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10. Generalversammlung der IRENA in Abu Dhabi eröffnet Jahrzehnt der Erneuerbaren Energien

Die Vollversammlung der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) hat ihr 10. Jubiläum gefeiert. Zur jährlichen Versammlung der „globalen Stimme für erneuerbare Energien“, welche inzwischen 160 Staaten und die Europäische Union als Mitglieder zählt, fanden sich in den letzten Tagen über 1.500 Delegierte in Abu Dhabi ein. 

Der neue IRENA-Generaldirektor Francesco La Camera eröffnete die Vollversammlung mit einer Rede, in der er das neue Jahrzehnt als das der Erneuerbaren Energien beschrieb, welches unser Energiesystem mit beispielloser Geschwindigkeit verändern wird. Damit dies gelingt, so forderte er, „müssen wir uns dringend mit der Notwendigkeit einer stärkeren Politik zur Förderung der erneuerbaren Energien und einer deutlichen Erhöhung der Investitionen in den nächsten zehn Jahren befassen.“ 

„Erneuerbare Energien sind der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung und sollten in der Energie- und Wirtschaftsplanung weltweit eine zentrale Rolle spielen“, forderte La Camera weiter. Dabei wies er ausdrücklich darauf hin, dass die Erneuerbaren ja schon heute erschwinglich, leicht verfügbar und in großem Maßstab einsetzbar sind, wir aber schneller handeln müssten. Als große nächste Herausforderung nach dem Stromsektor hob der Generaldirektor die Dekarboniserung der Endverbrauchssektoren hervor. So gab er an, dass die Erneuerbaren Energien wirtschaftliche Chancen (BIP-Anstieg um 2,5%) und Arbeitsplätze schaffen – laut IRENA 12 Millionen zusätzliche Jobs. Die jährlichen Investitionen und der Anteil der Erneuerbaren Energien an der weltweiten Stromversorgung müssten sich aber bis 2030 verdoppeln, um eine nachhaltige Zukunft zu sichern. La Camera betonte auch, dass die Investitionen in den Kontext von Subventionen, die umgeleitet werden müssen, und Externalitäten gesetzt werden müssen: Für jeden investierten Dollar gebe es ein Payback von 3-7 Dollar. Der neue IRENA-Bericht „10 Years: Progress to Action“, der für die Jahresversammlung herausgegeben wurde, beschreibt die weltweiten Fortschritte der letzten zehn Jahre und skizziert die wichtigsten Ziele für eine neue Aktionsdekade.

Als internationale Regierungsorganisation zur weltweiten Förderung des Ausbaus und der nachhaltigen Nutzung erneuerbarer Energie sieht die IRENA ihre Rolle darin, den Wissensaustausch zu fördern, Partnerschaften zu stärken und dabei mit allen Beteiligten zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit auch über die Regierungen hinaus fördert die IRENA über die Coalition for Action, ein Bündnis von inzwischen über 95 führenden Akteuren im Bereich der Erneuerbaren Energien, darunter Unternehmen, Industrieverbände, Zivilgesellschaft, Forschungsinstitute und internationale Organisationen. Auch die Energy Watch Group (EWG) ist Mitglied der Koalition, welche gemeinsam Entwicklungen in der Branche diskutiert, Maßnahmen festlegt sowie Wissen und Best Practices austauscht. Dieses Jahr stellt die EWG mit ihrem Beirat David Wortmann ein Mitglied des neu gewählten achtköpfigen Lenkungsgremiums des Bündnisses.

Ein wichtiges Thema der Veranstaltungen um die diesjährige Versammlung war außerdem die Stärkung der Jugend und die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter im Bereich der Erneuerbaren Energien, erstmalig fand dieses Jahr das sogenannte Youth Forum statt.

Am Vortag der Generalversammlung fand auch dieses Jahr wieder das Parlamentariertreffen (Legislators Forum) und der Public-Private Dialogue statt. Dabei wurde unter anderem diskutiert, welche Anstrengungen in Bezug auf Politik, Regulierung und Systemplanung erforderlich sind, um die Netzintegration erneuerbarer Energien sicher zu stellen und wie die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen, privaten und kommunalen Akteuren gestärkt werden kann.

Als Mitglied der Coalition for Action brachte sich auch die Energy Watch Group während dieser Diskussionen mit Regierungsvertreter*innen und Parlamentarier*innen ein. EWG Beirat David Wortmann stellte die zentralen Ergebnisse unserer globalen Studie zum weltweiten Umstieg auf 100% Erneuerbare Energien vor und betonte die Relevanz geeigneter politischer Rahmenbedingungen. Die EWG kann dank der umfassenden Datenbasis und modernster Modellierungssysteme inzwischen auch auf Anfrage Szenarien für einzelne Regionen und Länder erstellen.

Beim Public Private Dialogue stellte Rainer Hinrichs-Rahlwes, Vizepräsident der European Renewable Energies Federation (EREF), die Ergebnisse eines neuen Papiers der IRENA Coalition for Action über Energieversorger vor, die beim Umstieg auf 100% Erneuerbare Energien weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen. Das Papier stieß in Abu Dhabi auf große Resonanz, auch die Energy Watch Group wirkte bei der Erstellung aktiv mit. Gemeinsam mit den Stadtwerken Haßfurt, die als einziges deutsches Beispiel in dem Bericht herausgestellt sind, werden wir die Ergebnisse morgen, am 16. Januar, erstmalig in Deutschland vorstellen. Für weitere Informationen und Anmeldung zur Pressekonferenz in Haßfurt kontaktieren Sie bitte Magda Zollbrecht (magda.zollbrecht@stwhas.de; +49 9521 9494-333).

Im Rahmen der Vorstellung all dieser positiven Beispiele weltweit warnten wir aber auch vor der Entwicklung, dass es in vielen Ländern mittlerweile einen massiven Rückgang der Investitionen und Ausbauraten der Erneuerbaren Energien gibt, welcher vor allem mit der Umstellung auf Ausschreibungen zusammenhängt. So sank in Deutschland die Wind-Onshore-Neubauleistung von 2017 (4,89 GW) bis 2019 (0,72 GW) um 85%, und auch in anderen Ländern wie Indien, Ukraine und China finden ähnliche negative Entwicklungen statt. Damit eine nachhaltige und schnelle Energiewende gelingt, muss diese unbedingt auch dezentral und partizipativ sein. Entsprechend dürfen die politischen Rahmenbedingungen zum Ausbau der Erneuerbaren Energien kleine Akteure nicht ausschließen, dies hob David Wortmann, Mitglied des EWG-Beirats, in seinem Beitrag hervor.

Hammelburg, 15. Januar 2020

Ihr Hans-Josef Fell