Dieser Text wurde am 07.12.2020 als Pressemitteilung der Energy Watch Group und der IRENA Coalition for Action veröffentlicht.

Führende Erneuerbare-Energien-Akteure fordern von Regierungen eine Neuausrichtung der Wirtschaftshilfen im Einklang mit dem Pariser Abkommen

7. Dezember 2020 – Angesichts des fünfjährigen Jubiläums des Pariser Abkommens richten sich diese Woche alle Blicke auf die Regierungen der Welt, die dringend verstärkte Klimaschutzmaßnahmen ergreifen müssen.

In einem erneuten Aufruf zum Handeln fordern über 100 führende Akteure im Bereich der erneuerbaren Energien als Mitglieder der Coalition for Action der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) die Regierungen auf, ihren Kurs zu korrigieren. Indem sie eine auf erneuerbaren Energien basierende Energiewende in den Mittelpunkt der Wirtschaftsmaßnahmen nach COVID-19 stellen, können die Regierungen ihre wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit fördern und eine klimasichere Zukunft sichern.

Während der COVID-19-Krise haben die Regierungen ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, Anstrengungen und Konjunkturpakete auf einem historisch beispiellosen Niveau zu mobilisieren. Während einige Länder ehrgeizigere Klimaverpflichtungen als Teil ihrer Maßnahmen zur Erreichung nachhaltiger und widerstandsfähiger Volkswirtschaften nach COVID-19 angekündigt haben, müssen viele andere noch entscheidende Maßnahmen ergreifen, um einen grünen Aufschwung in Gang zu setzen.

Bis heute haben die G20-Länder mindestens 233 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung des fossilen Brennstoffsektors und der davon abhängigen Industrien zugesagt. Diese Milliarden bedeuten eine verpasste Chance, die Energiewende zu beschleunigen und die langfristige Schaffung von Arbeitsplätzen und Investitionsmöglichkeiten zu einem Zeitpunkt voranzutreiben, zu dem wir sie am meisten brauchen. Die Agenda zur Bewältigung der COVID-19-Krise der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) zeigt, dass Investitionen, die strategisch auf erneuerbare Energien ausgerichtet sind, die Welt auf einen klimasicheren Pfad bringen und weiterreichende sozioökonomischen Vorteile schaffen können. Jede Million US-Dollar, die in erneuerbare Energien investiert wird, bringt dreimal mehr Arbeitsplätze als eine gleichgroße Investition in fossile Brennstoffe.

„Die Corona-Wirtschaftshilfen müssen konsequent für die Transformation zu einer globalen Null-Emissions-Wirtschaft mit 100% erneuerbaren Energien als Kern eingesetzt werden. Nur so gibt es Klimaschutz und Gesundheitsschutz gleichzeitig, weil so auch gesundheitsschädliche Luft- und Wasserverschmutzungen beseitigt werden. Damit wird auch die Anzahl von Menschen in Corona-Risikogruppen verkleinert,“ sagt Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group (EWG), ein in Berlin ansässiger Think Tank und Mitgliedsorganisation der IRENA Coalition for Action. „Die gegenwärtige Krise hat gezeigt, dass ein schnelles und ernsthaftes Eingreifen der Regierung zum Schutz des Wohlergehens der Bürger*innen möglich ist. Genauso braucht es jetzt konsequente Entscheidungen für Maßnahmen, die Umweltschutz als Gesundheitsvorsorge und Klimaschutz verwirklichen.“ so David Wortmann, Mitglied im Lenkungsausschuss der Coalition for Action und Beiratsmitglied der Energy Watch Group.

Aufbauend auf ihrem früheren, im April 2020 veröffentlichten Call for Action fordert die Coalition for Action die Regierungen nun dringend dazu auf, die Prioritäten ihrer Konjunkturmaßnahmen mit den folgenden sechs Maßnahmen neu zu setzen:

  1. Neubewertung der Konjunkturmaßnahmen und Korrektur des Kurses, um eine umweltverträgliche wirtschaftliche Erholung im Einklang mit den globalen Klimazielen zu gewährleisten.
  2. Steigerung der politischen Ambitionen und Festlegung langfristiger Pläne für die Erzeugung und den Verbrauch erneuerbarer Energien, sowohl zentral als auch dezentral.
  3. Sicherstellung, dass die Energiemärkte zuverlässige Bedingungen schaffen und Investitionen und Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien fördern.
  4. Erneuerbaren Energien als Schlüsselkomponente der Industriepolitik Priorität einräumen.
  5. Die Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik mit einer gerechten Energiewende in Einklang bringen.
  6. Die internationale Zusammenarbeit und die Maßnahmen im Zusammenhang mit COVID-19 intensivieren und gleichzeitig erneuerbare Energien als einen zentralen Teil der Lösung anerkennen.

Durch diese sechs Maßnahmen können die Regierungen ihre wirtschaftliche Erholung von COVID-19 mit ihren Klimaplänen in Einklang bringen, ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen einhalten und gestärkt aus der COVID-19-Krise hervorgehen. Jetzt ist die Zeit, das Momentum eines grünen Wiederaufbaus zu nutzen, um weiterhin eine breite öffentliche Unterstützung für die transformative Dekarbonisierung unserer Gesellschaften aufzubauen und den Weg für gerechte, integrative und widerstandsfähige Volkswirtschaften zu ebnen.

Für eine detailliertere Ansicht des erneuerten Call for Action der IRENA Coalition for Action klicken Sie bitte hier.

Für die Pressemitteilung im Original klicken Sie bitte hier.

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Über die Coalition

Die IRENA Coalition for Action bringt führende Akteure im Bereich der erneuerbaren Energien aus der ganzen Welt mit dem gemeinsamen Ziel zusammen, die Nutzung erneuerbarer Energien voranzutreiben. Die Koalition fördert globale Dialoge zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, um Maßnahmen zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am globalen Energiemix und zur Beschleunigung der globalen Energiewende zu entwickeln. www.irena.org/coalition

Über die Energy Watch Group

Die Energy Watch Group (EWG) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Think-and-Do-Tank mit Sitz in Berlin. Wir setzen uns dafür ein, politisches Handeln für Erneuerbare Energien und Klimaschutz weltweit zu beschleunigen – durch wissenschaftliche Analysen, Politikberatung und Dialog. www.energywatchgroup.org

 

Hammelburg, 7. Dezember 2020

Ihr Hans-Josef Fell