Liebe Leserinnen und Leser,

Starke gesellschaftliche Bewegungen wollen die großen Defizite Israels im Klima- und Umweltschutz aufarbeiten

Diese Woche fand in Israel die jährliche große Wirtschaftskonferenz statt. Über 800 Teilnehmer diskutierten nicht nur Wirtschaftsfragen sondern auch Umweltschutz im Wirtschaftssektor. Dies ist bitter nötig, Israel hat erst 4% Erneuerbare Energien und nutzt hauptsächlich Kohle für die Stromerzeugung und seit neuestem auch Erdgas aus dem Mittelmeer, neu gefunden vor wenigen Jahren vor der israelischen Küste. Unter dem Deckmantel „saubere Energie“ wird von etablierten Unternehmen und der Regierung ausschließlich diese Erdgaspolitik gepusht,  trotz des hohen Potentials der Solarenergie.

Dieser Konflikt brach auf der Konferenz heftig aus. Während der Rede des Energieministers Yuval Steinitz protestierten viele Leute mit Plakaten und lautstarken Rufen (siehe Foto) und forderten wirksamen Klimaschutz und das Ende der neuen Erdgasbohrungen. Fast wütend reagierte Steinitz und warf den Demonstranten vor, sie wollten ja nur die Kohle beibehalten und hörte nicht auf ihre Vorschläge, die Kohle mit Erneuerbaren Energien abzuschalten. In meinem Redebeitrag auf der Konferenz (siehe Foto) unterstützte ich die Argumentationen der NGOs, in dem ich beleuchtete, dass Erdgas aufgrund der hohen Methangasemissionen kein Beitrag zum Klimaschutz ist, Erneuerbare aber sehr wohl, und dass sie auch viel billiger seien als Erdgas, Kohle und auch Erdöl. Dass Erneuerbare Energien auch einen wichtigen Beitrag für Frieden entwickeln können, stellte ich heraus. Ein gerade für diese Region besonders wichtiger Aspekt.

   

In weiteren Runden auf der Konferenz, in Gesprächen im Energieministerium und in Abendveranstaltungen vertieften wir die Diskussionen mit NGOs und Unternehmen, die auf dem Weg zu Erneuerbaren Energien und anderen Umwelttechnologien wie Bioplastik sind. Im Gespräch mit Yael Cohen Paran, grüne Abgeordnete in der Knesset, wurde weitere Zusammenarbeit vereinbart, um ihre Arbeit für Erneuerbare Energien zu unterstützen. Organisiert wurden diese Diskussionsrunden und mein Beitrag auf der Konferenz durch das Heschel-Zentrum für Nachhaltigkeit, eine der stärksten Organisationen in Israel, die für Umweltschutz kämpfen.

Auch wenn es mit dem fehlenden Ausbau der Erneuerbaren Energien noch kaum Beiträge zum Klimaschutz gibt, so hat Israel doch beachtliche Erfolge mit der Aufforstung großer Flächen zu verzeichnen. Israels traditionell starke Unterstützung für Forschung und Startup-Unternehmen will die Regierung jetzt auch stärker auf Umweltschutz ausweiten.

Große Resonanz gab es in den Vorträgen und Diskussionsrunden für die ersten Israel-bezogenen Ergebnisse der 100% Studien von EWG & LUT. So stellt sich mit diesen Studien heraus, dass ein kommender Energiebedarf in Israel über alle Energiesektoren hinweg fast ausschließlich mit Solarenergie und Batterien kostengünstig gedeckt werden kann. Nun kommt es darauf an, dass diese ersten Studienergebnisse wissenschaftlich vertieft in einem Plan für 100% Erneuerbare in Israel entwickelt werden. Daran wollen viele Akteure in Israel mitarbeiten.

Die Unterstützung für 100% Erneuerbare Energie in Israel kommt auch von Eurovision-Song-Contest-Gewinnerin Ruslana aus der Ukraine, die als Botschafterin für 100% Erneuerbare Energie den diesjährigen Eurovision Song Contest in Tel Aviv nutzen will, um die Bevölkerung Israels für 100% Erneuerbare zu begeistern.

 

Tel Aviv, 18. Januar 2019

Ihr Hans-Josef Fell