Liebe Leserinnen und Leser,

Was wir aus der Corona-Krise lernen können: Vorsorge ist entscheidend, denn Katastrophenszenarien können schnell Realität werden

Die globale Pandemie des Corona-Virus führt uns klar vor Augen, dass auch das Unwahrscheinliche – ein gefährliches und hochansteckendes Virus verbreitet sich und sorgt weltweit für einschneidende Notfallmaßnahmen – Realität werden kann. Ein wichtiger Lerneffekt aus dieser Krise sollte sein, dass ganzheitliche Vorsorgemaßnahmen für Extremsituationen überaus sinnvoll und notwendig sind.

Das gilt für Pandemien, aber eben auch für Extremsituationen anderer Art, z.B. einen Blackout, einen langandauernden und flächendeckenden Stromausfall. Waren die Menschen im Falle von Corona schon nicht vorbereitet, so konnten sie wenigstens erreicht und informiert werden, es gab weiterhin Strom- und Wärmeversorgung. Im Falle eines langandauernden Blackouts ist dies alles nicht gegeben. Doch selbstverständlich können wirksame Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden.

Eine dezentrale, volle Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien ist eine der Kernmaßnahmen, denn sie erlaubt die sichere Versorgung mit Strom und Wärme. Daraus folgt: Sie können sich persönlich, mit ihrer Dorfgemeinschaft oder ganze Landkreise absichern vor Blackouts – mit 100% Erneuerbaren Energien. Gleichzeitig bekämpfen Sie dadurch sogar noch einer der bedrohlichsten Ursachen für etwaige Blackouts, Extremwetterereignisse induziert durch die Erderhitzung.

Bereits 2011 wirkte ich als Berichterstatter für Technikfolgenabschätzung der Grünen-Bundestagsfraktion mit am Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zur „Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung“ 

Damals wie heute gilt, die Verwendung von dieselbetriebenen Notstromaggregaten ist unzureichend und führt schnell zu Engpässen, grade kritische Infrastrukturen (Krankhäuser, Banken etc.) sollten durch s.g. Inselnetze – Stromnetzunabhängige Verteilungsnetze – mit erneuerbarem Strom versorgt werden, um eine Notfallversorgung sicherzustellen. Leider ist hier in Deutschland in den letzten Jahren erschreckend wenig geschehen, sodass ein Blackout immer noch ein Horrorszenario für viele Städte, Landkreise und Gemeinden sein dürfte.

In Österreich hingegen gibt es Bewegung, hier gibt es viele Gemeinden, die bereits Vorsorgemaßnahmen getroffen haben, alleine die Beratung D.E.U.S Consulting gibt an, bereits 45 Gemeinden dabei unterstützt zu haben bzw. zu unterstützen etwaige Notfallpläne auf Basis Erneuerbarer Energien zu erstellen. 

Eine Vorlage, wie sich ein Landkreis mit 100% Erneuerbaren Energien und nahezu autark versorgen kann, bietet eine neue Studie der Energy Watch Group „100% Erneuerbare Energien für alle Energiesektoren: Eine Optimierung für den Landkreis Bad Kissingen“ 

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist nicht nur die entscheidende Maßnahme für den Klimaschutz, sondern bietet im Rahmen dezentraler Versorgung auch die höchstmögliche Sicherheit, z.B. vor Blackouts oder Energieknappheit durch Lieferengpässe im Falle eines fossil-atomaren Energiesystems.

Walter Schiefer, Vorsitzender von D.E.U.S Consulting hat Recht, wenn er sagt „Derzeit steht die Bewältigung der Corona-Krise an erster Stelle. Aber es gibt ein Danach und dann sollten wir nicht wieder alles vergessen, was im Alltag und in der Krise für unser Leben wirklich wichtig ist.“

Gesamtgesellschaftliche Krisen können schnell und verheerend wirken, das lernen wir aus der Corona-Pandemie. Viele andere Krisenszenarien, wie Blackout oder die Klimakatastrophe sind uns bekannt. Sie im Vorfeld zu analysieren, um dann die notwendigen Abwehrmaßnahmen zu ergreifen, ist essentiell, wenn eine Gesellschaft bzw. die gesamte Menschheit auf ihrem hohen zivilisatorischen und Wohlstandsniveau bleiben will. Wenn die Krise zur Katastrophe geworden ist, wird es zu spät sein, um Abwehrmaßnahmen zu ergreifen.

Hammelburg, 25. März 2020

Ihr Hans-Josef Fell