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Inhalt

  • Nachhaltige Biokraftstoffe ohne Lebensmittelkonkurrenz und Urwaldabholzung
  • Hanwah Q-Cells baut 550 Stellen ab – Krokodilstränen sind unangebracht

 

Nachhaltige Biokraftstoffe ohne Lebensmittelkonkurrenz und Urwaldabholzung

Zwei neue wissenschaftliche Analysen zeigen jetzt erneut auf, wie die Nutzung von Biokraftstoffen sogar hierzulande völlig naturschonend und in Einklang mit landwirtschaftlichen Erfordernissen möglich ist.

Eine Analyse von Dr. Herres von der Universität Paderborn hat erneut die hohen Klimaschutzpotentiale und Erdölersatzpotentiale vorgerechnet. So könnten auf 20% der ariden und degradierten Flächen der Erde so viele Ölpflanzen nachhaltig angebaut werden, dass damit sogar der aktuelle globale Erdölbedarf gedeckt werden könnte, völlig ohne Nahrungsmittelkonkurrenz und ohne Naturwaldzerstörung. (LINK zu PPT auf Website)

Eine neue Studie von der Universität Utrecht hat in verschiedenen EU-Ländern beispielhaft nachgewiesen, dass es selbst hier erhebliche Potentiale für den Pflanzenanbau für Biokraftstoffe gibt, ohne Umweltschäden und Nahrungsmittelkonkurrenz zu erzeugen.

Es wird höchste Zeit, dass Umweltverbände und viele Umweltpolitiker ihre pauschale Antibiokraftstoffpolitik endlich differenzieren und die hohen Klimaschutzpotentiale zur Ablösung des Erdöles mit Hilfe von wirklich nachhaltig angebauten Biokraftstoffen endlich befördern, statt zu bekämpfen.

Die verfehlte Biokraftstoffpolitik der letzten Jahre in der EU und Deutschland hat bewirkt, dass die Erdölnutzung im Transportsektor weiterhin dominant ist. Urwaldabholzungen im ecuadorianischen Yasuni-Nationalpark für neue Erdölfelder oder die quadratkilometerweise Zerstörung der kanadischen Wälder für Ölsandgewinnung sind genauso Ergebnis der vehementen Antibiokraftstoffpolitik wie die zunehmenden Spannungen und kriegerischen Entwicklungen in den Erdölförderländern.

Noch ist es möglich, auf EU-Ebene die ILUC-Regelungen (indirekte Landnutzungsänderung) zu verhindern. Wenn aber die vorgeschlagenen ILUC-Regelungen kommen, wird es in der EU keine nennenswerte Biokraftstofferzeugung mehr geben und damit auch alle in der Utrechter Studie aufgezeigten nachhaltigen Potentiale verhindert.

Auf degradierten und ariden Flächen könnten große Mengen von Biokraftstoffen erzeugt werden. Auf diesen Flächen können mit Wiederbegrünungen dank der neu wachsenden Pflanzen und neuen Bodenlebewesen erhebliche Mengen Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen werden. Gleichzeitig ersetzen Biokraftstoffe das besonders umweltschädliche Erdöl. In meinem Buch „Globale Abkühlung“ habe ich längst diese Vorschläge unterbreitet.

Es ist vollkommen unverständlich, warum der größte Teil der Umweltbewegung diese wichtige strategische Klimaschutzlinie ignoriert und stattdessen eine aktive pauschale Antibiokraftstoffpolitik betreibt.

 

Hanwah Q-Cells baut 550 Stellen ab – Krokodilstränen sind unangebracht

Schon wieder eine Hiobsbotschaft aus der deutschen Solarindustrie. Der koreanische Konzern Hanwha hat angekündigt, die Produktion Solarzellen am Standort von Q-Cells in Thalheim einzustellen und damit 550 Arbeitsplätze abzubauen.

Doch die Krokodilstränen des Wirtschaftsministers von Sachsen-Anhalt, Hartmut Möllring (CDU), für die betroffenen MitarbeiterInnen sind nicht angebracht angesichts der schlechten Rahmenbedingungen, für die seine Parteikollegen Merkel und Oettinger nicht nur bei der EEG-Novelle verantwortlich zeichnen.

Die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt wirft Hanwha vor, falsche Erwartungen geweckt zu haben und nun quasi über Nacht das Land zu verlassen. Aber auch die SPD am Solarwirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt hätte ihrem Wirtschaftsminister Gabriel vorher sagen müssen, dass es besser gewesen wäre, die industriellen Hersteller von Solartechnik mit einer aktiven Industriepolitik und einer PV-freundlichen EEG-Novelle zu unterstützen. So wäre durch Zugang zu Investitionskapital über Förderbanken, durch Unterstützung im Wettbewerb mit der schnell wachsenden Konkurrenz aus China, und nicht zuletzt auch durch eine positive Rhetorik über die Zukunftstechnologie Solarenergie, Q Cells möglicherweise zu halten gewesen.

Die seit Jahren fehlende Solarindustriepolitik der EU und der deutschen Bundesregierung sowie die EEG-Gesetzesänderungen, die zu einer drastischen Reduzierung der PV-Investitionen in Deutschland führten, zeigen immer weitere schlimmere Auswirkungen in der Solarindustrie.

Die Denkweise eines Wirtschaftsministers Gabriel, der Industriepolitik nur als Politik zur Stützung der alten fossilen Schwerindustrie in Deutschland sieht, ist fatal, denn sie geht zulasten der Zukunftstechnologien und stellt Deutschlands Vorreiterrolle im immer weiter wachsenden riesigen Weltmarkt der Erneuerbaren Energien immer mehr in Frage.

Wer wie Gabriel in einer Industrienation nur auf die alten Industrien setzt, wird zu den Verlierern in einer sich schnell verändernden Weltökonomie gehören. Die Erneuerbaren Energien erobern im Siegeszug die Welt, doch Deutschland steht dank CDU/CSU, SPD und FDP immer mehr im Abseits.

Berlin, den 23. Januar 2015

Ihr Hans-Josef Fell


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