Liebe Leserinnen und Leser,

In Deutschland werden unter dem Deckmantel der Sicherheitsforschung neue Generationen von Atomreaktoren entwickelt

Ungeachtet des deutschen Atomausstiegs bis 2022 fordert das Deutsche Atomforum eine Fortsetzung der Reaktorsicherheitsforschung weit über dieses Jahr hinaus aufrechtzuerhalten. Und zwar „personell wie finanziell ausreichend ausgestattet“. Dies verlangte Ralf Güldner, Präsident des DAtF, Ende Mai auf der Eröffnungsrede des 49. Annual Meeting on Nuclear Technology (AMNT 2018) in Berlin.

Weiterhin forderte er zur Weiterentwicklung kerntechnischer Expertise einen „Masterplan der Politik“ und sagte ergänzend:

„Kerntechnik aus Deutschland ist weltweit sehr gefragt…Wer zudem auch neue Reaktorkonzepte künftig noch sicherheitstechnisch bewerten möchte, muss sich an der europäischen bzw. internationalen Reaktorentwicklung beteiligen“.

Dass aber genau diese Argumente letztlich als Vorwand dienen, um hinter den Kulissen an der Marktreife neuer Reaktorkonzepte mitzuwirken, die auch Atomwaffenmaterial wie Uran-233 erzeugen können und für militärische Schiffsantriebe interessant sind, wird von Atombefürwortern verschwiegen.

Die Schweizer Wissenschaftler Marcos Buser und Prof. Walter Wildi zeigen in ihrem Artikel  ‚Sicherheitsforschung als Trojanisches Pferd’ detailliert auf, was unter diesem Deckmantel tatsächlich alles abläuft und dass die sogenannte Sicherheitsforschung nicht von Entwicklungsforschung für neue Reaktoren zu trennen ist.

Sie richten ihren Fokus auf die langjährige deutsch-französische Kooperation im Atombereich und legen dar, wie daraus bereits der europäische Druckwasserreaktor EPR entstand. Dieser wird derzeit von Frankreich weltweit als höchst fragwürdiger Exportartikel vermarktet, sogar in Länder wie Indien, das den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben hat.

Die beiden Autoren beschreiben, welche großen Gefahren bisher nicht gekannten Ausmaßes künftig mit den EU-Projekten des Flüssigsalzreaktors SAMOFAR und der Versuchsanlage MYRRHA verbunden sind. Proliferations- und Terrorrisiken steigen damit enorm. Es wird aufgezeigt, welchen Anteil die Atomforschung in Karlsruhe und international an diesen Reaktorkonzepten und Demonstrationsanlagen der vierten Generation hat.

Es ist vor diesem besorgniserregenden Hintergrund mehr als verantwortungslos, wenn Güldner auch für die Zukunft „ausreichend“ Geld und Personal für diesogenannte Reaktorsicherheitsforschung fordert. Kein Land und schon gar nicht das Atomausstiegsland Deutschland sollte sich angesichts der immer günstiger werdenden und Frieden fördernden Erneuerbaren Energien an der Entwicklung von neuen Reaktorkonzepten beteiligen. Erst recht nicht, wenn damit Material für atomare Massenvernichtungswaffen erzeugt werden kann.

Noch kann einiges davon gestoppt werden. Dafür braucht es aber eine starke öffentliche Wahrnehmung und Diskussion, die letztendlich dazu führen muss, dass Forschungen für neue Generationen von Atomreaktoren endlich gestoppt werden und diese finanziellen Mittel der EU und Deutschlands in Forschung für Erneuerbare Energien umgewidmet werden.

 

Hammelburg, den 2. Juli 2018

Ihr Hans-Josef Fell