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Stadtwerke in Franken Vorreiter auf dem Weg zu 100% Erneuerbare Energien

Sechs fränkische Stadtwerke in und um Nürnberg haben sich zu „Ökostrom Franken“ zusammengeschlossen, um den Strom aus eigenen und fremden Solaranlagen mit privatwirtschaftlichen Verträgen (PPA) ohne EEG aufzukaufen. Der erste Solarpark soll in Kürze errichtet werden.

Eine kluge Entscheidung der Stadtwerke, so können sie Strom zum Weitervertrieb für ihre Kunden besonders günstig einkaufen, denn Stromerzeugung aus Solaranlagen ist konkurrenzlos billig gegenüber Strom aus Erdgas, Kohle oder Atomkraft, wie sie die Konzerne anbieten. Damit schützen sie auch ihre Stromkunden zunehmend vor weiteren Strompreissteigerungen, wie wir sie gerade massiv infolge der Erdgaspreisexplosion erleben. Mit den PPA Verträgen machen sie sich auch unabhängig vom Gängelband der staatlichen Ausschreibungen im EEG. Sie benötigen „nur“ noch eine Genehmigung für die Freiflächenanlagen von den jeweiligen Kommunen. Doch diese fällt ihnen viel leichter als Fremdinvestoren von außen, denn Stadtwerke sind eng verbunden mit den örtlichen Entscheidungsträger:innen. Leicht können sie mit den Argumenten der örtlichen Wertschöpfung, Schaffung regionaler Jobs und Einkommen, Stromerzeugung aus der Region für die Region, sowie mit kommunaler Verantwortung für den Klimaschutz argumentieren.

Das Beispiel der fränkischen Stadtwerke ist also bestens geeignet, vielfach kopiert zu werden und so eine echte starke Dynamik auf dem Weg für eine Energieversorgung mit 100% Erneuerbare Energien bis 2030 zu schaffen.

Das Argument, dass Ökostrom hochvolatil ist und der Ausgleich zu einer Stromversorgung mit stundengenauer Bedarfsdeckung nicht wirtschaftlich möglich sei, widerlegt ein anderes fränkisches Stadtwerk.

Das Stadtwerk Haßfurt baute und investierte nun zusammen mit dem Münchner Unternehmen Vispiron und Greenpeace Energy einen 100 Tonnen schweren Batteriespeicher mit zehn Megawatt Leistung und zehn Megawattstunden Kapazität. Damit kommt ganz Haßfurt einer versorgungsicheren ganzjährigen Vollversorgung aller Stromkunden mit 100% Erneuerbare Energien schon sehr nahe. Das tolle ist: Das Stadtwerk schreibt mit dem großen Batteriespeicher sogar schwarze Zahlen über den Intraday-Handel mit Strom. Es wird also klar das Argument widerlegt, dass Speicherinvestitionen zu teuer seien und so eine Vollversorgung mit 100% Ökostrom wirtschaftlich nicht möglich sei.

Schon seit Jahren ist das Stadtwerk Haßfurt Vorreiter für eine 100% Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien. In dieser Vorreiterrolle wurde das Stadtwerk unter der Leitung von Norber Zösch im letzten Jahr sogar von der International Renewable Energie Agency (IRENA) in Abu Dhabi ausgezeichnet.

Die Beispiele zeigen deutlich, dass es nicht kompliziert ist für Stadtwerke, ihren Beitrag zum Klimaschutz und zur Transformation hin zu einer zukunftsgewandten Energieversorgung zu leisten, zumal die Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien günstig ist und vor volatilen fossilen Energiepreise schützt.

 

Hammelburg, 19. Oktober, 2021

Ihr Hans-Josef Fell