Liebe Leserinnen und Leser,

Gestern fand das GGGI Energy Forum 2018 in Seoul, Korea statt. Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten ausführlich die internationale und koreanische Energiepolitik. Mit über 50 Journalisten war das öffentliche Interesse sehr groß. Kein Wunder, im letzten November hatte der südkoreanische Präsident Moon Jae-in einen neuen Energieplan erlassen. Das Forum wurde finanziell von Hanwha Q-Cells unterstützt. Hanwha, der Industrieriese und Siemenskonkurrent aus Korea hatte vor Jahren die deutsche Solarzellenherstellung von Q-Cells gekauft und zu einer großen Blüte verholfen.

Heute dominieren Kohle mit etwa 40% und Atomkraft mit etwa 30% die Stromerzeugung in Südkorea, Ökostrom (ohne Wasserkraft) liegt bei etwa 2%. Nach diesem „3020 Plan“ sollen im Jahre 2030 etwa 20% der Elektrizität aus Erneuerbaren Energien kommen. Auch der Atomausstieg Südkoreas wird angestrebt, der Bau neuer Atomreaktoren wurde bereits gestoppt. Im ersten Vierteljahr 2018 haben sich die Investitionen in Erneuerbare Energien und Speichersysteme gegenüber dem gleichen Vorjahrszeitraum bereits verdoppelt.

In Nordkorea dominieren Kohle und Wasserkraft, sowie etwas Strom aus den Atomreaktoren, die hauptsächlich zur Erzeugung des Waffenmaterials für das umstrittene nordkoreanische Atomwaffenprogramm dienen. Nachdem im letzten Jahr der nordkoreanische Präsident Kim überraschend ein Ende des Atomwaffenprogrammes angekündigt hatte, laufen Verhandlungen zur Denuklearisierung und zur friedlichen Wiedervereinigung der beiden Koreas.

In meiner Eröffnungsrede auf dem Energieforum schlug ich erneut einen Friedenspan vor, in dessen Zentrum ein Ausbau der gesamten Energieversorgung auf 100% Erneuerbare Energien für die ganze Koreanische Halbinsel vorgesehen ist. Damit könnte Nordkorea kein heimliches Atomwaffenprogramm in den Reaktoren vorgeworfen werden, so wie es im Iran der Fall ist. Zudem würden Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung, Wohlstandsentwicklung mit neuen Arbeitsplätzen und mehr Energie die beste Basis für eine friedliche ökonomische Entwicklung in Nordkorea sein.

Vorstellung des Friedensplans mit 100% Erneuerbaren Energien für die koreanische Halbinsel

Das Global Green Growth Institut (GGGI) mit seinem Präsidenten, Ex-UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, unterstützt den von der Energy Watch Group (EWG) vorgeschlagenen Friedensplan, dessen wissenschaftliche Ausarbeitung von der University of Technology in Lappeenranta, Finnland (LUT) erstellt werden wird. Eine Zusage für einen Teil der notwendigen Finanzierung ist bereits erfolgt. Weitere Sponsoren aus Regierungen und Wirtschaft werden noch gesucht, um das Projekt starten zu können.

Auf dem vom GGGI-Generalsekretär Frank Rijsberman geleiteten Forum wurden viele Aspekte einer Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien und Erfahrungen aus anderen Ländern beigetragen.

Beeindruckend waren die klaren Aussagen des norwegischen Vizeenergieministers Atle Hamar. Er betonte, dass klare politische Ziele und politische Regulationen notwendig sind. Wenn diese vorhanden sind, ist die Wirtschaft sehr wohl schnell in der Lage, die entsprechenden Technologien zu liefern und auszubauen. So hat Norwegen das Ziel, dass bis 2025 alle neu gekauften Autos emissionsfrei sein sollten. Im September 2018 waren dann schon etwa die Hälfte der Neuwagen emissionsfrei, meist als E-Mobile, wobei in Norwegen bereits 100% Ökostrom im Netz sind. Im Busverkehr setzt Norwegen neben E-Bussen auch auf Biogasbusse, mit Biogas aus organischen Abfällen der Siedlungen und der Landwirtschaft. Die Vorgabe, auch den in Norwegen großen Fährverkehr emissionsfrei zu machen, ist das Land wegen den klaren politischen Vorgaben einen großen Schritt näher gekommen. Aktuell sind bereits 70 elektrische Fähren im Bau und erste bereits im Betrieb.

Im Jahre 2013 gegründet, hilft GGGI vielen Mitgliedsstaaten, insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländern, auf dem Weg hin zu einer grünen Wirtschaft. So hat GGGI bereits 1 Milliarde US-Dollar für diese Länder mobilisiert, alleine 525 Millionen in 2017. Das Geld hilft in konkreten Projekten eine grüne Wirtschaft u.a. mit Erneuerbaren Energien, Biolandwirtschaft, Aufforstungsprogrammen und durch emissionsfreie Mobilität und Heizungen zu verwirklichen. Jüngste erfolgreiche Projekte sind Aufforstungen in Äthiopien, batteriegestützte Solarsysteme auf acht indonesischen Inseln, ökologische Gebäudeprojekte in Ruanda oder ein Programm zum Stoppen der Entwaldung in Kolumbien. Es wurde auch ein Plan für grünes Wachstum im mexikanischen Bundesstaat Sonora entwickelt, sowie ein neues Energieeffizienzgesetz für die Mongolei. (Projektübersicht)

GGGI hat eine strategische Partnerschaft mit dem Green Climate Fund (GCF) der UN, dessen notwendige finanzielle Stärkung auch auf der UN Klimakonferenz COP 24 in Polen wieder zur Diskussion stehen wird.

 

Seoul, den 31. Oktober 2018

Ihr Hans-Josef Fell