Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Die Aktivitäten der neuen Regierung in der Ukraine für den Ausbau der Erneuerbaren Energien nehmen erste Gestalt an. Neben den bereits angelaufenen Unterstützungen für Investitionen zum Ersatz des Erdgases gibt es nun ein Regierungsprogramm für die Solarenergie. Bis 2020 sollen 3 Mrd. Euro in den Aufbau einer Solarindustrie investiert werden. Insgesamt plant die Ukraine bis 2020 Investitionen in Höhe von 15 Mrd. Euro in die Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Sektors. Die Regierung und das Parlament erhoffen sich davon mehrfachen Nutzen für das kriegsgebeutelte Land: Neue ökonomische Entwicklung und neue Arbeitsplätze, sowie mehr Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen und damit größeren politischen Spielraum. Die Ukraine hatte eine erfolgreiche Tradition in der Siliziumindustrie (Silizium wird bei der Produktion von Solarzellen eingesetzt). Daran soll nun angeknüpft werden, genauso wie an den bereits erfolgten Ausbau der Solarstromerzeugung selbst. Da die wirtschaftlich darniederliegende Ukraine allein die Investitionen nicht wird stemmen können, sind Auslandsinvestitionen sehr willkommen. Die im bisherigen ukrainischen EEG bestehende „local content“-Regelung (Vorrang der heimischen Investoren) wird demnächst fallen. Es bleibt zu hoffen, dass der für Sonntag vereinbarte Waffenstillstand dauerhaft hält und einem wirklichen Frieden zugeführt wird. Dann wird die Ukraine noch bessere Aussichten haben, weitere große Aktivitäten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und andere Modernisierungsaufgaben, wie die dringend erforderlichen Effizienzmaßnahmen vor allem im Gebäudesektor, voranzubringen.

Während die Ukraine nun aktiv eine Solarindustrie aufbauen will, haben die deutschen Regierungen Merkel/Rösler und Merkel/Gabriel die Solarindustrie längst aus Deutschland vertrieben, anstatt rechtzeitig eine stützende Industriepolitik auf den Weg gebracht zu haben. Noch ist jedoch, obwohl in der Solarindustrie bereits ein großer Schaden angerichtet wurde, in Deutschland nicht alles verloren. Der hohe Standard des Wissens, in vielen Köpfen und Forschungseinrichtungen, auch bei entlassenen und arbeitssuchenden Ingenieuren, ist ein starkes Rückgrat. So sollte beispielsweise mit einer politischen Unterstützung für den Vorschlag von Prof Dr. Eicke Weber vom Fraunhofer ISE in Freiburg für eine neue große X- Gigawattfabrik die solarindustrielle Führerschaft wieder aus China zurückgeholt werden.

Mehr dazu lesen Sie in meinem ausführlichen Interview im Monatsreport des Internationalen Wirtschaftsforums 
Regenerative Energien (IWR) 02/2015.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Plänen der ukrainischen Regierung.

Berlin den 13.02.2015

Ihr Hans-Josef Fell
Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG 2000

fell@hans-josef-fell.de
www.hans-josef-fell.de

Bei mir werden Erneuerbare Energien groß geschrieben!