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In Taiwan attackiert die alte Energiewirtschaft die neue Atomausstiegspolitik

Mit dem Regierungswechsel 2016 durch Präsidentin Tsai Ing-wen, änderte sich in Taiwan auch die Klima- und Energiepolitik. Klimaschutz, Atomausstieg bis 2025 und Ausbau der Erneuerbaren Energien stehen nun im Mittelpunkt der neuen Regierungslinie.

Leider gibt es wie fast überall auf der Welt auch hier Aktivitäten der alten Energiewirtschaft gegen den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Atomausstieg. So will nun die Atomwirtschaft Taiwans den bereits beschlossenen Atomausstieg mit einer Volksabstimmung für die Nutzung der Atomkraft wieder rückgängig machen. Wie vielfach in der Welt werden dort auch Kampagnen gegen die Erneuerbaren Energien gefahren, mit den längst überholten Argumenten, dass Erneuerbare Energien angeblich zu teuer seien und sie angeblich keine sichere Energieversorgung gewährleiten können, Grundlast mit Atomkraft und Kohle sei noch lange unverzichtbar.

Auf einer Energiekonferenz in Taipeh stärkte ich daher der neuen Regierung den Rücken und empfahl der Regierung nicht auf die verfehlten Argumente der alten Atomwirtschaft zu hören und stattdessen offensiv den Ausbau der Erneuerbaren Energien mit einer erneuerbaren Vollversorgung bis 2030 anzustreben.

Lesen Sie hier die Berichterstattung dazu im Focus Taiwan.

Präsidentin Tsai bekräftigte in ihrem Beitrag den klaren Regierungswillen für den Atomausstieg und den Ausbau der Erneuerbaren Energien trotz der Kampagnen der alten Energiewirtschaft. Sie verwies auf das Gespräch, welches wir 2011 gemeinsam in Berlin führten, wo bei ihr als damalige Oppositionsführerin die Erkenntnisse über die Notwendigkeit der Erneuerbaren Energien aus Gründen des Klimaschutzes und für einen Atomausstieg Taiwans gereift sind.

Im persönlichen Gespräch vor der Konferenz bot ich Präsidentin Tsai und dem Energieministerium weitere beratende Unterstützung auf diesem energiepolitischen Weg mit Erneuerbaren Energien an.  So empfahl ich einen Plan für eine 100% Erneuerbare Energien-Vollversorgung für ganz Taiwan in allen Energiesektoren nach dem Vorbild der globalen Simulation der Lappeenranta Universität und Energy Watch Group (EWG) zu erstellen, um die Argumente zu widerlegen, dass Erneuerbare Energien zu teuer seien und keine sichere Energieversorgung schaffen könnten.

Gemeinsam im Gespräch mit Präsidentin Tsai Ing-wen in Taipeh (mit auf dem Bild: Harm Jeeninga, ECN Niederlande)

In einem kurzfristig anberaumten Treffen von Umweltorganisationen und Studenten der Nationaluniversität Taiwans besprachen wir umfangreich Strategien, wie der neuen Regierungslinie mit einer Stärkung der öffentlichen Akzeptanz für Erneuerbare Energien und den Atomausstieg Stabilität verliehen werden kann.

 

Taipeh, den 3. August 2018

Ihr Hans-Josef Fell