Liebe Leserinnen und Leser,

Heute hat mir meine Heimatstadt Hammelburg das Ehrenbürgerrecht für meine Verdienste für das Weltklima und die Erneuerbaren Energien verliehen, welches ich mit großer Dankbarkeit entgegen nahm. Lesen Sie im Folgenden meine Dankesrede!

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Warmuth,

Sehr geehrte Festgäste,

Es ist mir eine große Freude und Ehre, dass Sie so zahlreich gekommen sind. Dies ist Ausdruck einer großen Wertschätzung, für die Arbeit der heute hier im Rathaus ausgezeichneten geehrten Persönlichkeiten und auch für mich selbst.

Mir ist sehr bewusst, dass es eine ganz besondere Auszeichnung ist, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Hammelburg auf Beschluss des Stadtrates zu erhalten. Mit großem Stolz und Bewunderung habe ich auf meinen Vater Karl Fell aufgeschaut, als er für seine großen Verdienste als langjähriger beliebter und erfolgreicher Bürgermeister dieser Stadt das Ehrenbürgerrecht verliehen bekam. Und nun darf ich heute selbst diese herausragende Ehrung in Empfang nehmen. Es dürfte wohl einmalig sein, dass Vater und Sohn eine solch große Ehrung erhalten und ich hätte mich sehr gefreut, wenn mein Vater dies hätte noch erleben können. Es freut mich auch, dass meine Kinder und Enkel es zum Teil geschafft haben, hierher zu kommen und insbesondere meine Frau Annemarie anwesend ist. Sie trägt ja als ehemalige Stadträtin, als aktive Sängerin und ehrenamtlich engagierte z.B. für den fairen Handel viel zum kulturellen Leben in Hammelburg bei und ohne ihre liebevolle Stütze wären meine vielen weltweiten Aktivitäten nicht möglich.

Sie dürfen versichert sein, dass mich diese Ehrung der Stadt Hammelburg ganz besonders freut. Sie reiht sich ein in viele andere Ehrungen vom Bayerischen Verdienstorden, über das Bundesverdienstkreuz, bis hin zum sogenannten asiatischen Nobelpreis, dem Lui Che Woo Preis, der mir für mein Lebenswerk, meinen Beitrag zur Rettung unseres Planeten Erde, verliehen wurde. Daher möchte ich Sie nach dem Umtrunk hier im Remter noch zur Gaststätte Müller gleich am Marktplatz einladen.

Meine Damen und Herren,

meine vielen Ehrungen haben ihre Wurzel in Hammelburg. Nicht nur dass ich hier geboren wurde, im Gymnasium Hammelburg meine intellektuelle Ausbildung fand und wo bis heute mein Lebensmittelpunkt mit meiner Familie, meinen Kindern und Enkeln ist. In Hammelburg habe ich begonnen politisch zu denken und zu leben. In der 68er Studentenbewegung habe ich meine jugendlichen Aktivitäten für den Weltfrieden engagiert ausgelebt und wurde als erster Kriegsdienstverweigerer gerichtlich anerkannt, ausgerechnet am größten bayerischen Bundeswehrstandort. Später als Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag habe ich immer wieder auf die Verdienste des Standortes Hammelburg für die Blauhelmeinsatzausbildung hingewiesen, die für den Weltfrieden einen herausragenden Beitrag liefern.

Es war auch mein Wirken in Hammelburg, wo ich oft unverstanden über meine ökologischen Blicke und Handlungen doch viel erreichen konnte. Mein Haus im Rod, gebaut im Jahre 1985, voll nach ökologischen, naturschützenden und klimaschonenden Gesichtspunkten, wird seit Jahrzehnten mit 100% Erneuerbare Energien versorgt.

Mein erster Wahlkampf 1990 zum Stadtrat in Hammelburg, wo ich über die Ortsteile zog und dafür warb, dass wir auch in Hammelburg einen Beitrag für die Rettung des Weltklimas leisten müssen, ist mir noch gut in Erinnerung. Viele junge Hammelburger und Hammelburgerinen waren damals begeistert und unterstützten diese Wahl erfolgreich. Insbesondere darf ich nennen Volker Oschmann, der mir dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag den juristischen Teil des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) schrieb. Er ist heute als Abteilungsleiter im Bundeswirtschaftsministerium für Energie zuständig. Auch Manuela Rottmann hatte in den 90er Jahren meine ökologische Stadtratsarbeit sehr unterstützt und sitzt heute als meine Nachfolgerin im Bundestag. Manuela, ich freue mich sehr, dass du heute hier sein kannst. Und auch die heute anwesende Landrätin Monika Horcher gehörte zum Kern dieser Bewegung in Hammelburg. Im Verein Müll und Umwelt engagierten wir uns schon damals für eine bessere Abfallpolitik und setzen durch, dass es einen Recyclinghof in Hammelburg gibt, der bis heute erfolgreich arbeitet und dass es Geschirrmobile gibt, die die schier unendliche Plastikmüllflut auf den Festen eindämmte. Leider haben wir es in unserer Generation nicht geschafft, die unendliche Plastikmüllverschmutzung der Weltmeere zu stoppen, was die Erkenntnis reifen lässt, dass vieles von der, von uns damals geforderten und nur zum Teil durchgesetzten Müllpolitik notwendiger denn je ist.

