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Biogas: Durchwachsene Silphie gut für Bienen und für mehr Vielfalt in Agrarlandschaften

Biogaserzeugung steht bei vielen Ökologen in der Kritik. Meist geht es hierbei um Monokulturen von Mais und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Ökologie und die Artenvielfalt, z.B. großflächig fehlende Bienenweiden. Dies hat dazu geführt, dass sich der ehemalige Agora-Chef und jetzige Staatssekretär im BMWi, Rainer Baake, permanent gegen Biogas ausgesprochen hat und dann mit der EEG-Novelle 2014 der Biogasausbau fast auf Null gesetzt wurde.

Nun wird seit langem aber auch an anderen Pflanzen geforscht und es gibt u.a. mit der aus Nordamerika stammenden Durchwachsenen Silphie eine echte positive Alternative.

In einem Forschungsvorhaben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), das über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert wurde, untersuchten Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen- und des Julius Kühn-Instituts von 2012 bis 2015 den Einfluss der Durchwachsenen Silphie auf die ober- und unterirdische Biodiversität in Agrarökosystemen sowie den Wasserhaushalt der Pflanze.

Die Forscher fanden heraus, dass sich Silphiebestände positiv auf Bienen und andere Bestäuber auswirken. Auch wenn sich das gesamte ökologische Potenzial der Pflanze erst bei großräumiger Landnutzung zeigt, werten auch kleine Kulturen in Kombination mit anderen Biogaskulturen, z.B. mit Wildpflanzenmischungen aber auch mit Mais, die Landschaft auf und bieten zudem ein Nahrungsangebot für Insekten.

Darüber hinaus ist die Durchwachsene Silphie weniger erosionsgefährdend und fördert die Verbesserung von Bodenfunktionen. Vorausgesetzt Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden richtig eingesetzt.

Den Biogasausbau aus ökologischen Gründen insgesamt abzulehnen, wie es die Bundesregierung tut, ist also der falsche Weg. Vielmehr müssen Anreize geschaffen werden, den Pflanzenanbau ökologischer zu gestalten. Mit der Durchwachsenen Silphie und anderen Pflanzen sind die Alternativen da.

Pflanzenanbau für Biogasanlagen könnte sogar in den großen Agrarlandschaften, die auf riesigen artenarmen Getreidefeldern für die notwendige Lebensmittelzeugung sorgen, für mehr biologische Vielfalt sorgen.

Dann könnte sich sogar die Diskussion in weiten Teilen der Umweltbewegung umkehren: Plötzlich würden mehr Biogasanlagen gefordert, weil so die Biodiversität in den Agrarlandschaften gesteigert werden kann. Zudem können dann immer mehr Biogasanlagen auch ihr energiepolitisches Potenzial entfalten, indem sie den Ausgleich für die Schwankungen von Solar und Wind bieten.

Union und SPD sind nun aufgefordert, in der EEG-Novelle 2016 endlich dem Biogasausbau wieder eine Belebung zu verschaffen, aber nur in Verbindung mit mehr Biodiversität. Die Forschungen der FNR zeigen, dass dies geht.

 

Berlin, den 19. Mai 2016

Ihr Hans-Josef Fell