Liebe Leserinnen und Leser,

Es gibt kein CO2-Restbudget mehr

Eine neue Stellungnahme der Offenen Akademie, unterzeichnet von Dutzenden von Wissenschaftler*innen bringt es auf den Punkt: Die Erderwärmung ist bereits so weit fortgeschritten, dass die Menschheit eigentlich keine neuen Emissionen mehr zulassen darf.

Der grundlegende historische Fehler von Teilen der Klimaschutzbewegung und der Politik bis hin zum Weltklimarat IPCC ist der, dass mit der Berechnung eines Kohlenstoff-Restbudgets signalisiert wird, man könne ja noch viele Jahre weiter machen wie bisher. Das Kohlenstoffbudget beschreibt, wie viele Tonnen an Klimagasen die Menschheit noch in einem bestimmten Zeitraum in die Atmosphäre entlassen darf, um eine bestimmte Temperaturmarke – z.B. 1,5 Grad – nicht zu reißen.

In klarer Analyse beschreiben die Wissenschaftler*innen der offenen Akademie, dass die allseits übliche, aber unbestimmte, verschleiernde und an Unverbindlichkeiten volle Sprache eines der größten Übel ist, welches wirksamen Klimaschutz verhindert. Solche Unverbindlichkeiten in der Sprache finden sich in Erklärungen und Forderungen von Klimaschutzorganisationen, Klimawissenschaftler*innen, bis hin zu Politik und Medien.

So steht in der Stellungnahme klar geschrieben:

„Ein Ziel zu erklären, Anstrengungen zu versprechen, bestrebt zu sein – relativ unverbindlichen Formulierungen, bloße Zielvorgaben und Willensbekundungen etc. letztlich ohne Konsequenz für nicht erfüllende Regierungen – wie soll das denn rechtlich prüfbar sein? Es gilt, den Text zu lesen und korrekt zu interpretieren und nicht etwas hinein zu wünschen, was dort nicht steht. Die Offene Akademie hat es am 14. März 2019 so bewertet: „Das Pariser Klimaabkommen beruht auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Länder, wie sie schon nach dem Kyoto-Protokoll von 1997 gescheitert sind … Wir wollen eher diesen rebellischen Geist (der Jugend) unterstützen, anstatt uns auf unverbindlichen Minimalkonsens der Herrschenden zu berufen.“

Und weiter in der Erklärung der offenen Akademie:

„Es gibt kein Restbudget mehr. Der „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC), auch als Weltklimarat bezeichnet, rechnet 2018 Szenarien durch; er kommt aber vor allem zu dem Ergebnis, dass die nationalen Zusagen aller Regierungen nur etwa die Hälfte von dem ausmachen, was er für notwendig hält, um eine Chance auf Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5°C zu erreichen. Und auch wenn diese erfolgen würden, ist die Unsicherheit groß. Wie das National Center for Climate Restoration nachweist, beruhen die Restbudgetberechnungen auf Prognosen, die die Klimaerwärmung signifikant unterschätzen. Selbst die gemachten zu geringen nationalen Zusagen werden von den Regierungen nicht eingehalten, auch von der deutschen Bundesregierung nicht. In Datteln ging das größte Steinkohlekraftwerk Europas in Betrieb. Auch seit dem Pariser Abkommen geht der Anstieg der Emissionen weltweit unvermindert fort.“

Die Einschätzungen der Wissenschaftler*innen der offenen Akademie sind damit weitgehend deckungsgleich mit der Analyse der EWG, wonach alle Klimaschutzmaßnahmen, die auf Klimaneutralität bis 2050 abzielen unzulänglich sind und nur in eine unbeherrschbare Heißzeit führen.

Die Erklärung der Offenen Akademie kann unterschrieben werden mit einer Mail an:
Prof. Dr. Josef Lutz (josef.lutz@etit.tu-chemnitz.de)

Dass wenigstens im Energiesektor Nullemission bis 2030 möglich ist, haben Forscher*innen aus aller Welt bereits klar erklärt. Auch diese Erklärung kann noch unterschrieben werden:
Joint declaration of the global 100% renewable energy strategy group

Hammelburg, 1. März 2021

Ihr Hans-Josef Fell