätsmarkt eingeführt werden, der ebenfalls Staatsverschuldung und Strompreise nach oben treiben wird.

Quelle: erneuerbareenergien.de – EU-Kommission nickt Riches Gaspläne ab

Die geplanten Erdgasausschreibungen werden den Strompreis in die Höhe treiben und gleichzeitig die gefährliche Energieabhängigkeit von Trump und Putin verstärken

Schon heute liefern Erdgaskraftwerke den teuersten Strom. Und niemand weiß, ob US-Präsident Trump nicht eines Tages die LNG-Verkäufe in die EU mit hohen Zöllen belegt oder aus einer politischen Laune heraus ganz kappt – so wie einst Putin. Dann steigt der Strompreis wegen teurem Erdgas erneut stark an, wie 2022.

Bei der Unberechenbarkeit und Irrationalität von Trump, Putin und den Ölscheichs im arabischen Raum sollten wir alles tun, um die Energieabhängigkeit von den USA, Russland oder Katar mithilfe heimischer Erneuerbarer Energien schnell zu beenden.

Wie man die Politik von Reiche und Merz verbessern muss, habe ich vor Kurzem mit dem 5-Punkte-Plan der Energy Watch Group dargelegt.

Quelle: Energy Watch Group – 5-Punkte-Plan für eine radikale EEG-Reform

Aber wir müssen nicht auf politische Einsicht und Gesetzesänderungen in Berlin und Brüssel warten.

Ich kann allen Stromkunden – von der Industrie bis zum Haushalt – nur raten, so viel wie möglich eigenen Strom aus Erneuerbaren Energien selbst zu produzieren und direkt zu nutzen. So kann jeder selbst die kommenden Strompreiserhöhungen vermeiden und tatsächlich billigeren Strom bekommen, so wie es in Regensburg die BERR vormacht.

Entscheidend ist das bürgerschaftliche Engagement der Menschen vor Ort in den Kommunen, zum Beispiel auch wie in Forchheim.

In Forchheim werben Bürgermeister und bürgerschaftliche Energieinitiativen mit Großflächenplakaten für mehr örtliche Windkraftanlagen

Im bayerischen Landkreis Forchheim werben Bürgermeister mit Erneuerbaren Energien, Windkraft, Solaranlagen und anderem günstigem heimischem Strom für ihre Gemeinden und Unternehmen. Um Bürgerprotesten gegen neue Windparks vorzubeugen, haben sie dort gemeinsam auf Initiative der Energie- und Klima-Allianz Forchheim e. V. eine Großplakataktion gestartet und klären auf.

Quelle: Energie- und Klima-Allianz Forchheim e. V.

Die Großplakate zeigen die Vorteile der Windkraft auf: wirtschaftliche Vorteile für Kommunen, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger, einen Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende sowie die Verträglichkeit für Vögel und Natur. Die Bürgermeister aus Oberfranken setzen damit ein sichtbares Zeichen für die Windenergie.

Finanziell unterstützt wurde das Projekt auch vom Windrat und von Protect the Planet.

Quelle: Protect the Planet

In der brandenburgischen AfD-Hochburg Gartz gewinnt ein 25-Jähriger das Bürgermeisteramt – mit dem Ziel, Windkraft auszubauen

AfD-Chefin Weidel will bekanntlich alle Windräder abreißen lassen. Das Programm der AfD ist – genau wie das von US-Präsident Trump – klar gegen Klimaschutz und Erneuerbare Energien gerichtet.

Doch in der kleinen Stadt Gartz, wo zuletzt über 50 % die Erneuerbare-Energien-feindliche AfD gewählt haben, gewann nun ein junger Mann aus der Branche der Erneuerbaren Energien das Bürgermeisteramt.

„Wir möchten gerne sieben Windräder oder einen Solarpark in der Region bauen. Daran schließen wir ein Nahwärmenetz an und garantieren niedrige Strompreise, damit die Menschen einen Vorteil im Portemonnaie merken“, so Luca Piwodda, der neu gewählte Bürgermeister.

Quelle: n-tv – Gartz wählt jungen Windkraft-Bürgermeister

Es ist schon bemerkenswert: Kommt man mit den Vorteilen der Erneuerbaren Energien in der gesellschaftlichen Debatte durch, dann kann man auch Menschen überzeugen, die sonst von den Narrativen der fossilen Wirtschaft eingefangen sind. Auf örtlicher Ebene ist das leichter als über Bundesmedien oder TikTok.

Daher sollten viele weitere bürgerschaftliche Aktivitäten – wie die Beispiele Regensburg, Forchheim und Gartz – Anlass sein, in vielen Orten Ähnliches anzustoßen.

Wenn diese flächendeckende Bürgerenergiebewegung schnell um sich greift, dann werden Merz, Reiche, Söder und vielleicht sogar Trump nur noch wenige Möglichkeiten haben, ihre von fossilen und atomaren Lobbyisten diktierte Energie- und Antiklimaschutzpolitik durchzuziehen.

Daher kann ich nur dazu ermutigen, sich in Gemeinschaften selbst zu engagieren.

Interessierte, die sich informieren und vernetzen möchten, können sich anmelden bei der

33. Jahrestagung der Bayerischen Solarinitiativen

am 20. bis 21. März in Neuötting.

Quelle: Bayerische Solarinitiativen

oder beim

Super Impact Day

in Lübeck vom 28. bis 29. Januar.

Quelle: Super Impact Day

Ich werde bei beiden Veranstaltungen auch dabei sein.