Mit dem großen Wahlerfolg der von mir mitgegründeten Liste Bürger für Umwelt/Bündnis 90/Die Grünen konnte ich 1990 in den Stadtrat einziehen. Dies schaffte mir die Basis, meinen Blick der weltweiten Erfordernisse für den Klimaschutz, lokal umzusetzen.

Es war wie immer in meinem Leben ein schwerer Kampf, den historischen Beschluss 1993 für eine kostendeckende Vergütung für Solarstrom durchzusetzen. Einige der damaligen Stadträte sind ja mit anwesend hier bei dieser Feier, ihnen gilt auch heute noch mein ausdrücklicher Dank für diesen mutigen Beschluss. Neben Freising und Aachen wurde damit Hammelburg zum weltweit anerkannten Vorreiter für eine erfolgreiche Markteinführung der damals noch sehr teuren Solarstromerzeugung. Um diesen Beschluss mit Investitionen zu erfüllen, gründete ich dann mit anderen Gleichgesinnten die weltweit erste Betreibergemeinschaft für Solarstrom, die Hammelburger Solarstromgemeinschaft. Sie wurde zum Vorbild für tausende ähnliche Gemeinschaften in Deutschland und weit darüber hinaus. Sie bildeten dann die Grundlage für das global bestaunte Solarwunder in Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten.

Buchautoren und wissenschaftliche Analysten der jüngeren Zeitgeschichte haben darüber in aller Welt geschrieben und den Namen Hammelburg weit über die nationalen Grenzen hinaus bekannt gemacht.

Herr Bürgermeister, es wäre eine gute Sache, wenn auf diese historisch weltweit einmalige Leistung, erwachsen aus Hammelburg, auch hier in Hammelburg hingewiesen werden könnte, z.B. mit Hinweisschildern, auf die Solaranlagen der Hammelburger Solarstrom Gesellschaft, die ja heute noch einwandfrei Strom liefern. In Stadtrundführungen kann dann leicht auf diese historische Leistung Hammelburgs hingewiesen werden.

Als Stadtrat in Hammelburg konnte ich viel Erfahrung sammeln, wie man die Solarenergie fördern kann und muss. Ich durchdrang die komplizierte Materie gesetzgeberisch, unternehmerisch und technisch. Dieses hat die Grundlage gelegt, dass ich 1998 in den Bundestag gewählt wurde. Dort habe ich sofort alle Erfahrungen mit der kostendeckenden Vergütung für Solarstrom in Hammelburg genutzt und ein Bundesgesetz, das EEG, geschrieben. Es wurde der Bahnbrecher für den Siegeszug der Erneuerbaren Energien in der Welt.

Das EEG wurde gegen große politische und mediale Widerstände, sowie Agitationen aus der fossilen und atomaren Wirtschaft im Bundestag verabschiedet. Schnell wurde es über hundertmal in den verschiedensten Ländern der Erde kopiert: von Spanien, über Chile, nach Tschechien und Uruguay, Ukraine und vor allem China. Das EEG hat die Erneuerbaren Energien heute zur billigsten Art der Energieerzeugung gemacht. In vielen dieser Länder, insbesondere in China habe ich mich als Vorstandmitglied der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe im Bundestag erfolgreich dafür engagiert und China ist heute das Land mit der offensivsten und erfolgreichsten Politik für Erneuerbare Energien. Wie billig die Solarenergie geworden ist, sehen wir an der Geschichte in Hammelburg. 1993 wurde im Stadtrat beschlossen, 2 DM für eine kWh Solarstrom zu bezahlen. Heute kann man in Hammelburg die Solarenergie für etwa 10 Cent pro kWh ernten und im sonnenreichen Arabien gar für 2 Cent. Eine phänomenale Entwicklung, zu der wir Hammelburger mit Stolz sagen dürfen, einen ganz entscheidenden Beitrag geliefert zu haben.

Damit hat sich eine stille Revolution ereignet. Die Erneuerbaren Energien, als wichtigste Klimaschutztechnologie für die Welt, können nun auch wirtschaftlich rentabel ihren Siegeszug beschleunigen. Klimaschutz ist nicht mehr eine wirtschaftliche Belastung, wie immer noch oft fälschlicherweise behauptet wird, sondern eine ökonomisch vorteilhafte Wirtschaftsweise. Auf diese Weltentwicklung dürfen wir auch in Hammelburg stolz sein, denn hier wurde ein ganz entscheidender Grundstein dafür gelegt.

