Liebe Leserinnen und Leser,

2020 ist eines der wärmsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn und dennoch ist kein wirksamer Klimaschutz in Sicht

Es sind erneut bedrückende Zahlen, die das Erdüberwachungsprogramm der Europäischen Union, Copernicus, in diesem Monat vorgelegt hat: Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde liegt 1,25 °C über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900), in Europa waren es sogar 1,6 °C. Damit kommen wir bereits jetzt dem Pariser Klimaziel von 1,5 °C bedrohlich nahe.

Die letztjährigen hohen Temperaturen sind nur mit denen in 2016 vergleichbar. Damals war das Klimaphänomen El Niño aktiv, welches laut NASA alleine 0,1 °C bis 0,2 °C zur Erhöhung der Durchschnittstemperatur in diesem Jahr beigetragen hatte. 2020 dagegen war La Niña aktiv, dadurch ist die Erdtemperatur normalerweise niedriger. Um so besorgniserregender ist die Rekordtemperatur in 2020.

Damit zeigt sich, die Überhitzung der Erde schreitet rasant voran und nimmt keine Rücksicht auf grassierende Pandemien oder (im Klimaschutz) untätige Politiker*innen. So zitiert der Guardian, Prof. Dave Reay von der University of Edinburgh wie folgt: „Wenn die globalen wirtschaftlichen Erholungsmaßnahmen von den Albträumen des Jahres 2020 nicht grün sind, sieht die Zukunft von vielen Millionen Menschen auf der ganzen Welt in der Tat schwarz aus.“ Viel deutlicher kann man die derzeitige Situation wohl nicht auf den Punkt bringen.

Dennoch betreiben viele Politiker*innen auch weiterhin Augenwischerei. Denn das Ziel der Klimaneutralität 2050 wird weiter munter ausgegeben als entscheidende Maßnahme, um die weltweite Erderwärmung auf 1,5 °C zu beschränken. Dabei werden wir mit dieser Maßgabe die 1,5 °C schon längst überschritten haben, bevor die kommenden 30 Jahre vergangen sind. Vieles deutet darauf hin, dass die 1,5 °C schon vor 2030 überschritten sein werden.

Die neuen wissenschaftlichen Daten bestätigen nur einmal mehr die These des im Dezember erschienene Policy Papers der Energy Watch Group in dem aufgezeigt wird, dass und warum der Pfad einer Klimaneutralität ab 2050 die Pariser Klimaziele verfehlt. Wir brauchen endlich mehr Ehrlichkeit in der Klimapolitik. Erst dann, wenn die Notwendigkeit des entschiedenen raschen Handelns klar kommuniziert wird, wird es auch Strategieentwicklungen für wirklichen Klimaschutz geben, auf dem Weg zum Ziel von Nullemissionen bis 2030 und 100% erneuerbaren Energien.

Die Erderwärmung wird mit jedem Jahr schneller voranschreiten, solange die Menschheit weiter Treibhausgase in die Luft bläst. Das heißt, wir brauchen Nullemissionen und zwar so schnell wie möglich und am besten schon vor 2030. Daran und nicht am Ziel der Klimaneutralität bis 2050 muss sich die Politik orientieren, von der lokalen bis zur globalen Ebene und vor allem bei den wirtschaftlichen Maßnahmen gegen die verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie. Dies ist leider weit und breit nicht zu sehen.

 

Hammelburg, 15. Januar 2021

Ihr Hans-Josef Fell