Klimakrise: Wir brauchen mehr Katastrophenschutz

2020 ist ohne Zweifel ein schlimmes Jahr, auch, aber eben nicht nur durch die verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die Coronakrise dominiert nicht nur unser Sozialleben, sondern auch die mediale Berichterstattung. Dabei sind die Folgen der Pandemie eher klein gegenüber dem, was auf uns Menschen mit der fortscheitenden Klimakrise in den nächsten Jahren zukommen wird. Augen öffnend dazu ist der Weltkatastrophenbericht der IFRC, der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, der in dieser Woche erschien und dessen Erkenntnisse eigentlich die Titelblätter sämtlicher Tageszeitungen hätten füllen sollen.

Denn dieser „World Disasters Report“ zeigt auf, dass 4 von 5 Naturkatastrophen auf Extremwetter aufgrund des Klimawandels zurückzuführen sind, 83%, und die Zahl dieser Katastrophen wächst erschreckend schnell. In den letzten 3 Jahrzehnten ist sie in jeder Dekade um ca. 35% angestiegen. Von März bis September diesen Jahres allein waren über 50 Millionen Menschen von Naturkatastrophen betroffen, seit 2010 sind es 1,7 Milliarden und viele davon mehrfach. Daher fordert die IFRC zurecht mehr Bemühungen und finanzielle Unterstützungen der Industriestaaten für die am stärksten betroffenen Länder und Regionen. Ihnen zufolge sind 50 Milliarden Euro vonnöten, allein in den nächsten 10 Jahren. Zum Vergleich: Alleine der Corona-Aufbauplan der EU umfasst alleine 750 Milliarden.

Wie schlimm die Auswirkungen der Klimakrise bereits heute sind, zeigt uns die Hurrikane-Saison mit dramatischer Eindrücklichkeit. Denn im Jahr 2020 sind bereits 29 tropische Wirbelstürme verzeichnet worden, so viele wie nie zuvor. Die Folge sind Sturmfluten, Windschäden, sintflutartiger Regen, Überschwemmungen und Erdrutsche, die ganze Inseln und Landstriche Zentralamerikas und in den Philippinen verwüstet haben.

Doch wer glaubt, dass die Auswirkungen des Klimawandels nur in den Tropen bzw. „woanders“ spürbar sind, der irrt. Nach tagelangem Starkregen hatte 2016 ein meterhohe Flutwelle aus Schlamm und Geröll sich seinen Weg durch den baden-württembergischen Ort Braunsbach gebahnt und dabei Bäume, Felsbrocken und Feuerwehrfahrzeuge mit sich gerissen und den Ort zerstört zurückgelassen. Erst im Oktober diesn Jahres wurde Südfrankreich von schlimmsten Unwettern heimgesucht. Solche Vorkommnisse dürfte sich in Deutschland und Europa in den kommenden Jahren häufen, da auch hier der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für Starkregenfälle maßgeblich erhöhen wird.

Dennoch reagiert die deutsche Politik – von der Bundes- bis zu kommunalen Ebene – immer noch nicht angemessen auf diese Herausforderungen. Zum einen gibt es immer noch keine Klimaschutzpolitik, die diesen Namen verdienen würde. Zum anderen blenden die meisten Städte und Gemeinden die erheblichen Gefahren durch Extremwetterereignisse aus und nehmen damit Milliardenverluste und die Gefährdung von Menschleben in Kauf.

Dabei gibt es durchaus Vorreiter-Gemeinden, die sich vorbildlich mit dem Katastrophenschutz befassen. So wurde in Österreich gerade die fünfzigste Gemeinde mit einem Blackout-Schutz durch Solarstrom ausgestattet.

Stromblackouts sind hier natürlich nur eine der Folgen, die schnell die Auswirkungen einer Katastrophe verschlimmern können. Blackoutsicherheit mit Solarstrom dagegen wirkt doppelt: als Beitrag für den Klima- und als Katastrophenschutz.

Die heute bereits verheerenden Auswirkungen der Klimakrise sind lediglich eine weitere Erinnerung, dass Klimaschutz umgehend und entschieden vorangebracht werden muss, von der Katastrophenprävention bis zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Schaffung weitreichender natürlicher Kohlenstoffsenken.

Berlin, 20. November 2020

Ihr Hans-Josef Fell