Doch obwohl diese ökonomischen Grundlagen nun geschaffen wurden, hat die Weltgemeinschaft bis heute versagt, Klimaschutz tatsächlich zu verwirklichen. In 2018 sind die globalen Klimagasemissionen durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas sogar auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Nicht erst seit dem letzten Hitzesommer in Deutschland ahnen immer mehr Menschen, dass es nun wohl auch an die Grundlagen unseres Wohlstandes gehen wird, ja mehr noch, das Überleben der Menschheit ist höchst gefährdet. Wenn man die Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Paris ernsthaft umsetzen will, muss die Weltgemeinschaft, genauso wie wir alle in Hammelburg etwa ab 2030 Schluss machen mit allen klimaschädlichen Emissionen. Das ist gleichbedeutend mit dem Ende der Nutzung von Kohlestrom in allen Haushalten, mit dem Ende aller Benzin- und Dieselbetriebenen Autos und auch den Erdgas- und Erdölheizungen.

Dass dies keine Utopie ist, werden wir in den kommenden Wochen mit der Energy Watch Group, deren Präsident ich heute bin, in einer bisher einmaligen Studie beweisen: Eine 100%ige Vollversorgung der gesamten globalen Energieversorgung nur mit Erneuerbaren Energien, ist nicht nur technologisch möglich, sondern sogar billiger als das heutige Energiesystem. Wir zeigen auf, dass das an jedem Ort der Erde und zu jeder Stunde des ganzen Jahres über alle Energiesektoren, Strom, Wärme und Verkehr möglich ist. Aber: Wenn wir als Menschheit zusammen diese Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien nicht schaffen schnell auf den Weg zu bringen, dann wird die Weltgemeinschaft ernsthaft in ihrem Überleben gefährdet sein. Nicht erst in 100 Jahren, nein schon wir Erwachsenen selbst, besonders aber unsere Kinder und ganz bestimmt unsere Enkel.

Ich bin so erfreut und hoffnungsvoll über das starke Aufstehen der jungen Generation mit der Fridays for Future Bewegung ausgehend von der Schwedin Greta Thunberg. Sie erinnert mich an meinen eigenen jugendlichen Elan der 68er Bewegung hier in Hammelburg. Ich würde mich auch freuen, wenn es in Hammelburg Schülerstreiks für das Klima an den Schulen geben würde.

Denn leider sind seit den Anfängen als weltweit beachtete Solarstadt in den 90er Jahren keine großen nennenswerten Aktivitäten mehr erfolgt. Auch Hammelburg verschmutzt das weltweite Klima in spezifisch hohem Maße. Andere Vorbilder haben sich nach vorne geschoben, wie die Stadtwerke Haßfurt.

Es wäre mir ein besonderes Anliegen, dass auch meine Heimatstadt Hammelburg ihre ehemalige weltweite Vorreiterrolle wieder aktivieren würde und einen schnell umsetzbaren Plan schaffen könnte – so wie er überall in der Welt erforderlich ist – um auch in Hammelburg bis 2030 zu einer 100% Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien zu kommen. Gerne will ich dazu meine globalen Erfahrungen einbringen. Meine auch in Hammelburg lebenden Enkel, die ich sehr liebe, spornen mich an, genau auch für sie eine Welt zu erhalten, in der sie dann noch überleben können.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, bitte verzeihen Sie meine mahnenden Worte am Ende dieser gerade für mich ehrenvollen Stunde, aber wir dürfen nicht mehr weiter machen wie bisher. Das Überleben der Menschheit auch in Hammelburg ist höchst gefährdet. Wir haben in Hammelburg eine überlieferte Tradition von 1300 Jahren. Eine solche Tradition wird es in den nächsten 1300 Jahren für die Menschen in Hammelburg nicht mehr geben, wenn wir in die irdische Heißzeit eintreten. Sie lässt sich noch verhindern, aber nicht mehr mit dem business as usual. Wir müssen auch hier lokal vor Ort einen klaren Plan – wie überall auf der Erde – entwerfen und umsetzen, für eine Vollversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien, wir müssen bis 2030 die Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas vollständig beenden. Wir haben in Hammelburg die Wiege dazu gelegt und sollten nun der Welt zeigen, dass es auch geht.

Ich bedanke mich bei Ihnen, Herr Bürgermeister und dem Stadtrat für die große Ehrung und wünsche mir für Hammelburg, dass wir es zusammen mit der Weltgemeinschaft doch noch schaffen, eine zweite 1300 Jahre Tradition mit lebendiger Kultur, mit Wein und Gesang in dieser, meiner liebenswürdigen Heimatstadt zu schaffen.“

   

Hammelburg, 5. April 2019

Ihr Hans-Josef Fell