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Projekt der 3. Piste des Flughafens Wien- Schwechat unverantwortlich für Umwelt und Frieden

Der weltweite Flugverkehr ist ein starker Antreiber der Erderwärmung. Wenn das 1,5°C-Ziel von Paris irgendeine Chance zur Verwirklichung haben soll, muss auch der Flugverkehr auf eine Nullemissionen zurückgeführt werden. Deshalb darf es ein weiter so wie bisher mit steil zunehmenden Flugaktivitäten im kerosingeführten Flugverkehr nicht mehr geben. Doch gerade die Aktivitäten der globalen Flugwirtschaft sind weiter auf Expansion mit konventionellen Flugzeugen ausgerichtet. Nicht nur in Berlin, München, Frankfurt gibt es Ausbauwünsche von Flughäfen, die die Emissionen im Flugverkehr deutlich steigen werden lassen, statt die in Paris beschlossen Emissionssenkungen umzusetzen.

Im Streit um den Ausbau des Flughafens Wien-Schwechat wurde diese erhebliche Emissionszunahme infolge des geplanten Ausbaus der 3. Piste nun in das Anhörungsverfahren eingebracht. Ich selbst habe dazu eine Stellungnahme verfasst.

Auszüge aus der Stellungnahme in Zusammenarbeit mit dem Verein AFLG (Antifluglärmgemeinschaft, Verein gegen entschädigungslose Grundentwertung durch Flugverkehr):

Eine Abschätzung aus den Einreichunterlagen der Flughafen-Wien AG zeigt, dass dieses Projekt, zusammen mit den übrigen Ausbauten am Flughafen, die jährlichen klimawirksamen Treibhausgasemissionen (THG-E) um einige Millionen Tonnen (mio t) in die Höhe treiben würde. Die Ergebnisse der Berechnungen der Flughafen Wien AG liegen weit unterhalb dessen, was tatsächlich als zusätzliche Emissionen infolge der Erweiterung des Flughafens verursacht werden würde. Ein angemessenerer Berechnungsansatz wäre stattdessen ein Berechnungsmaßstab gewesen, der die in Wien-Schwechat getankten Kerosinmengen zugrunde legt, so wie es auch im Straßenverkehr üblich ist. Dort werden die in einem Land getankten Treibstoffmengen zugrunde gelegt, um die von diesem Land im Straßenverkehr emittierten Emissionen zu ermitteln.

Die zu erwartende Emissionssteigerung widerspricht völlig den Klimaschutzverpflichtungen, die Österreich sowohl in der EU als auch mit der Zustimmung zum Weltklimavertrag in Paris im Dezember 2015 eingegangen ist. Österreich hat sich verpflichtet, die EU Emissionsreduktionsziele bis zum Jahre 2030 bzw. 2050 zu erfüllen. Eine Erhöhung der Emissionen widerspricht diesen Verpflichtungen.

In Paris wurde zudem mit Zustimmung Österreichs beschlossen, die Erderwärmung möglichst schon bei 1,5°C zu stoppen. Damit sind selbst die bisherigen Reduktionsziele der EU nicht mehr tragfähig. Wesentlich ambitioniertere Emissionsreduktionen müssen nun angestrebt werden. Erst kürzlich hat das New Climate Institut für Deutschland berechnet, was dies bedeutet. Die Ergebnisse sind auf Österreich übertragbar. Industrienationen müssten bereits ab 2030 eine Nullemissionswirtschaft verwirklichen. Dies bedeutet, dass z.B. der besonders emissionsstarke Energiesektor spätestens 2030 auf 100% Erneuerbare Energien umgestellt werden muss – das gilt auch für den Verkehrssektor. Aber es sind insbesondere im emissionsstarken Flugverkehr keine Maßnahmen erkennbar, wie Österreich dies schaffen will. Im Gegenteil: mit dem Bau der dritten Piste am Wiener Flughafen wird Österreich seine Klimagasemissionen sogar stark erhöhen und konterkariert damit völlig die selbst eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen.

Dramatische Klimaentwicklung und die Pariser Beschlüsse brauchen neue Antworten, die die Österreichische Regierung bis heute nicht liefert. Das Mindeste muss sein, dass ab sofort jegliche Investitionen in Maßnahmen, die den Ausstoß von Klimagasen erhöhen, zu stoppen sind.

Dabei haben die heutigen Auswirkungen der Erderwärmung bei aktuell 1°C bereits erhebliche störende Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschheit, die auch Österreich bereits erheblich treffen (Der Österreichische Sachstandsbericht Klimawandel 2014, Austrian Panel on Climate Change (APCC) ).

So ist der Klimawandel verantwortlich für die zunehmende Zerstörung von menschlichen Lebensräumen, weshalb weitere zig Millionen Menschen aus ihren Heimatländern flüchten werden müssen. Die europäische Flüchtlingskrise hängt daher über die Fluchtursachen auch mit dem zunehmenden Klimawandel zusammen. Zudem wird die durch die dritte Piste des Wiener Flughafens angefachte zusätzliche Nachfrage nach Kerosin weiter zunehmende kriegerische Spannungen im Kampf um die knappen Erdölressourcen auslösen. Gerade die Erdöleinnahmen gelten als Haupteinnahmequellen für Terrorgruppen und kriegführende Parteien.

Der Ausbau der dritten Piste des Wiener Flughafens Wien-Schwechat ist daher weder aus klima- noch aus friedenspolitischen Gründen verantwortbar.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier

 

Istanbul, den 29. April 2016

Ihr Hans-Josef Fell